Eskil Suter: «Arbeiten am Konzept für die WM 2016»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Der Schweizer Motorradhersteller Eskil Suter setzte 2014 in der WM zwölf Moto2-Bikes ein, 2015 maximal 2. Viele Spitzenfahrer wurden abtrünnig. Suter plant ein Comeback für 2016.

Die Schweizer Firma Engineering-Company Suter Racing Technology (SRT) hat bisher drei Konstrukteurs-Titel in der Moto2-WM errungen, dazu 2012 einen Fahrer-WM-Titel mit Marc Márquez. 2014 wurden noch zwölf Fahrer ausgerüstet, für die Saison 2015 sind viele Rennstaälle und Fahrer abgesprungen.

Aegerter, Lüthi und Mulhauser steigen auf Kalex um, das Gresini-Team mit Xavier Siméon ebenfalls, das Mapfre-Aspar-Team (Terol, Torres) hat sich aus der Moto2-WM mangels Erfolg zurückgezogen. Auch Gino Rea tauscht die Suter gegen eine Kalex.

Firmenchef Eskil Suter musste seit dem Sommer in der Moto2-WM einen Rückschlag nach dem andern hinnehmen.

Zuletzt wurde in Moto2-Kreisen sogar erzählt, Suter habe wegen des Umsatzrückgangs acht Techniker entlassen müssen.

«An diesen Gerüchten ist überhaupt nichts dran», versichert Ex-GP-Fahrer Suter. «Bei uns wurde niemand entlassen, wir haben Vollbeschäftigung, wir haben einen Haufen Arbeit. Es ist nicht so, dass wir wegen der Moto2 ein Notprogramm fahren müssen. Wir haben viele andere Projekte, Moto2 ist eines unter vielen. Es ist sicher schade, dass wir jetzt praktisch keine Moto2-Fahrer mehr haben.»

Bei Suter Racing Technology in Turbenthal müssen Mahindra-Moto3-Maschinen für neun GP-Fahrer gebaut werden, dazu für die CEV-Teams, die neu in der Junioren-WM fahren. Dazu entsteht bei Suter eine 500-ccm-V4-Zweitakt-Maschine für Hobby-Rennfahrer.

«Wir hecken ausserdem ein Programm aus, wie wir eventuell mit einem starken Paket in die Moto2-WM zurückkehren und wieder vorne mitfahren können. Wir überlegen, was wir machen müssen, um für die Teams wieder attraktiv zu werden, damit sie wieder einige Spitzenfahrer auf unsere Motorräder setzen.»

Iodaracing ist bisher als einziges Team auf Suter MMX2-Maschinen für die WM angemeldet, als Fahrer steht der Deutsche Florian Alt fest. Er war 2014 Zweiter in der Spanischen Meisterschaft und gewann 2012 den Red Bull Rookies-Cup. Auch der ehemalige Italtrans-Teamchef Massimo Biagini will ein neues Team machen, er würde Suter einsetzen. «Man kann davion ausgehen, dass zwei Suter in der WM 2015 am Start zu sehen sein werden», lässt sich Eskil Suter entlocken.

Ioda hat das 2014-Material von Interwetten (Tom Lüthi) gekauft.
Es wird also gar kein 2015-Modell von Suter in der WM auftauchen?

«Wir haben die 2015-Version im Vorjahr nach dem Mugello-GP im Juni eingeführt», erläutert Suter. «Das ist ungefähr die Basis, mit der wir für 2015 arbeiten wollten. Ich bin sowieso der Meinung, dass die Weiterentwicklung in der Moto2-Klasse schwierig geworden ist. Ob jetzt das Chassis ein bisschen mehr oder weniger steif ist, spielt wahrscheinlich keine so grosse Rolle. Wir haben rausgefunden, dass es sinnvoller ist, gewisse Feinheiten optimal auf die jeweilige Rennstrecke abstimmt. Wenn dann der Fahrer konzentriert Gas gibt, stellt sich der Erfolg ein. Das hat Tito Rabat eindrucksvoll gezeigt.»

Warum sind bei Suter die Kunden in Scharen davon gelaufen, obwohl das Motorrad mit Domi Aegerter und Tom Lüthi drei GP-Siege gefeiert hat und obwohl auch Johann Zarco konstant vorne mitfuhr?

Suter: «Es kann uns keiner vorwerfen, dass wir die Teams zu wenig betreut und die Motorräder zu wenig entwickelt hätten. Im Gegenteil. Ich denke, dass Kalex auf der technischen Seite unterm Strich weniger gemach hat. Die Teams und Fahrer haben sich dann mehr auf die Abstimmung konzentriert. Das ist ein Punkt, bei dem wir genau schauen müssen, wie wir uns in Zukunft verhalten und was wir besser machen müssen. Wir müssen vielleicht die Kundenzufriedenheit erhöhen. Aber ich glaube, das war 2014 nicht einmal das grösste Thema. Trotzdem: Wir analysieren, was wir besser machen müssen und welches Konzept wir für 2016 brauchen. Primär war es so, dass konstant ein paar Kalex-Fahrer vorne gewesen sind. Und wer dann nur auf die Ergebnisliste geschaut hat, bekam den Eindruck, man brauche eine Kalex, wenn man vorne mitfahren will. Ob das der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg ist oder nicht, diese Frage kann ich heute nicht beantworten. Vielleicht können wir diese Frage nach der nächsten Saison beantworten. Aber auch nicht mit Gewissheit. Das Moto2-Feld ist so eng beisammen... Wenn das Umfeld ein bisschen besser funktioniert, wird ein Fahrer sofort eine halbe Sekunde schneller, er fährt dann ganz vorne mit.»

Was Suter mit dieser Aussage offenbar andeuten will: Selbst wenn Aegerter, Lüthi oder Zarco 2015 im ersten Jahr auf Kalex (nach vielen Jahren auf Suter) die Weltmeisterschaft gewinnen würden, wäre das noch kein eindeutiges Anzeichen für ein völliges Versagen oder eine Bankrotterklärung von Suter.

«Wir konzentrieren uns jetzt schon auf die Entwicklung für 2016 und werden trotzdem die Teams und Fahrer, die weiter mit unserem Motorrad fahren, möglichst gut betreuen», hält Eskil Suter fest.

Dass keiner von den fünf Schweizer Moto2-Piloten (Aegerter, Lüthi, Krummenacher, Raffin und Mulhauser) 2015 auf «Made in Switzerland» und «Swissness» setzt, ist trotzdem ein schmerzhafter Rückschlag für Suter.

«Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wenn du die Ergebnislisten der letzten zwei Jahre anschaust, ist primär Kalex vorne gewesen», lautet die Bilanz von Eskil Suter. «Dadurch hat sich bei den Fahrern eingebrannt, dass sie eine Kalex brauchen, wenn sie vorne mitfahren wollen. Wenn wir 2016 sechs oder sieben Grand Prix auf verschiedenen Strecken gewonnen hätten, wäre es bei den meisten Teams kein Thema gewesen, ob sie Suter fahren sollen oder nicht.»

Aber Kalex siegte im Vorjahr bei 14 von 18 Rennen, Suter dreimal, Speed-up einmal.

Doch Tom Lüthi leistete sich im Frühjahr einen Durchhänger, seine zwei Siege bei den letzten vier Rennen in Motegi und Valencia kamen zu spät. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung zum Umstieg auf Kalex längst gefallen.

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