Juan Pablo Montoya: Husarenritt des Höllenhundes

Von Andreas Reiners
Indy Car
Juan Pablo Montoya und die Siegermilch

Juan Pablo Montoya und die Siegermilch

Juan Pablo Montoya genoss die traditionelle Siegermilch in vollen Zügen. Wie auch die Aufmerksamkeit. Schließlich hatte es der «alte Mann» nochmal allen gezeigt. Der 39-Jährige hat es zweifelsohne noch drauf. Und wie!

Montoya gewann am vergangenen Wochenende nicht nur einfach die Indy 500. Der Kolumbianer siegte nicht nur mit 0,1046 Sekunden Vorsprung und sorgte damit für die viertknappste Entscheidung der Indy-500-Geschichte. Und es war nicht nur sein zweiter Sieg beim dritten Start in der Indy-Hölle. Nein, Montoya siegte nach einem Kontakt mit der Schweizerin Simona de Silvestro zu Beginn des Rennens letztendlich sogar vom 30. und damit letzten Platz aus.

Denn nach der Berührung musste Montoya an die Box. Dort wurde die Heckverkleidung seines beschädigten Chevrolet ausgetauscht. Was danach folgte, war ein unvergleichlicher Husarenritt. Am Ende hatte er nur in neun von 200 Runden die Führung inne. Da auch die letzte darunter war, war das letztendlich egal. Mehr noch: Es stellte die Klasse des früheren Formel-1-Piloten noch deutlicher unter Beweis.

«Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist zu viel. Der Fight am Ende war hart. Wahnsinn. Das ist es, was IndyCar-Racing ausmacht: Knallharte Positionskämpfe bis zum Schluss», sagte ein überglücklicher Montoya, der nach schwierigen Jahren endlich mal wieder Schlagzeilen schrieb, auch über die USA hinaus. Denn dass Montoya noch Rennen fahren kann beweist allein die Tatsache, dass er die Indy500 als Meisterschaftsführender gewann. In Europa ist er aber zum Großteil aus dem Blickfeld verschwunden.

Doch der Name dürfte Formel-1-Fans natürlich noch ein Begriff sein. Nachdem er bereits 2000 die Indy 500 gewann (als Debütant!), wechselte er in die Motorsport-Königsklasse zu BMW-Williams, wurde WM-Dritter 2002 und 2003. 2005 ging er zu McLaren, wurde 2006 nach einem von ihm ausgelösten Massencrash aber freigestellt, nach 94 Rennen und sieben Siegen.

Montoya spaltete der die Fans wie kaum ein Zweiter, war ein streitbarer Typ, nach der die Formel 1 heute lauthals schreit. Montoya hatte stets ein Kämpferherz, war auf der Strecke für seinen Mut zum Risiko gefürchtet, hatte aber oft auch ein lautes und loses Mundwerk, sagte, was er dachte, für so manchen Geschmack auch zu deutlich.

Montoya kehrt in die USA zurück, war in der NASCAR eher unauffällig unterwegs, gewann nur zwei von 255 Rennen. Nach sieben Jahren wurde sein Vertrag nicht verlängert, Montoya schloss sich der IndyCarSerie an.

Die Formel 1 beobachtet er noch aus der Ferne, schaut sich allerdings nur noch wenige Rennen an. Der dreifache Familienvater hatte in der vergangenen Saison der Formel 1 in Monza einen Besuch abgestattet, «um ein paar alte Freunde wiederzusehen». Montoya spürt keine Reue darüber, dass ein Fahrer seines Talents mehr als sieben GP-Siege hätte erringen müssen. Viele trauten ihm aufgrund seiner Begabung einen WM-Titel zu. Aber Montoya sagt: «Ich blicke nicht zornig zurück.» Schließlich trumpft er auch mit 39 immer noch groß auf.

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