Hans Weber über seine Eisspeedway-Maschine: Langsam fahren geht nicht
Ein Comeback, das man als gelungen bezeichnen kann: Hans Weber qualifizierte sich in seinem ersten Rennen seit zwei Jahren für den Eisspeedway-GP. Trotzdem dämpfte er die Erwartungen für Inzell.
Hans Weber, der am 23. März 2024 in Inzell sein letztes Rennen gefahren war, haderte lang mit der Entscheidung, ob und wann er sich wieder auf das Eismotorrad setzen soll. Die komplizierte Handverletzung in Inzell, wegen der eine Platte eingesetzt werden musste, die heute noch an Ort und Stelle ist, war das eine, die mentale Bereitschaft wieder aufs Eis zu gehen, das andere. Denn der «Eishans» ist kein Mitläufer, und deshalb folgt ihm seine große Fangemeinde fast wie einem Popstar.
Dass Johann Weber, Sohn des ehemaligen Eisspeedway-Teamweltmeisters Helmut Weber, nur am Limit fährt und als einer von vielleicht zwei oder drei Fahrern mit den Russen mithalten kann, bewies er zuletzt am 12. Februar 2022 beim Grand Prix in Togliatti, das letzte Rennen, bei dem Russen an der Weltmeisterschaft teilnehmen durften: Punktgleich (!) mit drei Russen (drei weitere Russen hatten es nicht geschafft) startete er im Finale – und stürzte. Seine mentale Einstellung war nachvollziehbar: «Wenn ich den Start nicht gewinne, dann muss ich etwas riskieren, sonst habe ich gegen die Russen keine Chance», sagte er damals.
Zwölf Tage später überfiel Putin die Ukraine, die russischen Fahrer waren suspendiert, Hans reiste als WM-Spitzenreiter nach Heerenveen und wurde hinter Martin Haarahiltunen Vizeweltmeister.
Fast genau vier Jahre und zwei schwere Verletzungen später hat sich Webers Einstellung nicht geändert, aber er hat gelernt, seine Rennen besser einzuteilen und zu steuern.
Hans Weber sackte die GP-Quali ein
Nach nur einem Showrennen in Weißenbach wusste er am vergangenen Samstag bei der WM-Qualifikation in Örnsköldsvik vom ersten bis zum letzten Lauf zu überzeugen: «In den ersten vier Rennen auf hartem Eis musste ich nur gegen Franky Zorn einen Punkt abgeben und die Qualifikation für den GP stand damit fest. Der Plan war, dass wir in den ersten Läufen die nötigen Punkte sammeln.»
In seinem letzten Lauf musste Weber die Chancen auf Platz 2 hinter dem überragenden Franky Zorn begraben: «Ove Ledström ist von Weiß so weit auf meine Linie gezogen, dass ich die rote Innenlinie als Notausgang benutzen musste, um einen Unfall zu verhindern. Der Schiedsrichter hat es auch so gesehen und mich nicht disqualifiziert. Riihimäki war aber dadurch schon weg, ich konnte nicht mehr angreifen und der Ove ist mir dann auch noch durchgewischt.»
Heute ist der Oberbayer aus Valley mit solchen Ergebnissen zufrieden: «Egal, ob ich Zweiter, Dritter oder Erster geworden wäre, mir war die Quali wichtig und die haben wir geschafft. Qualirennen sind immer etwas schwierig, aber wir haben das ziemlich souverän durchgespielt. Es war ein gelungener Tag.»
Er wird in Inzell noch nicht der alte Eishans sein
Einen Tag später nutzte der selbstständige Konstrukteur das schwedische Supercup-Rennen in Strömsund als willkommene Trainingsmöglichkeit: «Dort konnte ich mein zweites Bike testen, da wir ja beim anderen Motorrad etwas Probleme mit der Luftfederung hatten. Auch das zweite Motorrad lief perfekt. Ich bin sieben Heats gefahren, am Schluss ging mir etwas der Dampf aus. Es begann mit einem Nuller, weil ich ins Startband gefahren bin. Dann folgten drei Siege und ein zweiter Platz gegen Niclas Svensson. Im ersten Lauf war Martin Haarahiltunen dabei, aber ich kam leider eben nur bis zum Startband.»
Weber musste in den Last-Chance-Heat, den er vor Max Niedermaier gewann und im Finale kreuzte er hinter den beiden Weltbesten, Martin Haarahiltunen und Niclas Svensson, die Ziellinie.
Am Samstag steht für den 41-Jährigen, der viele Fahrwerksarbeiten an seinem Bike und auch für seinen Teamkollegen Martin Posch selbst macht, das internationale Meeting in St. Johann im Pongau an. Und dann kehrt er am 14. März nach Inzell zurück, wo die Erwartungen der Fans natürlich hoch sind. Nach dem GP-Finale in Heerenveen 2022, wo Hans seinen Punktevorsprung vor Haarahiltunen durch mehrere Stürze wegwarf, hatte er SPEEDWEEK.com erklärt: «Mein Motorrad ist so konzipiert, dass es nur unter Geschwindigkeit stabil reagiert. Langsam fahren kann ich damit nicht.» Mit anderen Worten: Es geht nur Vollgas. Hans formuliert es so: «Ich muss die Hoffnungen, die vielleicht mancher Fan hat, ein bisserl dämpfen. Wir sind noch nicht auf dem Level, auf dem ich eigentlich fahren kann. Es wird vielleicht noch nicht der Eishans sein, den man sonst kennt...»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach