Heinz Kinigadner (KTM): Wie es zum MotoGP-Deal kam

Von Günther Wiesinger
MotoGP
2005 ist KTM in der MotoGP mit einem halbherzigen Auftritt gescheitert. «Damals reichte unser Budget und unser Wissen nicht», sagt KTM-Berater Kinigadner. Das sei heute anders, versichert der Tiroler.

KTM steigt 2017 mit dem Red Bull-Werksteam und den Piloten Pol Espargaró und Bradley Smith in die MotoGP-WM ein. Das Budget beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro, es besteht ein 5-Jahres-Vertrag mit der Dorna, rund 60 Mitarbeiter sind bei KTM mit der MotoGP-WM beschäftigt.

Die Innviertler haben schon für 2005 einen MotoGP-Versuch gestartet, Ing. Kurt Trieb baute damals einen 990-ccm-V4-Motor. Aber das Werksteam erwies sich schließlich mit rund 25 Mio. Euro als unfinanzierbar, denn KTM war damals noch ein Nischenhersteller und von den heute pro Jahr 200.000 verkauften Einheiten weit entfernt.

Es kam dann zu einem faulen Kompromiss, es wurden Motoren an das Team Roberts verliehen, als Fahrer waren Jeremy McWilliams und Shane Byrne unterwegs. Aber wegen finanzieller Differenzen wurden die KTM-Motoren vor dem Brünn-GP wieder zurückgezogen.

Damals existierte bei KTM noch keine Rennabteilung, die ihren Namen verdiente. In der Euphorie der raschen 125er- und 250er-GP-Erfolge in den Jahren 2003 und 2004 wurde das MotoGP-Projekt unterschätzt. Das Entwicklungsbudget lag bei nur 3,4 Mio. Euro.

Damals agierte Heinz Kinigadner, 250-ccm-Motocross-Weltmeister 1984 und 1985, nebenberuflich als KTM-Sportmanager. Heute hat er bei KTM eine Beraterfunktion, über das Debakel von 2005 kann er inzwischen schmunzeln.

Heinz, du hast Firmenchef Stefan Pierer einst zum Mitmachen bei der Dakar-Rallye überredet, es entstand eine Erfolgsgeschichte. 2017 setzt KTM erstmals Werksteams in allen drei GP-Klassen ein, das war schon für 2005 vorgesehen. Das erste MotoGP-Projekt war aber zum Scheitern verurteilt?

Ja, damals waren wir einfach noch nicht «Ready to Race MotoGP». Vom Budget her nicht, vom Know-how her nicht, von allem zusammen nicht.
Alles hat auswärts gemacht werden müssen, wir hatten kein Wissen im Haus. Unsere damaligen Partner wollten alles weit. weit wegen haben, nur keine Rennabteilung in Mattighofen. So haben wir uns in ein Projekt hinein manövriert, das uns noch eine Nummer zu groß war.
Wir hatten dann in England viele Meetings mit Chuck Aksland, dem Manager des Team Roberts. Auch Red Bull hatte anfangs Interesse, aber bei diesem Projekt hat alles zusammen nicht gestimmt.
Gott sei dank haben wir das damals erlebt und mitgemacht, wir konnten in die MotoGP reinschnuppern und unsere Lehren ziehen.
Da kamen dann Themen auf wie: «Wechseln wir jetzt bei der Elektronik von EFI zu Bosch?» Das hätte uns zwei Zehntel gebracht, hätte aber 800.000 Euro gekostet.
Für mich als Motocross-Fahrer waren das wahnsinnige Summen. Ich habe gesagt: «Habt ihr einen kompletten Vogel?»

KTM musste bei Michelin 2005 bei jedem Grand Prix 50.000 Euro für die Reifen bezahlen. Heute sind die Reifen kostenlos. Die Elektronik bei Magneti-Marelli kostete damals 3 Mio. Euro im Jahr!

Ja, lauter solche Sachen. Stefan Pierer und ich sind damals zu Michelin nach Clermont-Ferrand geflogen. Wir haben verhandelt, sie haben uns vorgeführt, sie haben uns zwei Stunden lang warten lassen und dann gesagt, sie überlegen sich, ob sie uns überhaupt Reifen verkaufen – für diese horrenden Beträge.
Das waren heftige Sachen.

Und der damalige KTM-Rennmanager Kurt Nicoll hat dem Team Roberts per E-Mail versichert, man werde quasi alle Kosten übernehmen, falls es mit dem Teambudget knapp wird.

Ja, da bist du eh schon bei diesem Thema. Der Vorgänger von Pit Beirer hat immer probiert, alles mit Geld zu regeln.
Pit hat die ganze Rennabteilung inzwischen vorbildlich aufgestellt. Bei KTM wurde ja nachgedacht, ob wir für die MotoGP einen erfahrenen Manager brauchen, der auf diesem Gebiet seine Verdienste hat. Aber Pit macht das so sauber, dass uns jetzt nicht viel passieren kann.
Der Erfolg ist das eine, die Frage, wie schnell wir an die Spitze kommen, die andere...
Aber vom Finanziellen her sind wir jetzt gut ausgestattet.
Wir haben inzwischen schon gemerkt, wie teuer solche Übersee-Tests mit mehr als 40 Leuten sind... Flüge, Hotels, Verpflegung – das ist abnormal.

Ich habe euch beim ersten MotoGP-Projekt schon prophezeit, dass ihr bis zu 30 Millionen Euro im Jahr braucht. Stefan Pierer meinte damals: «Mit dem richtigen Konzept und den richtigen Leuten kann man das für ein Butterbrot machen.»

Ja, wir haben früher immer gelacht, als du uns gesagt hast, das wird 30 Millionen kosten. Ich dachte mir damals: «D-R-E-I-S-S-I-G M-I-L-L-I-O-N-E-N? Was hat denn der?»
Heute weiß ich: Darunter werden wir in diesem Jahr nicht fahren.
Und KTM würde so ein Projekt heute notfalls sogar ohne Sponsor überleben. Das ist das Bärige.

Wie stark hast du beim aktuellen MotoGP-Projekt mitgewirkt?

Da habe ich nicht viel mitgewirkt, obwohl ich mit Pit Beirer immer drüber rede und er mich immer genau auf dem Laufenden hält. Es interessiert mich alles sehr. Pit erklärt mir regelmäßig, was gerade passiert.
Das einzige, wo ich dabei war, war beim Startschuss 2014 in Katar. Pit und ich waren damals beim Saisonauftakt in Doha. Wir haben den ehemaligen Dorna-Manager Javier Alonso wegen der Moto2-Einheitsmotoren gefragt. Nachher haben wir mit Dorna-Chef Ezpeleta darüber geredet, ob das Einheitsmotoren-Konzept vielleicht aufgelöst wird. Denn wir haben überlegt, ob wir uns neben der Moto3 auch in der Moto2-Klasse engagieren wollen.
Dann hat uns Alonso empfohlen: «Fahrt doch MotoGP, dort gibt es 2016 die Einheits-Elektronik.» Carmelo Ezpeleta hat uns versichert, dass diese Einheits-ECU 100-prozentig kommt.
Dann sind wir heimgeflogen. Und KTM-Verkaufsvorstand Hubert Trunkenpolz hat uns schon die ganze Zeit gesagt: «Hey, für den Verkauf brauche ich irgendwann einmal die MotoGP.»
Dann haben wir das Stefan Pierer im Frühjahr 2014 erklärt. Das war dann der Startschuss für die Königsklasse.

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