Aprilia-Chef Colaninno: «Bald werden wir fliegen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

«Wir haben uns Top-5-Plätze zum Ziel gesetzt», sagte Aleix Espargaró bei der Aprilia-Teamvorstellung in Noale. Auch Roberto Colaninno und Romano Albesiano sind zuversichtlich.

Für das Aprilia Racing Team Gresini beginnt am übernächsten Sonntag auf dem Losail International Circuit in Doha/Katar die vierte gemeinsame MotoGP-Saison.

Aprilia trat 2015 noch mit der modifizierten Claiming Rule-Maschine RSV4 an, die aus der Superbike-WM kommt. Im ersten Jahr wurden Álvaro Bautista und Marco Melandri engagiert, der Italiener wurde jedoch ab dem Indy-GP durch Stefan Bradl ersetzt.

Für 2016 wurde ein echter Prototyp mit der Bezeichnung RS-GP 16 gebaut, das Motorrad wurde aber erst verspätet fertig, weil beim neuen 1000-ccm-V4-Motor im letzten Moment die Laufrichtung der Kurbelwelle noch gedreht wurde.

Erst nach Weihnachten 2015 gab der Motor auf dem Prüfstand die ersten Töne von sich.

Aprilia musste 2016 die ersten drei, vier Rennen als zusätzliche Testfahrten nützen, Techniker Marcus Eschenbacher berichtete von schwachbrüstigen 245 PS.

Dennoch gelangen Bautista und Bradl insgesamt 16 Top-Ten-Plätze, Baustista brachte zehn zustande, Bradl sechs.

Der Bayer brauste in Argentinien auf Platz 7, in Assen wurde er Achter, dazu viermal Zehnter, in der WM-Endabrechnung schaffte er Rang 16.

Álvaro Bautista sicherte sich sogar den zwölften WM-Rang mit zwei siebten Rängen in Motegi und Sepang und acht weiteren Top-Ten-Ergebnissen.

Für 2017 wurden Aleix Espargaró und Sam Lowes engagiert, der Brite kassierte nur fünf Punkte in 18 Rennen, also trat Aprilia quasi als Einmann-Team auf.

Aleix glänzte mit zwei sechsten Rängen in Doha und Aragón, aber er holte nur fünf weitere Top-Ten-Ergebnisse und kam in der WM über Rang 15 nicht hinaus.

Für die Saison 2018 hat sich Aprilia ehrgeizige Ziele gesetzt, nachdem Scott Redding den Platz von Lowes übernommen und Aleix Espargaró ein Jahr Aprilia-Erfahrung gewonnen hat.

Im Aprilia Racing-Hauptquartier wurde heute Mittag die Teampräsentation durchgeführt.

Roberto Colaninno, Präsident der Piaggio Group, zu der auch Aprilia gehört, ist zuversichtlich für die Saison 2018. «Wir haben junge Talente gefunden, die vor Enthusiasmus sprühen», sagte er. «Unser Rennchef Romano Albesiano hat bereits sehr viel geleistet, und er investiert imer noch unglaublich viel in dieses Projekt. Er hat ein großartiges Team zusammengefügt. Wir hoffen, dass diese Mannschaft unsere Träume erfüllen wird. Ich weiß, es wird nicht einfach. Aber ich habe riesiges Vertrauen in Signore Albesiano. Wir haben kein besonderes Ziel, ich werde mit jedem Ergebnis zufrieden sein, das wir nach Hause bringen. Albesiano strebt nach dem Maximum. Keiner könnte bessere Resultate erreichen. Was haben wir genau vor? Klar, wir wollen keine letzten Plätze einfahren. Gleichzeitig kann ich nicht sagen, wir wollen die Nummer 1 werden. Das wäre hochtrabend. Aber bei Aprilia haben wir 80 junge Ingenieure, die Tag für Tag nach dem Erfolg jagen. Auch unser Partner Gresini hat erstklassige Techniker. Wir wachsen weiter. Wir greifen nach den Sternen. Doch wir wissen, dass viele Konkurrenten stärker geworden sind. Uns ist das ebenfalls gelungen. Wir möchten noch beständiger werden, das ist wichtig. Eines Tages werden wir einfach fliegen...»

Renndirektor Romano Albesiano: «Was der Präsident gesagt hat, war sehr bescheiden hinsichtlich der Zielsetzungen. Aber wir haben uns viel vorgenommen. Von der Performance her war 2017 sehr positiv. Ich muss mich bei Aleix bedanken für seine Leistungen und seinen Einsatz. Ich bin der Coach, ich betreue die Mannschaft und treibe das Team an. Unsere Fahrer Aleix und Scott sind Spitzenleute. Und was den Druck betrifft, den sind wir gewöhnt.»

Romano Albesiano über die neue Werks-Aprilia RS-GP18: «Was wir hier erblicken, ist eine Evolution unserer 2017-Maschine. Wir sehen sehr viele kleine Änderungen, aber wir haben alles geändert, vom Wasserkühler über das Chassis, vorne haben wir jetzt eine Karbongabel, die Verkleidung ist neu, auch der Motor ist wesentlich weiterentwickelt worden. Das sind wichtige Entwicklungsschritte, dabei war schon unsere Performance 2017 recht akzeptabel. Sogar das Aussehen hat sich wieder etwas verändert. Beide Fahrer haben die 2018-Aprilia bei den Tests gelobt, sie ist definitiv besser als die 2017-Version. Deshalb haben wir sehr bald nur noch das 2018-Bike verwendet. Wir haben viel getestet, aber vielleicht müssen wir das Set-up noch etwas verfeinern. Insgesamt bin ich happy, ich habe Vertrauen in dieses Motorrad. Wir sind stärker als 2017, wir haben ein schlagkräftigeres, fantastisches Team, wir sind stärker als im Vorjahr. Wir haben zwei vielversprechende Fahrer und das beste Team, das Aprilia in der MotoGP je hatte. Wir sind zuversichtlich. Wir sind überzeugt: Alles wird perfekt sein.»

Ist die MotoGP die Serie, in der man die richtige Technologie für die Serie erproben kann? Albesiano: «Motorräder sind einzigartig. Sie erfüllen unsere Träume. Und wenn du so einem Traum nachjagst, wenn du in der MotoGP Erfolg haben willst, das ist für uns Techniker ein Vergnügungspark, eine Art Raumfahrt-Technologie. Wir lassen viel in die Serienfertigung einfliessen. Denn wir arbeiten in einer Firma, für die es sehr wichtig ist, dauernd neue Ideen zu haben, viel zu erproben und einen Dialog zwischen Racing und Serie zu führen. Jeden Morgen, wenn du mit einer Idee aufwachst, kann es passieren, dass du diese Idee am selben Tag testet. Es kann aber geschehe, dass du sie am Abend verwerfen musst. Aber du kannst viel versuchen, du kannst Experimente wagen. Wir verwenden viele Technologien, die wir in die Serie bringen. Wir bringen zum Beispiel auch die Winglets in Produktion.»

Während sich Scott Redding keine Prognosen für die Saison entlocken ließ, legte Aleix Espargaró die Latte hoch: «Wir wollen unter die ersten Fünf fahren», kündigte er an.

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