Aragón-GP: Zweifler sind verstummt, ein toller Event

Kolumne von Günther Wiesinger
Als Aragón für 2010 erstmals zum GP-Schauplatz erkoren wurde, runzelten viele Teammitglieder die Stirn. Aber der Aragonien-GP zählt zu den besten Events des Jahres,

Als die Dorna den GP von Aragonien für die Saison 2010 auf den GP-Kalender hievte, waren fast alle Rennfahrer, Teammitglieder, Hersteller und Berichterstatter skeptisch.

Mehr als ein Viertel der Grand Prix auf spanischem oder iberischen Boden, wenn man den damals noch aktuellen Portugal-GP dazu rechnete – ein heftiger Anteil.

Ausserdem kannte damals niemand das MotorLand Aragón, denn es liegt weit abseits jeglicher Zivilisation, irgendwo im Niemandsland südlich von Saragossa, fast 2 h 40 min vom Flughafen Barcelona entfernt, 1,5 Stunden vom Flughafen Reus, 100 km von Saragossa weg.

Wer nach einer Unterkunft suchte, wurde bestenfalls irgendwo 40 Minuten entfernt fündig. Und wer tapfer genug war, sich im Stadtzentrum von Alcañiz einzuquartieren, rund 5 km von der Rennstreckte entfernt, der machte einfach wegen der vielen lautstarken Motorradfahrer und Partys am Rennwochenende vor 5 Uhr früh kein Auge zu.

Alcañiz ist eine prächtige mittelalterliche Stadt, hoch oben am Berg thront eine die mächtige Burg – das Castillo de Alcañiz.

Ehrlich gesagt, der GP-Tross hielt Aragón damals für irgendeine lächerliche Mickey-Mouse-Piste, denn bis dahin hatten sich nur zweitklassige Autorennserien dorthin verirrt, zum Beispiel die Formula Renault.

Aber wir wurden bei genauerem Hinsehen rasch eines Besseren belehrt.

Immerhin war die Piste von Hermann Tilke in Zusammenarbeit mit Formel-1-Pilot Pedro de la Rosa designt worden. Die Regierung von Aragonien stellte eine prunkvolle Rennstrecken-Arena in die Landschaft – mit einer wunderbaren Karting-Strecke und drei Offroad-Pisten obendrein, dann kam der TechnoPark hinzu, wo zum Beispiel die Moto2-Einheitsmotoren bei der Firma ExternPro revidiert werden.

Die ganze Anlage erstreckt sich über 1,320.000 Mio Quadratmeter, die Strecke ist 5,345 km lang, die längste Gerade misst 1,726 km. Die GP-Piste ist zwischen 12 und 15 Meter breit, es besteht ein Höhenunterschied von 50 Meter pro Runde, die Steigung beträgt bis zu 7,2 Prozent.

Die GP-Strecke kann bei Bedarf in zwei getrennte Pisten geteilt werden.

Das Fahrerlager erstreckt sich über 44.000 Quadratmeter, ein zweiter Paddock misst 9000 Quadratmeter.

Am eindrucksvollsten ist die Boxenanlage mit 24 Boxen zu je 144 qm und 12 weiteren Boxen mit je 96 qm. Die Parkflächen nehmen insgesamt 950.650 qm ein.

Und der Platzbedarf des GP-Trosses ist gewaltig: Da sind 200 Lkw im Einsatz, Im Fahrerlager tummeln sich bis zu 4000 Menschen, es sind 450 Journalisten akkreditiert, darunter 90 TV-Mitarbeiter.

Im Motorland Aragón werden jährlich zwischen 30 und 35 Anlässe abgewickelt, das Highlight stellt der Motorrad-GP mit 71.000 Zuschauern am Sonntag dar. Dazu steht ein Lauf zur spanischen CEV Repsol-Meisterschaft auf dem Programm, es gibt Motoross-, Enduro-, Autocross-, Langstreckenrennen für Rennwagen und Kartrennen.

Inzwischen ist Aragón aus dem GP-Kalender nicht mehr wegzudenken, die Piste wird auch regelmässig für Testfahrten genutzt, obwohl sie verkehrstechnisch nicht so günstig liegt wie Valencia oder Barcelona.

Aber der Vertrag mit der Dorna wurde am Wochenende um fünf Jahre bis inklusive 2021 verlängert. In fünf Jahren wurde Aragon dreimal zum «Best Grand Prix of the Year» gewählt.

Die Infrastruktur ist für europäische Verhältnisse pompös, dass man 30 bis 40 Minuten ins Quartier fährt, das wird in Kauf genommen.

Und die Aragón-Betreiber mit Chefin Marta Gastón an der Spitze ruhen sich nicht auf den Lorbeeren aus: In den nächsten fünf Jahren sollen 46,5 Millionen Euro investiert werden.

Der jährliche Trip nach Alcañiz ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Auf der Hochebene zwischen Saragossa und Alcañiz ist die Zeit stehen geblieben.

Die Straße von Reus nach Alcañiz ist kurvenreich, es geht bergauf und bergab, alle 30 oder 40 km rollt man durch verschlafene Dörfer wie Cordrera d'Ebe oder Calaceite, wo man in einer Kneipe am Strassenrand für zwei Schinken-Käse-Toast, ein Cola und einen Café con leche bescheidene 6.30 Euro bezahlt.

Die Landschaft ist karstig und mit vielen Windkrafträdern gespickt. Olivenbäume säumen links und rechts die Strasse. Ein Paradies für Offroad-Motorradfahrer, für Mountainbiker und Rennradfahrer, denke ich.

Im Vergleich zu Aragón nimmt sich die Infrastruktur in Le Mans, auf dem Sachsenring, in Brünn und Phillip Island recht armselig aus.

Deshalb war es zwar mutig, aber völlig richtig, dass die Dorna dem abgelegenen Aragonien einen Platz im GP-Kalender spendiert hat.

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