«Smolinski ist kein Gundersen»

Kolumne von Robert Barth
Langbahn-WM
Glück gehabt: Smolinski im Stechen in Pocking

Glück gehabt: Smolinski im Stechen in Pocking

Es kann immer passieren, dass ein Veranstalter Martin Smolinski auf der Langbahn haben möchte und schmeisst ihm einen Haufen Geld nach.

Ich hoffe aber nicht, dass die Veranstalter so doof sind, wie sie es schon vor Jahren waren, und sagen, scheiss egal, was ein Fahrer für eine Leistung bringt, Hauptsache wir haben den Namen bei uns und dafür bekommt er ein Schweinegeld.

Smolinski hat im Moment etwas Oberwasser, weil er in Pocking mit Glück weiterkam. Er zeigte gegen Chris Harris einen superguten Lauf, kam aber nur weiter, weil der Pole im Stechen vom Motorrad fiel.

Nach Betrachtung der ersten Fotos von Smolinski auf der Langbahn fällt mir auf: Wenn er schnell sein will, dann muss er ganz schnell seinen Stil ändern. Aber okay, er fuhr das erste Mal auf der Langbahn. Wenn er jetzt aber meint, dass er bei einem Rennen wie am Vatertag in Herxheim der Weltelite um die Ohren blasen kann, dann hat er sich geschnitten. Das haben schon andere vor ihm gedacht. Siehe Jason Crump oder Joonas Kylmäkorpi. Und die sind fahrerisch besser als Smolinski.

Fahrer wie Erik Gundersen oder Hans Nielsen waren Speedway-Einzel-Weltmeister, als sie auf die Langbahn kamen. Dazu waren sie exzellente Starter. Sie hatten ein brutales Gefühl für Kupplungshebel und Gasgriff, sie merkten genau, was das Motorrad macht. Martin dagegen gewinnt nicht bei jedem Speedwayrennen jeden Start.

Für den Sport in Deutschland könnte es nichts Besseres geben, wenn wir drei oder vier Fahrer wie Smolinski hätten, die sich auf der Langbahn etablieren wollen. Wir sind derzeit nicht mit jungen deutschen Topfahrern übersät. Aber die Sprüche, die ich von Smolinski permanent höre und lese, das ist für mich Leuteverarsche.

Trommeln gehört zum Geschäft und ist gut und recht. Man muss aber auch so trommeln, dass es irgendwann der Wahrheit entsprechen kann. Für die normalen Fans ist es okay, wenn Smolinski ein bisschen Zirkus veranstaltet. Aber Insider, und dazu zähle ich auch die Veranstalter, werden sich ihren Teil denken.

Sollte er in Herxheim fahren, sehe ich ihn unter den 16 Piloten zwischen Rang 10 und 15. Er braucht erstmal gutes Material. Wo soll er den Motor herbringen, der ihn in Herxheim um die Bahn zieht? Den kann er nicht aus dem Ärmel zaubern. Und mit einem guten Speedwaymotor braucht er nicht ankommen. Wenn er in die erste Kurve einbiegt und meint, er kann aussen draufhalten, wie er das auf der Speedwaybahn tut, dann wird er sich umschauen. Wenn er von wirklich schnellen Leuten in Herxheim, wie Bacher, Riss oder Schützbach, eine Dreierladung Sand abbekommt, dann findet er sich kurz vor der Grasnarbe wieder.

Ich habe das letztes Jahr schon mit Richard Speiser erlebt. In der B-Lizenz hat er alles gewonnen, aber als er das erste Mal auf der Langbahn eine echte Packung bekam, wachte er auf. Warum soll es Smolinski anders gehen?

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