Marc Márquez und sein Australien-GP-Debakel 2013

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Marc Márquez war 2013 als MotoGP-Rookie auf dem Weg zum WM-Titel, aber ein folgenschwerer strategischer Patzer des Repsol-Teams beim Australien-GP hätte Marc beinahe um die Früchte seiner Anstrengungen gebracht.

Marc Márquez löschte 2013 in seiner ersten MotoGP-Saison alle Rekorde aus: Jüngster MotoGP-Sieger, jüngster WM-Leader, mit 20 Jahren und 189 Tagen zum Beispiel jüngster Sieger in der Königsklasse, dem vier Siege hintereinander gelangen. Den Rekord hielt bis dahin Mike «the Bike» Hailwood seit 1962!

Vor der Saison wurde gerätselt, ob der spanische Repsol-Honda-Werkspilot und Moto2-Weltmeister von 2012 in seiner ersten MotoGP-Saison womöglich bereits einen Podestplatz erringen oder gar einen Sieg erobern könne. Die Nr. 93 fuhr in der Debütsaison nicht weniger als neun Pole-Positions heraus – klarer Rekord für einen Rookie.

Am Schluss sah es dramatisch aus: Überflieger Márquez beendete nicht weniger als 16 von 18 Rennen auf dem Podest – und wurde Weltmeister.

Aber ein folgenschwerer strategischer Patzer des Repsol-Teams hätte Marc beinahe um die Früchte seiner Anstrengungen, seines Fahrkönnens und seiner Risikobereitschaft gebracht.

Denn für die Saison 2013 war der Asphaltbelag für den Phillip-Island-GP erneuert worden. Einheitsreifen-Lieferant Bridgestone hatte nie dort getestet, der Belag erwies sich vom ersten Training an als extrem aggressiv, er verschliss die Reifen im Handumdrehen – auch in der Moto2-Klasse mit den Dunlop-Pneus.

Bridgestone wollte deshalb zuerst die Renndistanz von 27 auf 18 Runden verkürzen lassen. Doch nach weiteren Analysen der Reifen am Samstagabend wollte die japanische Firma nur für maximal zehn Runden die Hand ins Feuer legen.

Also wurde von der Race Direction ein «flag to flag»-race angeordnet, die Fahrer mussten nach neun oder maximal zehn Runden zum Motorradwechsel an die Boxen fahren, insgesamt wurde nach 19 Runden abgewinkt. Wer länger als zehn Runden auf einem Hinterreifen unterwegs sein würde, sollte mit der schwarzen Flagge disqualifiziert werden.

Das bekamen alle Teams und Teilnehmer mit, auch Márquez-Teamkollege Dani Pedrosa – nur die Mannschaft von Márquez nicht. Und da Dani kurz zuvor von Marc in Aragón grimmig abgeschossen worden war, behielt seine Crew alle Informationen für sich...

Und was passierte? Márquez wurde in einen Dreikampf gegen Lorenzo und Pedrosa verwickelt, ausgerechnet er verpasste wegen fehlender Boxensignale das Zeitfenster für den Boxenstopp nach Runde 9 oder 10 – und wurde mit der «black flag» aus dem Rennen geholt.

So zerknirscht hat man die Repsol-Crew noch nie gesehen.
An der Márquez-Box bekam nur Cristian Gabarrini das Debakel mit. Als Marc zum zehnten Mal vorbeiflitzte, machte er vor laufender TV-Kamera ein klares Handzeichen – Kopf ab! Er verstand als einziger HRC-Mitarbeiter die Folgen dieses strategischen Debakels. Gabarrini war Crew-Chief von Stoner bei Ducati und Repsol-Honda, aber Márquez wollte für 2013 lieber seinen Moto2-Cheftechniker Santi Hernandez als Befehlshaber an der Box. Und der versagte in diesem Fall kläglich...

Gabarrini war zwar als HRC-Techniker in Australien, durfte aber beim WM-Leader nur eine Beobachterrolle ausüben...

Das Fazit: Lorenzo triumphierte beim Australien-GP – und machte mit einem Schlag 25 Punkte wett. Der Yamaha-Star siegte danach auch bei den zwei restlichen Grands Prix in Motegi und Valencia – und der lange Zeit so souveräne Márquez zitterte sich mit 4 Punkten Vorsprung knapp zum Titelgewinn.

Inzwischen hat der erst 23-jährige Márquez in vier Jahren drei MotoGP-WM-Titel eingeheimst, dazu 29 Siege bei 72 Starts und insgesamt 51 MotoGP-Podestplätze. Total hält er bei 150 GP-Starts, bei fünf Weltmeistertiteln (1x 125 ccm, 1x Moto2, 3x MotoGP), 55 GP-Siegen und 90 Podestplätzen.

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