Malaysia-GP: Was Sie über Sepang noch nicht wussten

Von Mathias Brunner
Die frisch asphaltierte Sepang-Strecke

Die frisch asphaltierte Sepang-Strecke

​Sind Sie eingestimmt auf den «heissesten Grand Prix des Jahres»? Stimmt der Superlativ der Malaysier für ihr Rennen überhaupt? Lesen Sie, was Sie über Sepang vielleicht noch nicht wussten.

Die Organisatoren des Grossen Preises von Malaysia nennen ihr Rennen stolz den «heissesten Grand Prix des Jahres». Aber stimmt das überhaupt? Wir blicken vor dem WM-Lauf der Saison ein wenig hinter die Kulissen von Sepang – in Form von einigen Frage und Antworten. Damit glänzen Sie übrigens auch bei der nächsten TV-Übertragtung mit Fachwissen.

Ist Sepang der heisseste GP des Jahres?

Hm – ja und nein. In Singapur ist die Luftfeuchtigkeit ähnlich hoch, aber dort wird in den Abend und in der Nacht gefahren, in Malaysia hingegen am Tag, wenn die Sonne vom Himmel brutzelt. In Bahrain hatten wir schon Temperaturen jenseits von 40 Grad, aber dort ist die Luftfeuchtigkeit aufgrund des Wüstenklimas niedrig. Fazit: Der Anspruch der Malaysia ist berechtigt.

Aber war Sepang jemals der heisseste GP des Jahres?

Möglicherweise kann diese Frage nicht schlüssig beantwortet werden, weil zu Beginn der Formel-1-Geschichte keine genauen Messungen vorgenommen wurden und die Zeitungen oder auch Bücher unterschiedliche Werte verewigt haben. Wie so oft bei Statistika lässt uns die FIA hier ein wenig alleine. Das Paradebeispiel ist der Argentinien-GP 1955: Die meisten Berichterstatter sprachen von 40 Grad im Schatten, anderen Berichten zufolge lag die Temperatur in Buenos Aires bei 37 Grad. Die Pistentemperatur betrug 52 Grad.

Das französische Reims galt früher als Garantie für einen Hitze-GP. Im Juli 1959 wurde auch hier die 40-Grad-Marke mindestens gekitzelt, der US-Amerikaner Masten Gregory erlitt einen Hitzschlag. Es war so heiss, dass der Pistenbelag zu schmelzen begann – ein Effekt, den ich übrigens persöhnlich Ende der 80er Jahre in Phoenix (Arizona) beobachten konnte. Dort sollte noch heute ein Turnschuh-Abdruck von mir verewigt sein ...

Wir wissen nicht, wer für die GP-Premiere von Dallas 1984 die Schnapsidee absegnete, ausgerechnet im Juli nach Texas auszurücken. Wir wissen nur, dass sich auch dort bei Temperaturen um die 40 Grad die Piste aufzulösen begann und in aller Eile und notdürftig repariert werden musste. Schnellhärtender Beton war nur teilweise die Lösung. Reifentechniker von Goodyear trauten ihren Augen kaum, als sie die Pistentemperatur massen – 66 Grad! Keke Rosberg trotzte der Hitze am Besten und gewann.

Im Juli 2014 war es in Hockenheim heiss wie in einer Bratpfanne: Der Formel-1-Tross schwitzte bei 34 Grad Lufttemperatur, die Bahn hatte sich im zweiten freien Training auf zwischendurch 58 Grad aufgeheizt, wenn wir der offiziellen FIA-Messung Glauben schenken dürfen.

Der Rekord jedoch, er geht wohl an Bahrain 2005: Die Temperatur sank während des gesamten Rennens nie unter 41,9 Grad! Fernando Alonso gewann im Renault, bei einer Pistentemperatur von 56 Grad.

Wieso heisst die malaysische Rennstrecke eigentlich Sepang?

Weil die Bahn geographisch im Süden des malaysischen Bundesstaates Selangor liegt und der entsprechende Distrikt hier eben Sepang heisst. Auch eine kleine Stadt trägt diesen Namen. Die Bedeutung des Wortes ist gemäss den Malaysiern im Laufe der Zeit verloren gegangen.

Was befand sich an jenem Ort, wo heute die Rennwagen um den Kurs sausen?

Palmöl-Plantagen. Während der Sepang International Circuit entstand, wurden anderswo 5000 neue Palmen gepflanzt.

Wieso ist der Malaysia-GP 2016 für Jenson Button ein ganz besonderes Rennen?

Er bestreitet in Sepang seinen 300. Formel-1-WM-Lauf. Mehr Grands Prix haben wir Rubens Barrichello (322) und Michael Schumacher (306) bestritten. Aber kein Fahrer hat alle bisherigen 17 Malaysia-GP bestritten: Jenson Button debütierte erst 2000 im GP-Sport und kommt somit am kommenden Wochenende auf 16 Sepang-GP.

Wie viele Malaysier haben an ihrem Heim-GP teilgenommen?

Am Grand Prix nur einer – Alex Yoong 2002 mit einem Minardi (er schied aus). Im ersten freien Training zum Grand Prix 2010 bewegte Fairuz Fauzy einen Lotus.

Wird es wirklich einen Regen-GP geben?

Ein Meteorologe, der die Launenhaftigkeit der hiesigen Verhältnisse kennt, würde vielleicht witzeln: «Das hängt vom Wetter ab!» Die Regenwahrscheinlichkeit ist jeden Nachmittag gross. Das Perfide an Sepang: Über dem nahen internationalen Flughafen KLIA (Kuala Lumpur International Airport) kann es wie aus Kübeln schütten, und auf der Rennstrecke ist es trotz rabenschwarzen Himmels trocken. Oder umgekehrt. Letztlich wird es so sein, dass Gewitterzellen das GP-Gebiet unsicher machen, aber ob sie sich wirklich über der Strecke entladen, können Tage vorher nicht einmal Spezialisten punktgenau vorhersagen.

Welcher Fahrer ist in Sepang über sich hinausgewachsen?

Sebastian Vettel hat in Malaysia vier Mal gewonnen – 2010, 2011 und 2013 mit Red Bull Racing, 2015 mit Ferrari.

Wer ist aus dem Startfeld des ersten Malaysia-GP von 1999 noch dabei?

Von den Fahrern, die beim ersten Grossen Preis von Malaysia am Start waren, sind noch sechs in der Formel 1 – allerdings alle als TV-Experten: David Coulthard, Johnny Herbert, Alexander Wurz, Damon Hill, Jacques Villeneuve und Marc Gené.

Welcher der Formel-1-Jungspunde hat keine Malaysia-Erfahrung?

Nur die Manor-Fahrer Pascal Wehrlein und Esteban Ocon. Renault-Pilot Jolyon Palmer fuhr hier GP2.

Fand der erste Malaysia-GP wirklich 1999 statt?

Streng genommen nicht. Im Rahmen der Formel-1-WM? Ja, natürlich. Aber die Asiaten nannten ein Strassenrennen in Singapur 1965 den «Malaysian Grand Prix». Das Rennen wurde auf dem berüchtigten Thomson Road Grand Prix Circuit ausgetragen.

Was macht die Rennstrecke beim Layout einzigartig?

Die beiden langen, aufeinander folgenden Geraden, welche von einer Tribünenschlucht getrennt werden. Pistenarchitekt Hermann Tilke hat sich bei der Dachform von der nationalen Blume Malaysias inspirieren lassen – Hibiskus.

Warum ist in Malaysia 2016 alles ein wenig anders?

Weil der Kurs komplett neu asphaltiert worden ist und nicht nur das. Rennstreckendesigner Jarno Zaffelli sagt: «So einen tollen Kurs zu aktualisieren, ist nie einfach. Wir wollten das gegebene Layout nicht massiv verändern, aber die Show verbessern. Die letzte Kurve ist dafür das beste Beispiel. Der Randstein an der Innenseite wurde um einen Meter angehoben, die ganze Bahn hängt nach aussen. Also ist die klassische Linie, wenn der Fahrer an den Scheitelpunkt der Kurve sticht, nicht mehr die schnellste. Das gibt Würze. Ich glaube, wir werden aufgrund des ungewöhnlichen Kurvenprofils mehr Überholmanöver sehen. Wegen des neuen Belags, der mehr Grip bietet, werden die Seitenkräfte auf die Reifen höher. Das wird sich auf den Reifenverschleiss auswirken.» Neun Kurven wurden korrigiert, was die Überhöhung angeht. 600 Meter Randsteine wurden gemäss Spezifikationen der Auto- und Motorradverbände FIA und FIM frisch gestaltet. Razlan Razali, Geschäftsleiter des Sepang International Circuit: «Auf die Rennställe und Fahrer kommen viele Unbekannte hinzu. Unsere Gäste werden den Sepang-Kurs entdecken, als wären sie zum ersten Mal hier.»

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