Spanien 1996: Michael Schumacher, der König im Regen

Kolumne von Mathias Brunner
Formel 1
​Auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya beginnen die Rennen auf den klassischen europäischen Rennstrecken. Für den Spanien-GP will Petrus munter mitmischen.

Vor zwanzig Jahren errang Michael Schumacher auf dem Circuit de Catalunya (das „Barcelona“ wurde erst später in den Namen integriert) seinen ersten Grand-Prix-Erfolg für Ferrari. Es war eine Fahrt, die keiner vergisst, wer dem begnadeten Ausnahmekönner an jenem 2. Juni 1996 zuschauen durfte. Schumacher fuhr förmlich Kreise um die Gegner, in zahlreichen Kurven wählte der Deutsche ganz andere Linien, das hatte er aus dem Kartsport in die Formel 1 mitgebracht.

Am Ende kam Schumi 45 Sekunden vor Jean Alesi ins Ziel, eine Weltreise, nur noch Jacques Villeneuve schaffte es, in der gleichen Runde zu bleiben, der viertplatzierte Heinz-Harald Frentzen war überrundet, Pedro Diniz als Sechster hatte schon zwei Runden Rückstand, alle anderen kreiselten von der Bahn oder schieden durch Defekte oder Kollisionen aus. Regenmeister Rudi Caracciola hatte seinen Nachfolger gefunden.

Im Anschluss an den Grand Prix warteten wir alle im Konferenzraum auf Michael Schumacher, aber es kam niemand, nach knapp einer Viertelstunde knallte eine Tür auf und davor stand – der König von Spanien, Juan Carlos I.

Mir ist bis heute nicht klar, wer die grösseren Augen gemacht hat, das Staatsoberhaupt oder die Journalistenschar. Der König trug einen komplett durchnässten Regenmantel, um ihn herum bildete sich langsam eine kleine Pfütze, dann sagte er mit einer lässigen Handbewegung: «Ich habe nichts zu erklären!»

Wir waren alle komplett baff, dann brach Gelächter aus, der König lachte mit und stürmte dann diagonal durch den Raum und verschwand erklärungsfrei durch eine andere Tür.

Es dauerte ungefähr eine halbe Minute, da knallte es erneut in den Angeln, dieses Mal stürmten vier Bodyguards in den Raum, in milder Panik – sie hatten ihren König verloren. «Da lang!» zeigten wir den Königslosen die Richtung, sie stiefelten von dannen.

Und erst dann kamen die ersten Drei, mit dem anderen König von Spanien, Michael Schumacher.

20 Jahre ist das nun her, und die Geschichte ist mir nur deshalb in den Sinn gekommen, weil die österreichischen Wetterspezialisten von Ubimet für die ganze Woche im Grossraum Barcelona Schauer und Gewitter vorhersagen.

«Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag muss man jeweils vor allem in der zweiten Tageshälfte mit Regenschauern und Gewittern rechnen. Diese können kräftig ausfallen und mit starkem Regen und Sturm einhergehen. Von Schauer- und Gewitterböen abgesehen weht meist schwacher bis mässiger Wind aus südwestlichen Richtungen. Die höchsten Temperaturen liegen zwischen 19 und 21 Grad.»

«Der Freitag bringt neuerlich wechselhaftes Wetter mit ein paar, teils gewittrigen Regenschauern. Das erste freie Training verläuft dabei überwiegend trocken, beim zweiten Training ist die Regenwahrscheinlichkeit hingegen erhöht. Mit 19 bis 20 Grad ändern sich die Temperaturen kaum.»

«Am Samstag muss man neuerlich mit ein paar Regenschauern und Gewittern rechnen, vor allem während des Qualifyings ist die Regenwahrscheinlichkeit erhöht. Aus heutiger Sicht trocken verläuft hingegen das dritte freie Training am Vormittag. Die Temperaturen erreichen mit Südwind rund 18 Grad.»

«Der Sonntag bringt aus aktueller Sicht viele Wolken, meist bleibt es aber trocken. Das Regenrisiko für das Rennen ist somit im Vergleich zu den Vortagen gering. Bei mässigem Südwind werden 17 bis 18 Grad erwartet.»

Das würde bedeuten: Eine denkwürdige Regenfahrt, wie sie uns Michael Schumacher 1996 serviert hat, werden wir wohl nicht erleben. Und einen so ungewöhnlichen Auftritt vom König wohl auch nicht.

Schade.

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