Zwei Titelkandidaten in einem Team? Formel-1-Experten sind sich uneinig
Bald werden die Formel-1-Stars ihr erstes Kräftemessen in den neuen GP-Renner in Melbourne absolvieren und bei der Frage zu den möglichen Titelfavoriten in diesem Jahr gehen die Meinungen auseinander.
Die Formel-1-Saison beginnt in wenigen Tagen mit dem ersten Rennwochenende des Jahres, das im Albert Park von Melbourne über die Bühne gehen wird. Neun Tage durften die GP-Teams zu Testzwecken mit den neuen GP-Autos ausrücken, doch nicht alle elf Rennställe waren von Anfang an dabei. Ausserdem taten sich einige schwerer als die Konkurrenz, entsprechend unterschiedlich fallen die Erfahrungskilometer der einzelnen Teams und Fahrer mit der jüngsten Fahrzeuggeneration aus.
Nicht nur die unterschiedliche Test-Performance, auch die Tatsache, dass die WM-Teilnehmer erfahrungsgemäss noch nicht alle Karten auf den Tisch legen, erschweren eine Einordnung des Kräfteverhältnisses nach der grossen Regelrevolution. Kein Wunder, gehen die Meinungen der GP-Beobachter auseinander, wenn es um die diesjährigen WM-Favoriten geht.
So erklärte etwa der frühere GP-Pilot und heutige Sky-Experte Ralf Schumacher im Rahmen einer Sky-Sport-Presserunde, dass er Mercedes-Talent Kimi Antonelli den Titelgewinn zutraut, obwohl dieser erst seine zweite GP-Saison in Angriff nimmt. Auf dessen Teamkollegen George Russell setzt hingegen Martin Brundle. Der GP-Veteran aus England sagte bei «Sky Sports News» über seinen Landsmann: «Ich denke, er ist bereit für den Titel. Er ist ein schlauer Kerl, das sind sie alle. Und George hat das Team um sich.»
«Kimi wird in diesem Jahr im zweiten Mercedes stärker sein, aber George steht nun nicht mehr im Schatten von Lewis Hamilton, er ist der König im Mercedes-Schloss», ist sich der Brite sicher. «Er hat seine Lehrjahre bei Williams absolviert und wechselte zu Mercedes, als die dominante Phase des Teams zu Ende ging, er hat also die harten Jahre miterlebt.»
«Ich denke, er hat die nötige Erfahrung und verfügt über die Fähigkeit, das Auto zu kontrollieren. Und ich glaube, er wird sich den Respekt im Team verschaffen, um in einem sehr unbeständigen Jahr seinen Teil zum Erfolg beizutragen», fuhr der 66-Jährige fort. «Sein Teamkollege Kimi wird auch eine grossartige Saison haben, aber George verfügt über das nötige Selbstvertrauen, um Rennsiege einzufahren und den Titel zu holen, wenn dieser in Reichweite für ihn liegt.»
Keine Ablenkung im WM-Fight
Im Vergangenen Jahr habe man die Frage gestellt, ob Lando Norris und Oscar Piastri dem Druck von Max Verstappen standhalten könnten, und das taten sie, erinnerte Brundle. «Und bei George denke ich, dass er in dieser Hinsicht in einer sehr guten Lage ist. Er wuchs im Schatten von Lewis auf, und ging sehr gut damit um, und im letzten Jahr konnte er ihn klar schlagen. Deshalb habe ich bei ihm keine Zweifel. Alle Formel-1-Piloten sind Weltklasse-Fahrer, die man schlagen muss. Und George hat so viel Erfahrung, obwohl er noch keine 30 Jahre alt ist, dass er sich von nichts ablenken lässt, wenn er ein titelfähiges Auto hat.»
Einen klaren Titelfavorit benennt der frühere GP-Star aber nicht, denn auch die Mercedes-Gegner haben bei den Testfahrten eine starke Form an den Tag gelegt. «Ferrari war stark, beide Ferrari-Piloten waren gut unterwegs. Und beide McLaren-Fahrer werden auch stark sein. Oscar wird alles daran setzen, wieder nach vorne zu kommen, nachdem er im Vorjahr Lehrgeld zahlen musste. Und Lando hat nun das nötige Selbstvertrauen und fühlt sich wohl. Auch Red Bull Racing seht wirklich stark aus, und wir wissen, wie gut Max das Auto kontrollieren kann, was in diesen Autos wichtig ist. Er wird sicher auch unglaublich stark sein. Deshalb gibt es in meinen Augen keinen klaren Favoriten.»
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