Jack Miller in der MotoGP: Rossi und Márquez raten ab

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Honda will Moto3-WM-Leader Jack Miller ohne Zwischenstation in der Moto2 direkt in die MotoGP locken. Aber der Australier ist wankelmütig.

Schon beim Mugello-GP bestätigte Moto3-WM-Leader Jack Miller aus dem Red Bull Ajo KTM-Team, dass er über einen direkten Aufstieg in die MotoGP-Klasse nachdenke. Honda hatte ihn angefragt, ob er sich mit einem Drei-Jahres-Vertrag überreden lassen könnte, eventuell im ersten Jahr mit einem Open-Bike, als Team war die LCR-Truppe von Lucio Cecchinello vorgesehen.

Miller sagte in Mugello. «Du wirst keine Überraschungen erleben. Ich fahre zumindest ein Jahr Moto2 – wie alle andern.»

In Assen bestätigte Miller diese Absicht. Aber HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto lässt nicht locker.

Valentino Rossi rät von so einem Schritt ab. Auch Marc Márquez sagte: «Der Unterschied ist zu gross. Die Power, das Gewicht, der Fahrstil, das völlig andere Bremsverhalten, der unterschiedliche Kurvenspeed – man muss vorher Moto2 fahren.»

HRC wollte deshalb zuerst Maverick Viñales engagieren. Aber der 19-jährige Moto3-WM-Dritte ist auf HRC nicht gut zu sprechen, weil ihm die Japaner 2012 kein konkurrenzfähiges Moto3-Motorrad hinstellten – und er erst 2013 auf der Calvo-KTM Weltmeister wurde. Er lehnte das HRC-Angebot strikt ab.

Und da bei LCR irgendwann ein neuer Dani Pedrosa oder Marc Márquez ausgebildet werden muss, ist HRC weiter hinter Jack Miller her. Er könnte entweder Bradls Platz übernehmen oder eine Open-Honda an der Seite des Bayern fahren.

Aber dieser Plan hat mehrere Haken: LCR hat bisher kein Budget für zwei Fahrer und bisher keinen zweiten Platz. Es müsste der Platz von Iodaracing übernommen werden, wenn Giampiero Sacchi (er fährt jetzt mit ART-Aprilia und Petrucci) zum Aufhören überredet werden kann.

Der nächste Haken: Jack Miller hat einen Vertrag für 2015 und 2016 bei Marc VDS Racing unterschrieben. Es droht ein gerichtliches Nachspiel, wenn er diesen Vertrag nicht respektiert. Und eine gerichtliche Auseinandersetzung kann sich HRC mit Marc VDS Racing kaum erlauben, weil der belgische Rennstall die Moto2-WM mit Tito Rabat und Mika Kallio dominiert – und auf Honda-Einheitsmotoren unterwegs ist.

Eine komplizierte Angelegenheit. «Ich habe keinen Vertrag für 2014», versicherte Jack Miller auf dem Sachsenring in Anspielung auf den Marc-VDS-Deal. «Zumindest keinen bindenden.»

Schliesst der schnelle und zweikampfstarke 19-jährige Australier (vier Siege in acht Rennen 2014) einen direkten Aufstieg in die MotoGP-Klasse immer noch aus? «Ich glaube, es ist möglich, von der Moto3-Klasse in die MotoGP aufzusteigen», versicherte Jack. «Es hängt von den Qualitäten des Fahrers und vom Material ab.»

Der KTM-Werksfahrer will sich nicht richtig festnageln lassen. Er möchte am liebsten noch bis Ende August oder länger mit einer Entscheidung warten. Dann kann er besser überblicken, wie es mit den Titelchancen in der Moto3 aussieht und welche Möglichkeiten sich in der Moto2-Klasse ergeben.

Ganz sicher darf sich HRC nicht sein. Denn am Samstag hat Miller-Manager Aki Ajo die Dienste seines Schützlings für 2015 beim spanischen Páginas-Amarillas-Kalex-Moto2-Team von Sito Pons angeboten, wo in dieser Saison der WM-Dritte Maverick Viñales und der WM-Siebte Luis Salom fahren. Viñales hat zwar bei Pons einen Moto2-Vertrag für 2015, er befindet sich aber auf dem Absprung in die MotoGP-Weltmeisterschaft.

Jack Miller könnte also den Rat von Rossi und Márquez befolgen – und den Viñales-Platz bei Pons übernehmen.

Wie auch immer. Der Motorradsport hält regelmässig köstliche Überraschungen bereit.

Jack Miller war 2013 auf einer FTR-Honda Moto3-WM-Siebter. Dann liess ihn Honda zu KTM gehen, Nakamoto schimpfte über die angebliche hohen Gagen des Red-Bull-Ajo-KTM-Teams. Jetzt demütigt «JackAss» das Honda-Werksteam (Rins, Márquez, Vazquez, Masbou und so weiter) in der Moto3-Weltmeisterschaft. Als Belohnung will ihn HRC mit einem Millionen-Deal zurück ins Honda-Lager lotsen...

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