Abseits von Fakten: Wird Bagger Racing das Feuer der MotoGP entflammen?
Willkommenes Spektakel im Fahrerlager der MotoGP – oder nur eine schwer erklärbare Marketingmaßnahme aus den USA? SPEEDWEEK.com-Kolumnist Michael Scott zum Harley-Davidson-Bagger-World-Cup.
Während die glanzvollen Helden der MotoGP in Sepang auf ihren flinken 2026er-Prototypen um die besten Zeiten in der Vorsaison kämpften, sorgte die PR-Abteilung der FIM in Europa mit einer zeitlich genau darauf abgestimmten Ankündigung für Aufsehen. Zumindest was den Zeitpunkt angeht.
Eigentlich war es eher eine Erinnerung an die offizielle Vorstellung im August letzten Jahres auf dem Red Bull Ring, dem jüngsten Versuch, eine würdige Klasse im Rahmen der Motorrad-WM zu etablieren. Die Neuigkeit war, dass sich ein
Bagger Racing: Nur die Show zählt
Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber mir fällt es schwer, diese Worte mit ernstem Gesicht zu tippen. Und genau darum geht es wohl auch. Denn die neue Klasse im Rahmenprogramm dient größtenteils, nein, ausschließlich der Unterhaltung.
Damit sollen weder das Talent noch die Anstrengungen der Fahrer geschmälert werden, noch die der Teams. Die Akteure auf den Kofferennern werden zweifellos alles geben. Aber sie tun dies nur zu ihrem eigenen Vergnügen.
Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob dies auch für die Zuschauer gilt. Für die meisten von ihnen ist Grand-Prix-Rennsport eine todernste Angelegenheit von großer technischer und individueller Raffinesse, die ebenso wie Spitzenfußball Stammesloyalitäten und verzweifelte Hingabe hervorruft.
Für die Fans im Allgemeinen haben Rahmenrennen immer denselben Wert und dasselbe Interesse wie ein Fußballspiel auf dem Schulhof. Es ist nur eine Ablenkung vom Hauptrennen.
Wird dies für die Serie von Harley-Davidson genauso gelten wie für frühere Anläufe? Der erste Versuch dieser Art in der Dorna-Ära war vor 25 Jahren der Boxer-Cup. Dabei handelte es sich um eine Einheitsklasse mit identischen BMW-Zweizylindern, die von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt wurden, und einer Handvoll Vollzeitfahrer mit großem Namen wie Randy Mamola oder – auch einmal – Kevin Schwantz. Die Rennen waren oft ziemlich gut, aber sie begeisterten nicht nachhaltig, und die Serie verlor schnell an Schwung.
Kofferrenner folgen den gescheiterten MotoE-Innovatoren
In jüngerer Zeit übernahm die
Das
Es ist die schiere Unwahrscheinlichkeit, dass schlaffe V-Twins mit (leeren) Hartschalenkoffern im Nahkampf wackeln und dröhnen. (Leider tragen die Fahrer keine Lederkombis mit Fransen. Keine Outlaw-Club-Farben. Und auch keine Pudding-Bowl-Helme. Noch nicht.)
Nichts von der Finesse und Nuance der MotoGP. Und – im Kontext betrachtet – ist das auch nicht weiter schlimm. Wie Monstertrucks, verrückte Dragster-Rennen oder schwer gepolsterte American-Football-Spieler ist dieser Kontext sehr amerikanisch. Im Rest der Welt, insbesondere im europäischen Kernland der MotoGP, ist es eine reine Neuheit. Nicht allzu ernst zu nehmen.
Die US-Intervention ist keine Überraschung
Die neuen Eigentümer der MotoGP, Liberty Media, sind Amerikaner, daher sollte diese US-Intervention keine Überraschung sein. Liberty hat sich auch als sehr geschickt darin erwiesen, der Formel 1 neue Marketing-Kompetenzen zu verleihen und das Publikum für ein Spektakel zu vergrößern, das im Vergleich zur MotoGP (oder zu Bagger-Rennen) eher langweilig ist. Könnten die Bagger sich als ähnlicher Segen für die MotoGP erweisen?
Als bekennender Griesgram und Old-School-GP-Purist seit mehr als fünf Jahrzehnten habe ich meine Zweifel, aber ich erwarte nicht, dass jüngere Generationen mir zustimmen. Allerdings sieht die aktuelle Resonanz eher mager aus.
Der neueste Zugang, das Team Indonesia Niti Racing, ist erst das vierte Team neben Saddlemen Race Development aus den USA, Cecchini Racing Garage aus Italien und Joe Rascal Racing aus Australien. Bislang wurden noch keine Fahrer benannt, und während Joe Rascal drei Fahrer ins Rennen schicken wird, werden die anderen Teams jeweils zwei Fahrer stellen. Damit sind es bislang neun Teilnehmer.
Da das erste von sechs Rennen in nur wenigen Wochen, am 27. März beim US-GP in Austin, stattfindet, sieht es nach einem eher zurückhaltenden Start aus.
Es kann also nur besser werden. Oder es geht bergab, es sei denn, Liberty kann ein Rettungspaket schnüren und dabei auf den bestehenden Talentpool in den USA zurückgreifen. Das würde amerikanischen Fahrern eine unerwartete Rückkehr in die GP-Paddocks ermöglichen.
Und was den Wert von ungeschickten, aber amüsanten Rennen auf klobigen Tourenmotorrädern in einer Arena angeht, in der technische Exzellenz und Sekundenbruchteile eigentlich alles sind: Es scheint, wir befinden uns offenbar in einer gänzlich neuen Realität. Warum sollten wir also nicht auch Rennen fernab aller rationalen Fakten über die Bühne gehen lassen...
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