Lewis Hamilton vor Rekordstrafe: 75 Plätze zurück

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton betrachtet den Halo am Wagen von Nico Rosberg

Lewis Hamilton betrachtet den Halo am Wagen von Nico Rosberg

​Weltmeister Lewis Hamilton macht in Spa-Francorchamps einen McLaren-Honda: Der Engländer lässt in seinem Silberpfeil mehrfach Motor-Elemente wechseln – und erhält wohl 75 Strafplätze.

Lewis Hamilton wiederholt hier in Belgien einen Kniff, den McLaren-Honda im vergangenen Jahr in Spa-Francorchamps gezeigt hat. 2015 gab es für McLaren-Honda viel Hohn. Nach der unfassbaren FIA-Strafe von 105 Rängen zurück für die McLaren-Weltmeister Fernando Alonso und Jenson Button meinte der Spanier Alonso ironisch: «Das dürfte Weltrekord sein. Vielleicht sollten wir einen Kuchen herstellen lassen.»

Im Netz kursierten schnell Witze, wonach Alonso und Button wohl ungefähr in Brüssel in den Belgien-GP gehen würden.

Der Grund für die immense Strafe : Zur Saison 2015 hin wurde die Regel abgesetzt, wonach eine nicht völlig abgesessene Strafe im Rennen abgesessen werden muss. Etwa in Form einer Durchfahrtsstrafe im Grand Prix oder einer Stop-and-go.

Honda kam auf die Idee, mehrfach die Motoren zu wechseln und entsprechende Strafen hinzunehmen, dann wird es zwar für die weiteren Elemnte erneut eine Strafe geben, aber weiter nach hinten als in die letzte Startreihe kann man die Fahrer nicht verbannen. Nochmals zu wechseln, klingt zunächst seltsam, ist aber recht clever, um für die neun Rennen von Belgien bis Abu Dhabi über die Runden zu kommen.

Und genau das Gleiche gilt nun für Weltmeister Lewis Hamilton. Der Brite wusste: Er wird mit seinen bisher verwendeten Elementen nicht auskommen – drei Verbrennungsmotoren, fünf Turbolader, fünf Generatoren jener Energie, die am Lader gewonnen wird, drei Generation für Bremsenergie, vier Batterien, drei Steuereinheiten.

Ein erster Plan von Mercedes: Hamilton fährt im ersten freien Training einen vierten Verbrennungsmotor, dann kommt dieser Motor wieder raus. Im zweiten freien Training folgt ein weiterer neuer Motor, dann kommt auch dieser wieder raus. Möglicherweise wird sogar im dritten freien Training vom Samstagmorgen ein neues Aggregat verwendet. Zusammen mit weiteren frischen Elementen seiner Antriebseinheiten kommt vielleicht ein neuer Strafenweltrekord zusammen – die Rede ist von schliesslich 75 Strafplätzen!

Hamilton hat überdies schon zwei Verwarnungen erhalten: fürs Rückwärtsfahren in der Boxengasse von Bahrain sowie für eine unsichere Rückkehr auf die Rennstrecke in Sotschi. Bei einer dritten Verwarnung muss Lewis in der Startaufstellung um zehn Ränge zurück.

Kuriose Verschwörungstheorie gestern im Fahrerlager von Spa-Francorchamps: Lewis Hamilton werde hier in Belgien eine weitere Verwarnung provozieren, um auch gleich noch diese zehn Ränge von der Backe zu haben. Aber so dumm sind die Rennkommissare Gerd Ennser (Deutschland), Felipe Giaffone (Brasilien), Danny Sullivan (USA) und Yves Bacquelaine (Belgien) nicht – die FIA-Regelhüter werden sehr genau hinschauen.

Das moderne Motorenreglement ist ein Dschungel, daher zur Erinnerung – eine moderne Antriebs-Einheit ist reglementarisch in sechs Elemente aufgeteilt:

– V6-Verbrennungsmotor






– Turbolader

– MGU-H (steht für «motor generator unit – heat»; also der Generator für jene Energie, die beim Turbolader gesammelt wird)
– MGU-K (steht für «motor generator unit – kinetic»; also der Generator für die kinetische Energie, die beim Bremsen gesammelt wird)


– Batterie-Paket
– Kontroll-Elektronik für jedes einzelne dieser Elemente

Generell sind pro Fahrer und Saison fünf Antriebseinheiten erlaubt. Sollte ein sechstes Element gebraucht werden, so muss der betroffene Fahrer in der Startaufstellung um zehn Ränge zurück. Für jedes weitere sechste Element der verschiedenen Motorteile gibt es eine Fünf-Ränge-zurück-Strafe.

Braucht ein Fahrer im späteren Verlauf der Saison beispielsweise einen siebten Lader, dann gibt es erneut eine Zehn-Ränge-zurück-Strafe. Für jedes weitere siebte Element wieder die fünf Ränge.

Muss bei einem Fahrer die komplette Antriebseinheit gewechselt werden, also mit sämtlichen Elementen, dann muss er aus der Boxengasse ins nächste Rennen gehen!

Und hier der aktuellste Stand in Sachen Motoren vor dem ersten Training zum Belgien-GP:

Verbrennungsmotor – Turbolader – MGU-H – MGU-K – Batterie – Elektronik


Lewis Hamilton (Mercedes): 4 – 6 – 6 – 4 – 4 – 4

Nico Rosberg (Mercedes): 4 – 4 – 4 – 4 – 4 – 4

Sebastian Vettel (Ferrari): 4 – 4 – 4 – 4 – 3 – 3

Kimi Räikkönen (Ferrari): 3 – 4 – 4 – 5 – 3 – 3

Felipe Massa (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3– 2 – 2

Valtteri Bottas (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Daniel Ricciardo (Renault): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 3

Max Verstappen (Renault): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 5

Nico Hülkenberg (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Sergio Pérez (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Kevin Magnussen (Renault): 4 – 4 – 4 – 4 – 3 – 3

Jolyon Palmer (Renault): 4 – 4 – 4 – 4 – 3 – 4

Daniil Kvyat (Ferrari): 4 – 4 – 4 – 3 – 3 – 3

Carlos Sainz (Ferrari): 4 – 4 – 4 – 3 – 3 – 3

Marcus Ericsson (Ferrari): 5 – 6 – 4 – 2 – 3 – 3

Felipe Nasr (Ferrari): 5 – 4 – 4 – 3 – 3 – 3

Fernando Alonso (Honda): 5 – 5 – 5 – 5 – 5 – 5

Jenson Button (Honda): 5 – 5 – 5 – 5 – 5 – 5

Pascal Wehrlein (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Esteban Ocon (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Romain Grosjean (Ferrari): 3 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3

Esteban Gutiérrez (Ferrari): 3 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3

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