Aprilia: Warum das Werksteam als Privatteam gilt

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Aprilia-Mannschaft: Das Werksteam bekam die Plätze dank Gresini

Die Aprilia-Mannschaft: Das Werksteam bekam die Plätze dank Gresini

Es wird dauernd von sechs Werksteams in der MotoGP-WM gesprochen. Aber kurioserweise gilt Aprilia Racing als Privatteam. Das hat Vor- und Nachteile.

Als sein Hautsponsor Go & Fun trotz eines gültigen Vertrags den Austieg für das Ende der Saison 2024 ankündigte, trennte sich Teambesitzer Fausto Gresini nach fast 20 Jahren von seinem MotoGP-Partner Honda. Denn er konnte die Leasingraten für die RC213V-Pakete nicht mehr finanzieren. Der zweifache 125-ccm-Weltmeister vereinbarte stattdessen ein Joint Venture mit Aprilia Racing. Denn das Motorradwerk aus Noale drängte 2025 zurück in die MotoGP-WM, bekam aber keinen eigenen Startplatz.

Aprilia setzte zuerst den aus der Superbike-WM bekannten RSV4-Motor ein und baute erst für 2016 eine reinrassige MotoGP-Rennmaschine – die RS-GP 16 für Bautista und Bradl, die gemeinsam zwölf Top-Ten-Plätze eroberten, mehr als Nachfolger wie Aleix Espargaró, Sam Lowes, Scott Redding und Andrea Iannone in den Jahren danach.

Gresini und Aprilia Racing vereinbarten zuerst einen Deal für vier Jahre, der lief Ende 2018 aus und wurde bis Ende 2021 verlängert.

Diese Vereinbarung bedeutet: Aprilia gilt offiziell nicht als Werksteam, denn die Verträge zwischen dem Rennstall und der Dorna unterzeichnet Gresini, und er ist als Kundenteam vorgesehen.

Seltsamer Nebeneffekt: Wenn Aleix Espargaró im Quali oder Rennen besser abschneidet als LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow oder Pramac-Ducati Pilot Jack Miller, dann darf er als bester Fahrer aus einem «Independent Team» (Kundenteam) ins Parc Fermé.
Obwohl Aprilia als Werksteam dahintersteht.

Da jetzt über sämtlich drei GP-Klassen hinweg alle Privatteams durch einen millionenschweren Rettungsschirm der Dorna vor dem Bankrott gerettet werden sollen, wird das Aprilia Gresini Racing Team aus diesem «rescue fund» genau so alimentiert werden wie kleine Moto3-Teams vom Kaliber CIP Green Power und PrüstelGP.

Die anderen MotoGP-Werksteams wie Repsol-Honda, Monster Yamaha, Suzuki Ecstar, Ducati Corse und Red Bull KTM bekommen nichts aus diesem Topf.

Trotzdem ist der Aprilia-MotoGP-Rennstall nicht zu beneiden. Denn Piaggio-Group-Eigentümer Roberto Colaninno gilt als harter Sanierer, die Verkaufszahlen bei Aprilia lassen zu wünschen übrig, die Ergebnisse bei Aprilia Racing (bisher 54 WM-Titel gewonnen) ebenfalls, die Modellpalette lässt zu wünschen übrig.

Deshalb steht die Zukunft von Aprilia in der MotoGP-WM in Zeiten der Coronakrise auf besonders wackligen Beinen.

Bisher begehrte Aprilia Racing bei Dorna Sports S.L. für die fünf Jahre nach 2021 zwei eigene Plätze; und Gresini liebäugelte bisher für diese Ära mit einer Übernahme eines Suzuki-Kundenteams.

Aber die Dorna wird aus Kostengründen das Startfeld nach 2021 aller Voraussicht nicht von 22 auf 24 Fahrer aufstocken. Und die Reale Avintia Ducati-Truppe von Raúl Romero (Rabat, Zarco) wird sich heftig gegen ein «unfriendly takeover» wehren.

Teamchef Romero könnte aber seine beiden kostbaren Plätze für 2021 und die vier Jahre danach dem Aprilia-Werk anbieten – und dann statt Gresini das verkappte Aprilia-Werksteam bilden.

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