Stefan Bradl: «Ich habe keine Podiums-Illusionen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Im Vorjahr verfehlte Stefan Bradl beim Sachsenring-GP Platz 3 nur um 4,4 Sekunden gegen Rossi. Nach der bisher teilweise missratenen Saison dämpft der LCR-Honda-Pilot die Erwartungen.

Stefan Bradl (24) hat beim Grossen Preis von Deutschland 2008 (125 ccm) und 2011 (Moto2) zweite Plätze erkämpft, er war in der MotoGP-Klasse vor zwei Jahren Fünfter und 2013 Vierter, er hat im Vorjahr am Freitag eine Bestzeit herausgefahren und im Rennen erstmals sogar sechs Runden lang geführt.

Der deutsche LCR-Honda-Pilot hat nach dem Rückschlag von Assen (Sturz in der Besichtigungsrunde, nur Platz 10) einiges wettzumachen.

Aber der 24-jährige Bayer macht sich keine Illusionen. «Ein Podestplatz ist gegen die vier Werksfahrer Márquez, Rossi, Pedrosa und Lorenzo schwer zu erreichen», sagt er. «Man darf nicht vergessen, dass im letzten Jahr Lorenzo und Pedrosa nach ihren Schlüsselbeinbrüchen vom Samstag nicht am Start waren.»

Stefan, nach den Plätzen 5 und 4 in den letzten zwei MotoGP-Jahren wäre jetzt ein Podestplatz die logische Folge.

Ja, aber letztes Jahr haben sich Lorenzo und Pedrosa im Training eliminiert. Das hat meien Aufgabe damals für mich etwas erleichtert.
Ausserdem ist Rossi jetzt stärker.

Wie gehst du an das Rennwochenende heran? Du bist zwar von der Strecke nicht begeistert, aber du hast in Sachsen immer gute Ergebnisse erzielt?

Ich habe nie gesagt, dass mir die Strecke nicht liegt. Aber es ist eine Strecke, die für MotoGP fast ein bisschen zu klein ist.
Wie gehe ich an diesem WM-Lauf heran? Mein Gott, die Diskussionen um meine Zukunft kann ich ganz gut ausblenden, glaube ich.
Es ist ja ganz einfach. Wenn man eine gute Leistung abliefert wie in Barcelona, dann sind die Meldungen und Gerüchte positiv. Wenn es etwas schlechter läuft wie in Assen, dann sind die Meldungen etwas negativer, besonders wenn man sich mitten in der Transferphase befindet. So geht das immer rauf und runter. Es ist alles ergebnisabhängig.

Zurück zum Sachsenring. Was heisst zu klein? Zu viele Kurven auf zu engem Raum? weil der Platz dort im Industriegebiet von überschaubarer Grösse ist? Oder zu viele Linkskurven?

Ja, es wäre irgendwie witzig, wenn man eine der zehn Linkskurven wegnehmen und durch eine vierte Rechtskurve ersetzen könnte. Aber das ist nicht so einfach.
Das winkelige Omega, dann die engen Rechtskurven, gefolgt von recht langen Linkspassagen... Das ist anstrengend für den Fahrer. Wenn man da ein bisschen mehr Abwechslung einbauen könnte, mit einer zusätzlichen Rechtskurve... Aber das Layout ist trotzdem anspruchsvoll. Denn es gibt auch schnelle Kurven, es geht bergauf und bergab.
Der zweite Teil der Rennstrecke ist eh ganz gut. Nur das Omega-Rechtsrum und danach das lange Linksfahren, da muss ich sagen, es gibt interessantere Rennstrecken. Anspruchsvoll ist es trotzdem.

Dass gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, ist das ungewöhnlich? Oder spielt das für den Fahrer keine Rolle?

Es gibt mehrere Rennstrecken, auf denen gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Phillip Island fällt mir als erstes ein, dann Austin, Aragón. Nein, das ist wurscht, das fällt dir als Fahrer gar nicht auf.

Im Vorjahr gewann Márquez, 2010, 2011 und 2012 Pedrosa. Ist der Sachsenring eine Honda-Strecke?

Das werden wir sehen. Rossi ist normalerweise auf dem Sachsenring auch recht flott unterwegs; die Yamaha funktioniert dort auch ganz gut, glaube ich. Yamaha hat in der letzten Zeit immer Vorteile in maximaler Schräglage gehabt. und das ist auf dem Sachsenring ja viel der Fall.
Aber Honda hat momentan mit den zwei Werksmotorrädern von Márquez und Pedrosa ein sehr starkes Paket.
Ich glaube nicht, dass eine der beiden Marken auf dieser Piste grosse Vor- oder Nachteile hat. Wenn Lorenzo fit und wenn er gut drauf ist, wird er vorne dabei sein. Von Rossi wissen wir, dass er momentan gut drauf ist, dann sind die sicher auf einem ähnlichen Niveau wie Honda.

Marc Márquez hat den Deutschland-GP in den letzten vier Jahren viermal gewonnen, in drei verschiedenen Klassen. Bedeutet das, seine Gegner brauchen sich gar keine Hoffnungen auf einen Sieg zu machen? Oder ist alles offen?

Ja, er hat in den letzten vier Jahren gewonnen, dazu die ersten acht Rennen in dieser Saison. Wenn er nicht gewinnt, wäre es eine Enttäuschung für ihn... Normalerweise müssten wir nur über die Plätze 2 und 3 reden.

Dann reden wir über den zweiten und dritten Platz. Können die Fans erwarten, dass du um einen Podestplatz fightest?

(Er lacht.) Was soll ich jetzt sagen? Ich weiss es nicht...

Letztes Jahr hast du beim Heim-GP den ersten Podestplatz um 4,4 sec gegen Rossi verloren. Du hast das Versäumte eine Woche später mit Platz 2 in Laguna Seca nachgeholt. Aber Laguna Seca findet 2014 nicht statt, nach dem deutschen WM-Lauf kommt die fast vierwöchige Sommerpause.

Ich freue mich jetzt natürlich auf dieses Rennen. Ich werde die Atmosphäre geniessen und aufsaugen, ich werde die positiven Aspekte für mich rausholen.
Natürlich ist der Druck auch gegeben. Aber ich habe das Ganze einigermassen im Griff.
Es wird auch viel davon abhängen, wie ich am Freitag in den ersten zwei freien Trainings ins Fahren reinkommen, ob wir gleich ein passendes Set-up finden. Das Wetter wird Freitag und Samstag wechselhaft, es kann auch regnen.
Ja, Podiums-Illusionen brauchen wir uns keine machen. Das möchte ich schon ein bisschen klarstellen; davon möchte ich jetzt nicht reden.
Klar, es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Trotzdem will ich jetzt keine falschen Hoffnungen wecken. Reden wir lieber über realistische Ziele. Mit einem Top-5-Resultat können wir zufrieden sein. Mehr lässt sich momentan nicht sagen.

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