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Zeit und Geld außer Kontrolle: Braucht die MotoGP ein Transfersystem?

Noch vor dem ersten MotoGP-Rennen 2026 schien der Transfermarkt für 2027 kurzzeitig außer Kontrolle. Doch war er jemals kontrolliert? Das sagt MotoGP-Manager Carlos Ezpeleta zu einer Regulierung.

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Die Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft befindet sich in einer außergewöhnlichen Situation. Noch bevor sich ein erstes Rad 2026 drehte, wurde hinter und zum Teil auch vor den Kulissen intensiv an den Stellschrauben für 2027 gedreht. Die Aufregung ist nachvollziehbar. Denn mit Ablauf der diesjährigen Kampagne steht die größte Veränderung der MotoGP seit Jahrzehnten im Programmheft.

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Unter neuer Inhaberschaft wird neben entsprechend angepassten Geschäftszielen wird zudem ein neues Regelwerk umgesetzt. Die Veränderungen lesen sich weniger gravierend, doch in Summe bedeutet das neue Technikbuch, dass alle Hersteller mit Neuentwicklungen ausrücken werden. Darauf abgestimmt wurden auch nahezu alle Fahrerverträge. Getreu dem Motto «Einmal neu, alles neu» können nahezu alle Fahrerpaarungen frisch gemischt werden. Eine Konstante bleibt dabei das Konstrukt aus fünf Herstellern, elf Teams und 22 Athleten. Geht es nach den Promotern der MotoGP, soll an dieser Rezeptur auch langfristig, mindestens aber bis 2031, festgehalten werden.

Transfer-Vorlauf von über einem Jahr

Große Dynamik bei Herstellern, Privatteams und den Piloten war vorprogrammiert. Es gilt, selbst zur Türe einzutreten und den besten Deal abzuschließen, bevor das Transferportal zugeschlagen wird. Den ersten Absprung wagte Fabio Quartararo. Der Franzose, dessen angeschlagene Nerven keine Yamaha-Zukunft mehr zulassen, setzt auf Honda. Auch wenn es keine handfesten Anzeichen dafür gibt, dass Honda 2027 siegfähig ist, Quartararo geht davon aus und wird mit einem Vorlauf von über 12 Monaten überlaufen. Ein spannendes Timing, auch vor dem Hintergrund der gerade erst angelaufenen Entwicklung der neuen 850er-Prototypen im Streckenbetrieb.

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Im Sinne einer nachvollziehbaren Kettenreaktion sickerte zudem durch, dass Jorge Martin den Platz des Franzosen einnehmen will und lediglich eine medizinische Bestätigung zur vollständigen Genesung des «Martinators» einer Unterschrift im Wege steht. Da zudem Pedro Acosta auf dem Weg ist, KTM in Richtung Ducati-Werksteam zu verlassen, reagierte Aprilia und strickte eine Leitung zu Pecco Bagnaia, der bei einer Unterschrift Acostas seinen Posten in Rot verlieren dürfte. All das erfolgte auf kurzem Dienstweg. Bagnaia ist enger Kumpel von Aprilia-Frontmann Bezzecchi, dessen Dienste sich Noale als erstes Werk bereits offiziell für die Zeit nach 2026 gesichert hat. Überhaupt: Das Netzwerk ist eng gestrickt, es geht um nur 22 Piloten, jeder kennt jeden – und jeder redet mit jedem.

Doch in letzter Konsequenz geht es um strategische Interessen der Werke, Karriereplanung bei den Athleten und um Budgets, die drastisch schwanken, je nach Fahrerkaliber zwischen einigen Hunderttausend Euro Basisgehalt bis hoch in den zweistelligen Millionenbereich für einen Marc Marquez oder Fabio Quartararo.

Eine Möglichkeit, die große Dynamik in Bezug auf extrem frühe Vereinbarungen aber unverhältnismäßige Gehaltsschwankungen einzufangen, wäre ein wie in anderen Profisportarten etabliertes Transfersystem. Mit definierten Zeitfenstern für Vertragsverhandlungen und Mindestgehältern würde das Transferfeuerwerk der MotoGP deutlich leiser ausfallen.

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Würde es Sinn machen, im Zuge der umfassenden Neuaufstellung für 2027 ein vergleichbares Modell auch in der MotoGP zu installieren? Die Frage ging an Carlos Ezpeleta, bei dem in seiner Rolle als sportlicher Direktor alle Fäden des Rennbetriebs zusammenlaufen.

Meinungsverschiedenheit

Ezpeleta kam schnell auf den Punkt: «Haben wir denn ein Problem? Ich denke, das ist es, was wir zuerst verstehen müssen. Aktuell herrscht dazu keine eindeutige Auffassung. Wir haben uns dem Thema bereits einmal angenommen und einen Vorschlag gemacht, wie ein Transfermarkt mit klaren Regeln und festgesetzten Zeitfenstern aussehen könnte. Schon dabei ist klar geworden, dass es durchaus kompliziert ist. Die MotoGP ist ja kein wirklich geschlossenes System. Nicht nur weil wir auch die Klassen Moto3 und Moto2 haben, auch die Superbike-WM spielt bei den Transfers eine Rolle.»

Der Spanier weiter: «Offensichtlich haben die Teams und die Hersteller begonnen, sich darüber Gedanken zu machen, eine Art System zu finden, aber wie gesagt, es herrscht eine gemischte Meinung dazu, ob man es regulieren sollte und ob es aktuell überhaupt ein Problem gibt. Dazu kommt, dass es das in anderen Motorsport-Disziplinen keine Entwicklungen dazu gibt.»

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Außerdem betonte der verantwortliche sportliche Ausrichter der MotoGP: «Wir dürfen auch nicht vergessen: Hauptaufgabe der MotoGP ist nicht der Transfermarkt. Für uns geht es darum, die Gesamtplattform bestmöglich zu nutzen. Unabhängig vom Transfermarkt, von den neuen technischen Regularien, dem Rennkalender und allen anderen Elementen: Für uns hat die Saison exakt den gleichen, wenn nicht höheren, Stellenwert wie jede andere Saison.»

Zugleich gestand Ezpeleta auch ein: «Aber ja, auch wir als Ausrichter können uns dem Transfergeschehen mit all den Gerüchten und Spekulationen nicht ganz entziehen und generell wäre es machbar, ein System zu entwickeln.»

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