Dani Pedrosa: Rücktritt? Oder Petronas-Yamaha?

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Nach 12,5 Jahren wird Dani Pedrosa seinen Platz bei Repsol-Honda räumen müssen – für Jorge Lorenzo. Geht eine schillernde Karriere zu Ende?

Nicky Hayden 2006, Casey Stoner 2011 und Marc Márquez in den Jahren 2013, 2014, 2016 und 2017. Fast jeder Teamkollege von Dani Pedrosa ist seit 2006 Weltmeister geworden, Stoner und Márquez sogar gleich im ersten Jahr. Nur Dani Pedrosa ist in der MotoGP-WM immer leer ausgegangen.

WM-Zweiter war er immerhin 2007, 2010, 2012, aber jetzt seit bald sechs Jahren auch nicht mehr.

Honda, HRC und Repsol zeigten Loyalität in höchstem Ausmaß, immerhin gewann Dani jedes Jahr mindestens einen Grand Prix, 2012 sogar sieben an der Zahl, damals verpasste er den WM-Titel gegen Yamaha-Star Jorge Lorenzo trotzdem um 18 Punkte – es stand am Ende 350 zu 332.

Insgesamt hat Dani Pedrosa in rund 12,5 Jahren 31 MotoGP-Siege errungen, aber 2011 nur einen, 2012 nur einen, 2014 nur einen, 2016 nur einen, 2017 noch zwei.

Der Honda-Star trennte sich 2014 von seinem langjährigen Manager und Entdecker Alberto Puig, er bekam mit Ramon Aurín einen neuen Crew-Chief, als Mike Leitner Ende 2014 zu KTM ging, er erhielt 2017 mit Giacomo Guidotti wieder einen neuen Crew-Chief (von Pramac-Ducati). Dani managte sich eine Weile selbst, dann vertraute er seine Geschäfte der Wasserman Group an, inzwischen managt ihn Sete Gibernau, der seit 2017 sein Riding Coach, Mentor und Seelendoktor ist.

Aber eines änderte sich nie: Dani Pedrosa wurde kein WM-Kandidat – und der zerbrechliche 158-cm-Jockey war bei jedem Crash extrem verletzungsgefährdet.

Es verging kein Jahr, in dem er nicht wegen Knochenbrüchen oder einer «arm pump»-Operation vorübergehend außer Gefecht war.

Trotzdem gaben ihm Nakamoto und Suppo vor zwei Jahren einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag, dabei war seine Position schon in Frage gestellt, als Stoner im Mai 2012 seinen Rücktritt bei Repsol-Honda ankündigte.

Pedrosa gewann die 125-ccm-WM 2003 (im Jahr vor Dovi) und dann 2004 und 2005 hintereinander die 250er-WM im Movistar-Honda-Team von Puig.

Obwohl die Nummer 26 beim Australien-GP 2003 komplizierte Beinbrüche erlitt und mit der 250er nach dem Klassenwechsel nicht testen konnte, gewann DP den WM-Auftakt 2004 in der 250-ccm-Klasse in Welkom/Südafrika.

«Ich habe schon bei der Selektion für den Movistar-Cup gesehen und erkannt, dass Dani etwas Besonderes ist. Das Leuchten in seinen Augen, seine Neugier, seine Entschlossenheit, sein Ehrgeiz – er ragte aus allen Kontrahenten heraus», zeigte sich Alberto Puig damals begeistert.

Aber mit der Zeit nützte sich die Beziehung zu Puig ab, Pedrosa wurde erwachsen, er wollte selber Entscheidungen treffen, so kam es zur Trennung.

Als Puig in diesem Winter statt Livio Suppo den Posten als Repsol-Honda-Teamprinzipal übernahm, wurde das Leben von Dani Pedrosa bei HRC nicht leichter.

Er bekam mit, dass mit Zarco, Dovizioso, Rea, Mir, Miller und anderen Kandidaten verhandelt wurde, er geriet in Bedrängnis, der 20. Startplatz in Mugello samt Crash in Runde 1 brachte bei HRC das Fass zum Überlaufen.

HRC, Honda, Repsol und Red Bull mussten zugreifen, als plötzlich der 31-jährige Jorge Lorenzo zum Diskountpreis von 4 Millionen Euro verfügbar war.

Einen Fahrer mit 45 MotoGP-Siegen und drei MotoGP-Weltmeistertiteln (2010, 2012 und 2015) wollte sich Honda nicht entgehen lassen.

HRC hat jetzt alle noch aktiven Weltmeister der letzten acht Jahre unter Vertrag, denn Márquez gewann die WM 2013, 2014, 2016 und 2017, und Casey Stoner (Weltmeister 2011) ist nicht mehr aktiv.

Dani Pedrosa wird immer zu den am längsten dienenden und erfolgreichsten MotoGP-Werkspiloten gehören, aber er muss mit dem Mangel leben, die MotoGP-Krone nie gewonnen zu haben.

Es standen ihm übermächtige Stars im Weg – von Valentino Rossi über Lorenzo und Stoner bis zu Márquez.

Ähnlich erging es einst Kevin Schwantz mit Rainey, Gardner, Doohan und Lawson, aber der Texaner steuerte die Suzuki zumindest einmal {1993) zum 500-ccm-WM-Titel.

Mangelnden Ehrgeiz darf man Dani Pedrosa nicht vorwerfen. Er arbeitete verbissen, um seine Schwäche im Regen auszumerzen – und gewann dann auch im Regen.

Aber seine filigrane Gestalt war auf den Fünfzylinder- und Vierzylinder-Raketen mit rund 160 kg und bis zu 285 PS ein gewaltiger Nachteil, auch wenn er die Reifen und Bremsen weniger beanspruchte und beim Beschleunigen manchmal flotter vorwärts kam.

Aber wenn sich die Gegner bei Ausritten ins Kiesbett mit den Füssen abstützten, stand Pedrosa diese Möglichkeit nicht zur Verfügung.

Große Titelhoffnungen machte sich Pedrosa, als nach der Saison 2006 die voluminöse 990-ccm-Fünfzylinder-Honda durch die kompakte V4-800-ccm-RC212V ersetzt wurde. Aber Stoner triumphierte mit der Ducati 2007, danach zweimal Rossi auf der Yamaha, dann Lorenzo und Stoner, 2012 kamen die 1000-ccm-Bikes zurück.

Für Dani Pedrosa kam der Rausschmiss bei Honda gestern nicht mehr ganz überraschend, aber er hatte bis zum Wochenende hoffen dürfen, zumindest noch ein Jahr bei Honda fahren zu dürfen.

Denn viele Fahrer hatten bei Repsol-Honda bereits «nein» gesagt.

Und ein Johnny Rea wäre mit 31 Jahren kaum in der Lage gewesen, besser abzuschneiden als DP.

Dani Pedrosa ist immer noch vorbildlich motiviert, das zeigte sich nach seiner Argentinien-Verletzung, als er in Texas mit starken Schmerzen auf Platz 7 brauste.

Aber bei den Werksteams sind die Züge abgefahren, Suzuki, KTM und Ducati haben ihre Teams besetzt, Aprilia kommt für die Ansprüche von Dani nicht in Frage.

Es bleiben zwei, drei Möglichkeiten: Rücktritt oder Gespräche mit Petronas-Yamaha oder Marc VDS, wo Emilio Alzamora bisher einen Deal mit Estrella Galicia 0,0, Honda und Alex Márquez oder Morbidelli arrangieren wollte.

Aber es fehlt am nötigen Budget.

Heute kann sich Dani Pedrosa in der Steiermark ablenken. Er darf einen halben Tag lang den Formel-1-Rennwagen von Red Bull mit 750 PS fahren, auch der neunfache Motocross-Weltmeister Tony Cairoli übt mit dem RB8-F1-Boliden des Jahrgangs 2012.

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