Open-Honda: Shuhei Nakamoto versteht die Kritik nicht

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Honda RCV1000R von Nicky Hayden: zu langsam

Die Honda RCV1000R von Nicky Hayden: zu langsam

Honda dominiert die MotoGP-WM nach Belieben, aber das Konzept mit dem Production-Racer RCV1000R hat sich nicht bewährt. Auch wenn HRC-Vizepräsident Nakamoto widerspricht.

Die Honda Racing Corporation beherrscht die MotoGP-WM mit Marc Márquez, mit Dani Pedrosa liegt der zweite Repsol-Honda-Werksfahrer in der Tabelle an dritter Stelle.

Aber in der neuen Open-Class (sie löste nach zwei Jahren die Claiming-Rule-Bikes mit den Superbike-Rennmotoren ab) hat Honda gegen das Yamaha-Konzept mit Forward Racing und Aleix Espargaró absolut keine Chance.

Zur Erinnerung: Yamaha verleast einfach letztjährige YZR-M1-Motoren an Forward für 800.000 Euro pro Fahrer und Saison, die Rolling-Chassis sollte sich Forward bei FTR selber bauen lassen.

Doch dieser Plan funktionierte nicht, Yamaha rückte also zwangsweise auch noch die 2013-Chassis heraus. Erst beim Mugello-GP kreuzte das Team von Giovanni Cuzari mit einem Eigenbau-Chassis auf, das der ehemalige FTR-Designer Mark Taylor nach dem letztjährigen FTR-Chassis von Avintia und Forward kopiert hat. Es ist bei Harris in England fabriziert worden.

HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto räumte im Winter ein, er habe das Reglement nicht aufmerksam gelesen und sei der Ansicht gewesen, Open-Class-Rennmaschinen müssten verkauft werden, von Leasing-Modellen wusste er nichts.

Also entwickelte HRC mit viel Aufwand einen abgespeckte Version der RC213V-Werksmaschine ohne Seamless-Getriebe und ohne pneumatischem Ventiltrieb, dich diese RCV1000R war schon beim ersten Sepang-Test im Februar zu langsam. 16 km/h verloren Fahrer wie Hayden, Aoyama, Abraham und Redding auf die besten Top-Speed-Werte. In Texas dann sogar 24 km/h.

Fazit: Nach sieben Rennen hat Aleix Espargaró als WM-Siebter 54 Punkte erbeutet. Die Honda-Privatfahrer liegen klar dahinter: 12. Hayden (27 Punkte). 14. Redding (24 Punkte). 15. Aoyama (24 Punkte). 17. Abraham (13 Punkte).

Übrigens: Honda wollte pro Fahrer für ein Paket mit zwei RCV1000R-Maschinen einen Kaufpreis von 1 bis 1,2 Mio erreichen. Doch Drive-M7-Teamchef Jorge «Aspar» Martinez sagt: «Wir brauchen 1,8 bis 1,9 Mio pro Fahrer und Saison.»

«Das sind vernünftige Resultate für Honda», meint Nakamoto zu den Ergebnissen von Redding, Hayden und Co. «

Doch bei den Teambesitzern und Fahrern hält sich die Begeisterung in Grenzen. Denn Nakamoto hatte bei der Fahrzeugvorstellung in Valencia 2013 erklärt: «Der Production-Racer ist pro Runde nur 0,3 sec langsamer als unsere Werksmaschine.»

In Barcelona fuhr Dani Pedrosa mit 1:40,9 min die Pole-Position, redding kam auf 1:42,7 min, Hayden auf 1:43,0 min. Wir reden also von Rückstanden von 1,7 bis 2 Sekunden. «Die versprochenen 0,3 sec verlieren wir auf jeder Geraden», ätzte Hayden schon beim ersten Sepang-Test im Februar.

Zum Vergleich: Aleix Espargaró schaffte mit der Open-Yamaha eine Quali-Zeit von 1:41,3 min.

Nakamoto verliert bei diesem Thema rasch seine Gelassenheit. «Warum heisst es, Honda habe mit den Open-Bikes Mühe? Wir besiegen damit manchmal sogar die Werksmaschinen», sagt er.
Haben wir etwas verpasst?

Dann ergänzt er, sichtlich ungehalten: «Ich verstehe überhaupt nicht, was diese Kritik soll. Was heisst, wir haben Mühe? Sollen sie Open-Motorräder die Werksmaschinen schlagen?»

Nein, aber zumindest die anderen Open-Bikes, zum Beispiel von Forward-Yamaha?

«Die Konkurrenz hat keine Open-Maschine, sie setzt Werksmaschinen ein», wehrt sich Nakamoto. «Das weiss doch jeder.»

Naja, es besteht ein Unterschied. Die Open-Yamaha von Forward muss mit der Einheits-Software von Magneti Margelli auskommen, die Factory-Yamaha der Teams von Movistar (Rossi, Lorenzo) und Tech3 (Pol Espargaró, Bradley Smith) nicht.

Immerhin muss HRC jetzt reagieren: Die 2015-Version der Open-Honda soll über den pneumatischen Ventiltrieb verfügen, um die PS-Nachteile zu verringern. Ein erster Prototyp könnte schon bei den letzten vier Rennen 2014 zum Einsatz kommen.

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