Jorge Lorenzo: Rigorose Abrechnung mit Marc Márquez

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Erste Kurve in Aragón: Márquez ist vorne, Lorenzo fliegt im Dreck ab

Erste Kurve in Aragón: Márquez ist vorne, Lorenzo fliegt im Dreck ab

Jorge Lorenzo redete nach dem Crash in Aragón schonungslos Klartext. «Marquez hat meinen Fuß und mein Rennen zerstört und eventuell auch meinen Thailand-GP vermasselt», klagte er.

Jorge Lorenzo (31) klagte nach dem Sturz in Kurve 1 über Schmerzen im rechten Fuß. Die Diagnose: Luxation der großen Zehe, zweiter Mittelfussknochen gebrochen. Im schlimmsten Fall muss der Ducati-Star die Teilnahme am Thailand-GP am 7. Oktober absagen.

Aber genau so starke Schmerzen wie der lädierte Fuß verursachte ein Blick auf den WM-Stand: War Jorge vor dem Misano-Rennen noch in Schlagdistanz zu Dovizioso, so liegt er jetzt 44 Punkte hinter dem Aragón-Zweiten. Denn Jorge ist jetzt zweimal in Serie gestürzt, Dovi hat in dieser Phase 45 Punkte gesammelt.


Was ist genau in dieser ersten Kurve passiert?


«Von außen betrachtet bekommt man den Eindruck, ich sei zu schnell eingebogen, ich hätte das Bike auf der schmutzigen Spur zu stark umgelegt, deshalb bin ich gestürzt. Aber in Wirklichkeit bin ich in diese Kurve genauso reingefahren wie in den ersten sieben Jahren hier in Aragón. Aber Marc ist sehr aggressiv auf die Innenspur gefahren. Er hat die Kurve nicht gekriegt, das ist unbestritten, man sieht ja, wo er ausgangs der Kurve gelandet ist… Er ist auf den grünen Streifen gefahren. Als er gesehen hat, dass ich neben ihm war, hat er sichergestellt, dass ich nicht normal in die Kurve einbiegen kann. Mir blieb nichts anderes übrig, als in den Dreck rauszukurven. Und da ich weit draußen war und wusste, dass uns die anderen Fahrer im Nacken saßen, ich aber nicht fünf, sechs Positionen verlieren wollte, musste ich irgendwann das Gas aufdrehen. Natürlich habe ich nicht erwartet, dass mich sofort das Hinterrad überholt. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich das Gas nicht aufgedreht, sondern einen Umweg in Kauf genommen. Andere Optionen hatte ich nicht. Klar, der Crash in Misano war völlig meine Schuld. Doch dieses Mal hat Marc mein Rennen und meinen Fuß zerstört. Hm. Er hat auch meine riesige Siegchance ruiniert. Und vielleicht hat er mir auch die Chance auf den Start in Thailand vermasselt.»

Was sagen die Ärzte? Lorenzo: «Morgen wird der Kunststoffverband getauscht. Sie haben mir zehn Tage Pause verordnet. Dann kommt der neue Gips wieder weg. Danach müssen wir schauen, wie es mit dem Bruch und der Heilung aussieht.»

Lorenzo verzichtete auf den Besuch der Race Direction. «Ich bin nicht hingegangen, weil man von außen sowieso glaubt, ich sei alleine schuld. Das ärgert mich ja so… Man bekommt den Eindruck, ich hätte im Dreck zu viel umgelegt. Aber so ist es nicht. Marc weiß das. Er ließ mir keinen Platz. Er hat einen weiteren ‚block pass’ inszeniert, wie bei einigen Rennen in der Vergangenheit. Mir blieb keine andere Wahl als zu stürzen oder weit rauszufahren neben die Piste. Das ist alles schwer zu sehen. Denn wir waren recht weit auseinander. Als wir zu bremsen begonnen haben, war ich am Beginn der Kurve vorne. Er hat mich dann überholt. Da ich meine Berührung mit ihm vermeiden wollte, musste ich den Umweg einschlagen. So bin ich in den Dreck geraten, er wollte einfach verhindern, dass ich normal einbiege! Er ist auf das Grüne gefahren… Und ich bin abgeflogen, als ich das Gas aufgedreht habe. Er hat sehr später gebremst und keine Rücksicht auf seine eigene Linie genommen.»

Lorenzo überlegt sich, ob er in Thailand oder bei nächstbester Gelegenheit in der Safety-Commission die ungestüme Fahrweise von Márquez zur Diskussion stellen soll. «Ja, darüber denke ich nach. In Thailand werden wir darüber sprechen. Aber es wird sich nicht viel ändern. Ich mag es nicht, wenn Spiele mit mir getrieben werden. Ich möchte meine Fahrweise nicht ändern. Aber ich habe das Gefühl, das ist ein Muss für die Zukunft. Beim Kampf mit gewissen Fahrern.»


Jorge Lorenzo hatte sich vor dem Rennen ausgemalt, dass er in den ersten Runden sehr schnell sein würde. «Ich dachte, vielleicht kann ich Marc und Dovi abschütteln. Wenn ich mir die Pace vom Rennen anschaue, dann bilde ich mir ein, dass ich mehr im Ärmel hatte.»

Hält Jorge einen «block pass» für unfair? «So eine Aktion ist im Moment nicht illegal. Aber ein ‚block pass’ ist das Gegenteil von dem, wie ein Gentleman fährt. Ich mag solche Szenen nicht. Wenn niemand darauf reagiert, sollte ich solche Manöver auch nachahmen, obwohl mir das widerstrebt. Was mir heute widerfahren ist, war unfair. Zumal solche Aktionen auch in der Vergangenheit schon vorgekommen sind...»

Bei Márquez, meinte er, aber diesen Namen erwähnt er momentan nicht mehr gerne.

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