Spannung: Was plant Ducati mit Jorge Lorenzo?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Jorge Lorenzo: Ist der Urlaub bald vorbei?

Jorge Lorenzo: Ist der Urlaub bald vorbei?

Ducati spricht von einem Joker und einer Überraschung bei der Besetzung des MotoGP-Werksteams. Offenbar ist Jorge Lorenzo weiter ein Thema. Dovizioso könnte sich inzwischen einen Testfahrerjob bei Yamaha vorstellen.

Zu Wochenbeginn ist durchgesickert, dass demnächst ein wichtiges «Announcement» in Zusammenhang mit der MotoGP-Weltmeisterschaft verkündet wird. Gleichzeitig wurde offenkundig wurde, dass Dovizioso-Manager Simone Battistella mit Petronas-Yamaha-Teamprinzipal Razlan Razali verhandelt hat. Doch er holt sich wegen der 4-Mio-Euro-Gage eine Abfuhr.

Jetzt ist zu hören, Rossi müsste bei Petronas-Yamaha etliche wohlverdiente Privilegien aufgeben, die er jetzt im Werksteam genießt. Hier wird er von ungeliebten Promotions-Aufritten in fernen Weltgegenden weitgehend verschont, Yamaha entsendet dann andere MotoGP-Piloten. Auch Einzel-Interviews muss Rossi bei Yamaha Motor Racing seit Jahren nicht mehr geben.

Jedenfalls sagte Valentino gestern in Misano nicht, er werde 2021 bei Petronas fahren. Er sprach wie seit Monaten von «99 Prozent».

Petronas will den 41-jährigen Rossi offenbar zu möglichst vielen PR-Terminen beordern, die ihm inzwischen zum Hals heraushängen. Aus diesem Grund scheinen die Verhandlungen so zäh und langwierig zu verlaufen.

Was andrea Dovizioso und Yamaha betrifft: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Denn inzwischen kann sich Dovizioso zum Beispiel vorstellen, bei Yamaha die Rolle des Edel-Testfahrers zu übernehmen und sich 2021 mit drei Wildcard-Einsätzen zu Wort zu melden, um dann 2022 noch einmal auf den WM-Titel loszusteuern.

«Wenn Dovi das will, würde ich ihn sofort einen Vertrag unterschreiben lassen», sagte Rossi gestern. «Aber ich wünsche ihm, dass er irgendwo eine komplette Rennsaison fahren kann.»

Dovizioso erklärte dazu gestern bei Sky Italia: «Im Moment habe ich nichts Konkretes auf dem Tisch. Wir konzentrieren uns auf diese Saison. Ob es eine Option werden kann? Ja, weil das Startfeld für 2021 schon komplett ist.»

MotoGP.com-TV-Reporter Matthew Birt spekulierte heute sogar, Dovi könne Bradl bei Honda als Testfahrer ersetzen.

Aber in dieser Richtung bestehen bisher keine Kontakte. Bradl geht davon aus, dass er 2021 bei HRC weiter als Testfahrer agieren wird.

Bleibt also noch die Frage zu klären, wer bei Ducati die Überraschung für den zweiten Platz im Werksteam neben Jack Miller bilden könnte, welche die Ducati-Manager in Spielberg durchblicken ließen.

Ducati hat die Werksverträge von Bagnaia und Zarco verlängert, sie gelten als aussichtsreiche Kandidaten. Aber Ducati-Sportdirektor hat diese Option schon nach dem Brünn-GP erwähnt, sie wäre keine Überraschung.

Ducati-CEO Claudio Domenicali hat schon zu Corona-Zeiten geheimnisvoll von einem prominenten «Joker» gesprochen, als die Trennung von Dovizioso erstmals erörtert wurde.

Auch wenn Lorenzo seit fast zwei Jahren nichts mehr gewonnen hat, er ist ein Ausnahmekönner und außerdem das Liebkind von Ducati-Corse-Rennchef Gigi Dall’Igna, der ihn am liebsten schon vor einem Jahr in Spielberg für 2020 zurückgeholt hätte. Doch HRC gab den Mallorquiner nicht frei, der 2010, 2012 und 2015 die MotoGP-Weltmeisterschaft gewonnen hat.

Bei Yamaha war man schon im Juni «zu 70 Prozent sicher», dass Lorenzo nach dieser Saison zu Ducati zurückehren wird, wo er 2018 drei Grand Prix (Mugello, Catalunya und Spielberg) gewonnen hat.

An dieser Überzeugung des Yamaha-Managements hat sich bisher nichts geändert. Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing, hat im SPEEDWEEK.com-Interview schon mehrmals durchblicken lassen: «Wir haben mit Jorge Lorenzo unsere Pläne für 2021 noch nicht diskutiert.»

Offenbar gilt Lorenzo bei Ducati Corse nach wie vor als seriöser Anwärter auf den Platz im Werksteam neben Jack Miller.

Falls dieser Plan in die Tat umgesetzt wird, wird verständlich, warum Ducati zuerst Danilo Petrucci entlassen und dann auch Andrea Dovizioso vergrault hat.

Denn Bagnaia, bisher einmal Vierter in der MotoGP-Klasse, kann vorläufig niemand für einen gleichwertigen Ersatz für den 15-fachen GP-Sieger Dovizioso halten. Und Zarco ist vielleicht nur deshalb so schnell, weil die Ducati GP19 konkurrenzfähiger und ausgereifter ist als das 2020-Modell. Ein Phänomen, das auch bei Honda und Nakagami zu beobachten ist.

Ducati könnte also 2021 das Werksteam mit Miller und Lorenzo besetzen, das wäre die in Aussicht gestellte Überraschung.

Bei Pramac gilt Moto2-GP-Sieger Jorge Martin als Fixstarter, auch Enea Bastianini wurde dort zuletzt als Neuzugang gehandelt. Aber Ducati hätte dann einen Fahrerüberschuss.

Deshalb wird Bastianini zu Avintia Esponsorama transferiert. Wenn der Lorenzo-Deal klappt, soll er dort mit Zarco fahren. Tito Rabat wird dann von Ducati wohl die Superbike-WM schmackhaft gemacht.

Bei Barni-Ducati wird nach dem Rücktritt von Melandri und der dauerhaften Verletzumg von Leon Camier ein Topfahrer gesucht.

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