Knall in der Moto2: Alle Hintergründe zur Kalex-Übernahme durch CFMoto
Die chinesische Motorradmarke CFMoto hat 51 Prozent von Chassis-Hersteller Kalex erworben. SPEEDWEEK.com sprach mit Geschäftsführer Alex Baumgärtel über die Gründe für den teilweisen Verkauf.
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Seit 2010 tritt Kalex in der Moto2-Klasse an und hat sich zum mit Abstand erfolgreichsten Hersteller entwickelt: Ab 2013 wurde jede Konstrukteurs-WM gewonnen. Wie erst im Rahmen des MotoGP-Auftakts in Thailand an diesem Wochenende bekannt wurde, hat die Firma Kalex Engineering mit Sitz in Bobingen bei Augsburg bereits im Dezember des Vorjahres 51 Prozent an die chinesische Motorradmarke CFMoto verkauft.
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Bislang hielten die Firmenanteile Alex Baumgärtel, Klaus Hirsekorn und Günther Holzer zu gleichen Teilen. CFMoto übernahm die Anteile von Holzer komplett, Baumgärtel und Hirsekorn traten von ihrem Drittel jeweils zu gleichen Teilen so viel ab, dass CFMoto jetzt in Summe auf 51 Prozent kommt. «Es fühlt sich nicht wie eine Übernahme an, sondern wie eine Partnerschaft», betonte Baumgärtel beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Thailand. «Das Ziel dahinter ist, die Rennsporttechnologie in deren Serienproduktion einzubringen, das heißt Know-how-Transfer. Es geht auch um die Ausbildung von Ingenieuren, ich gehe davon aus, dass mir ein oder zwei an die Seite gestellt werden, denen ich die Philosophie erklären kann. Da ich kein gelernter Motoradler bin, habe ich andere Ansätze, wie man beispielsweise Steifigkeiten betrachtet. Darin sind wir nicht schlecht, sonst hätten wir auch für andere Erstausrüster nicht erfolgreich sein können. Ich werde dieses Jahr 59, das ist noch mal eine schöne Herausforderung und es gibt mir das Gefühl, vielleicht doch noch ein Erbe zu hinterlassen. Ich werde nicht jünger und die Reisen mit dem Kalender werden immer anstrengender. Die Alternative wäre für uns gewesen, irgendwann zuzuschließen – wir sind so klein und spezialisiert.»
Moto2 muss performant sein Kalex besteht derzeit aus acht Mitarbeitern, davon sind drei Ingenieure. Baumgärtel bleibt auch unter dem Schirm von CFMoto Geschäftsführer und behält die alleinige Entscheidungsfreiheit, was das Thema Moto2 betrifft. «Das soll und darf nicht beeinflusst sein», betont der gebürtige Badener. «Es war klar: Moto2 muss performant sein. Das Vertrauen, das wir über die Jahre bei unseren Kunden aufgebaut haben, soll dadurch nicht beeinflusst werden.»
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Baumgärtel will dem GP-Paddock noch bis mindestens 65 erhalten bleiben, stellte durch den teilweisen Verkauf der Firma aber erste Weichen für die Zukunft. «Die Übernahme sorgt für eine Weiterführung, anders war das nicht vorstellbar. Und meine Rente ist gesichert. Als wir 2010 angefangen haben, war das Konto leer und wir haben Versicherungen gekündigt, um zu überleben – das war all in, was wir damals gemacht haben. Deshalb ist das ehrlicherweise ein gutes Gefühl.»
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Kalex: Zuerst ging es nicht um den Verkauf von Anteilen Den ersten Kontakt zu CFMoto gab es Anfang 2025, «wir haben uns im Fahrerlager getroffen und kamen ins Gespräch», erinnerte sich Baumgärtel. «Zuerst ging es nicht darum Anteile zu veräußern, die Frage war, ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert bin. Über mehrere Gespräche hat sich dann ergeben, dass ich ihnen Anteile angeboten habe. Das ist eine sehr sympathische Truppe mit viel Motivation und dem Willen zum Zuhören. Das ist angenehm und machte mir die Entscheidung leichter.»
Wir haben mit einer anderen Philosophie angefangen.alex baumgärtel
Befürchtungen von Teams, Kalex würde seine Kunden in der Zukunft womöglich nicht mehr gleich behandeln, weil CFMoto als Sponsor der Aspar-Truppe auftritt, wischt Baumgärtel vom Tisch: «Ich bin ein Sportsmann. Als wir 2010 ins Fahrerlager kamen, haben wir mit einer anderen Philosophie angefangen, als das damals üblich war. Von anderen gab es einen A- und B-Kunden-Kit und man konnte nur dreimal im Jahr Ersatzteile bestellen. Ich hatte nur einen Kunden, aber die Idee war da. Sport machte ich ja schon lange genug, ich habe davor 15 Jahre Automobil gemacht und das auf Werkslevel. Ich sagte von Anfang an, dass alle das Gleiche bekommen und jeder auf alles Zugriff hat. Wir haben auch den Deal mit den Teams, dass wir uns die Daten erst nach dem Wochenende ziehen. So kann sich jeder sicher sein, dass alle gleich behandelt werden, es bedarf dieser Fairness. Nur so kommst du zu diesen Leistungen und den offenen Gesprächen. Wir sind im 17. Jahr und haben uns ausreichend Vertrauen bei den Teams aufgebaut. Ich habe hier in Buriram nur Glückwünsche bekommen, die Leute sagen, dass wir uns das verdient haben und sie sich für mich freuen.»
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