Audi: Vom Kundenteam Virgin abgekocht

Von Andreas Reiners
Formel E
Daniel Abt

Daniel Abt

Daniel Abt kennt die Geschichten. Sie sind ja auch zu gut. Da geht in der Formel E im zweiten Jahr das Werksteam von Audi an den Start. Im vergangenen Jahr wurden die Ingolstädter immerhin Team-Champion.

Jetzt stattet Audi das Virgin-Team erstmals mit Antriebseinheiten aus, und was passiert? Genau: Audi wird offenbar abgekocht. Denn Audi kam nur mittelmäßig aus den Startlöchern. Lucas di Grassi wurde in den ersten beiden Rennen Neunter und Siebter, sein Teamkollege Abt Achter und Zehnter. Durchschnitt.

Virgin hingegen ist mit den Audi-Antriebseinheiten gut unterwegs. Nach den Plätzen elf und zwölf durch Sam Bird und Robin Frijns in Riad fuhren beide beim actionreichen Rennen in Marokko auf den Rängen zwei (Frijns) und drei (Bird) sogar aufs Podium.

Bedeutet: In der Teamwertung ist Virgin mit 36 Punkten auf Platz vier, Audi mit 14 Zählern nur Siebter.

Für Abt ist es «aus Journalistensicht natürlich schön, die Virgin-Nummer zu spielen. Aber entscheidend ist in der Formel E nicht der Antriebsstrang alleine. Das ist eine von 1000 Komponenten, die reinspielen», so der Deutsche, der einräumte, dass man von außen so sehen könne, dass Virgin auch leistungsmäßig vor Audi liege: «Aber wir haben viele anderen Baustellen, die wir nicht optimal gelöst haben. Einen Vergleich anzustellen ist deshalb schwierig.»

Interessant: Bei Virgin ist man nicht wirklich überrascht über den Stand der Dinge. Rennchef Sylvain Filippi erklärte bei den Kollegen von Autosport: «Wir haben verschiedene Teams. Mein Team arbeitet anders als ihres, weil wir ein kleines und sie ein großes Team sind. Wir haben verschiedene Ideen, manche Ingenieure haben einen anderen Hintergrund als ihre. Wir machen es also auf eine unterschiedliche Art, was es interessant macht. Und ein zweiter Aspekt sind dann noch die Fahrer.»

Abt hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er in diesem Jahr um Siege und den Titel fahren will. «Vor allem, weil wir im letzten Jahr so gut aufgehört haben. Da gewöhnt man sich schnell dran. Aber hier ist niemand ein Nasdenbohrer», sagte er. «Es gibt zudem viele Themen, die neu sind. Da kann es schon mal sein, dass man nicht so auf der Höhe ist. Das mussten wir bis jetzt feststellen.»

Beim dritten Rennen am Samstag in Chile wird die Hitze die größte Rolle spielen, glaubt Abt, «wir erwarten bis zu 37 Grad. Es wird das erste Mal sein, dass unsere Batterie ans Limit kommt. Aber: Die Chancen sind gut, vor allem wegen der Temperaturen. Ich hoffe, dass wir so gut aufgestellt sind, dass wir ganz vorne angreifen können.»


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