Walter Kaaden – der Entwickler der einst schnellsten Renn-Zweitakter
Am 2. März jährt sich der Todestag von Walter Kaaden zum 30. Mal. Der begnadete Zweitakt-Techniker führte MZ zu großen internationalen Erfolgen auf der Straße und im Gelände.
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Geboren wurde Walter Kaaden am 1. September 1919 in Pobershau im Erzgebirge. Nachdem er beim damals weltgrößten Motorrad-Hersteller DKW in Zschopau eine Schlosserlehre abgeschlossen hatte, setzte er sich erneut auf die Schulbank und absolvierte an der damals «Staatlichen Akademie für Technik» in Chemnitz ein Maschinenbau-Studium. Nach seinem erneut erfolgreichen Abschluss wechselte er als Konstrukteur zum Berliner Flugzeughersteller Henschel, bei dem er als Versuchsingenieur arbeitete.
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Während des Zweiten Weltkriegs spannten die Nationalsozialisten den jungen Ingenieur in Peenemünde für die Entwicklung der Messerschmitt Me 262, dem ersten Strahlflugzeug (Düsenjäger) der Welt, ein. 1942 ehelichte er seine Frau Ingeborg geborene Deutrich und ein Jahr später schenkte sie ihm einen Sohn namens Norbert. Nach dem Kriegs-Wahnsinn machte sich der nun in Zschopau beheimatete Walter Kaaden selbständig. Mit der Firma Kaaden & Schmidt in Waldkirchen, die Holzstabgewebe (Mörtelputzträger) herstellte, beschäftigte er in Spitzenzeiten über 30 Mitarbeiter. Nachdem ihm die behördliche Genehmigung entzogen wurde, ließ er sich im März 1953 wieder beim Zschopauer Motorrad-Hersteller, der nun «IFA (Industrieverband Fahrzeugbau) – Vereinigung Volkseigener Fahrzeugwerke» hieß, anstellen. Das DKW-Nachfolgeunternehmen firmierte am 21. Oktober 1953 in VEB Motorradwerk Zschopau um und verwendete ab 1956 für alle seine Modelle den Namen MZ.
Bei der 1. Winterprüfungsfahrt in der DDR 1952 mit Start und Ziel in Chemnitz (erst von 1953 bis 1990 Karl-Marx-Stadt) gewann Walter Kaaden als Privatrennfahrer auf einer DKW RT 100 seine Klasse. Dabei wurde wohl auch der damalige Technische Direktor bei IFA Zschopau, Alfred Liebers, auf ihn und seine technischen Fähigkeiten aufmerksam. Dieser stellte Walter Kaaden mit dem Ziel ein, eine Rennabteilung, zunächst für den Straßenrennsport, später auch den Geländesport, aufzubauen.
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Auch diese ihm übertragene Aufgabe bewältigte der nicht sonderlich groß gewachsene Erzgebirger mit Bravour – als Organisationstalent, vor allem aber auch als begnadeter Techniker in Sachen Zweitakt-Motoren mit Einlass-Drehschieber. Vor allem mit Resonanzwellen der Auspuffgase in selbigen experimentierte er und erzielte dabei erstaunliche Leistungssteigerungen. Völlig zu Recht galten «seine» MZ-Motorräder als die schnellsten Zweitakter der Welt.
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Meilensteine seiner federführenden Verdienste um den MZ-Motorrad-Straßenrennsport waren der erste Grand-Prix-Sieg durch Horst Fügner beim Großen Preis von Schweden in Hedemora 1958 im Rennen der 125-ccm-Klasse und der Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft durch Ernst Degner 1961 in der gleichen Hubraum-Kategorie. Nach und nach führten auch internationale Spitzenfahrer wie Gary Hocking, Alan Shepherd und Silvio Grassetti, Peter Williams und nicht zu vergessen, der große und einzigartige Mike «The Bike» Hailwood, MZ zu Grand-Prix-Siegen.
Im Geländesport trug Walter Kaaden ebenso maßgeblich zu MZ-Erfolgen bei. Zu nennen sind diesbezüglich der erste Gesamtsieg (Trophy) bei den Six Days 1963 in Spindlermühle in der damaligen Tschechoslowakei, die Wiederholungen dessen 1964 in Erfurt, 1965 auf der Isle of Man, 1966 in Villingsberg in Schweden, 1967 im polnischen Zakopane und 1969 in Garmisch-Partenkirchen. Neben weiteren Gesamtsiegen in der Silbervase, der ehemaligen Junioren-Mannschafts-WM, ging vor allem das Jahr 1987 in die MZ-Geschichte ein. Zusammen mit dem Simson-Werk in Suhl feierte man im polnischen Jelenia Gora einen Erfolg auf ganzer Breite, indem man sowohl bei der Trophy, der Silbervase sowie auch bei den Clubmannschaften die Sieger-Teams stellte. Zu diesem Zeitpunkt war Walter Kaaden bereits ins Rentnerleben eingetreten (seit 1985), stand mit seinem immensen Wissen den Mannschaften aber beratend zur Seite. Der Vize-WM-Titel 1961 durch Ernst Degner war einst ein schwerer Schlag für Walter Kaaden. Nicht nur, dass ihm und MZ der fast schon sicher geglaubte WM-Titel noch durch die Finger rann, sondern mit dem DDR-Flüchtling Ernst Degner gelang auch viel technisches Know-how zu Suzuki bzw. den Japanern insgesamt.
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Für sein Lebenswerk erhielt der stets bescheidene Walter Kaaden zahlreiche Auszeichnungen. Bereits 1958 wurde er «Verdienter Techniker des (DDR-)Volkes», 1965 erhielt er den «Vaterländischer Verdienstorden» der DDR und 1990 die «Goldene Ehrenmedaille» der FIM (Federation Internationale de Motocyclisme). Schon 1969 wurde er vom Motorrad-Weltverband zum Vize-Präsidenten der Internationalen Technischen Kommission gewählt. 1984 wurde er Ehrenmitglied des Präsidiums des DDR-Motorsportverbandes ADMV (Allgemeiner Deutscher Motorsportverband). Walter Kaaden verstarb am 2. März 1996 im Alter von 76 Jahren in Thum.
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