Marc Márquez: Seine Bekanntheit ist Fluch und Segen

Kolumne von Manuel Pecino
In Spanien ist Marc Márquez ein absoluter Superstar. Dass das nicht nur Vorteile mit sich bringt, musste der MotoGP-Weltmeister nun am eigenen Leib erfahren.

Marc Márquez ist ständing in den spanischen Medien präsent. In seinem Heimatland ist er einer der beliebtesten Sportler. Der zweifache MotoGP-Weltmeister lebt in einem Land, das den Motorradsport liebt. Allein das garantiert ihm Fans und Sponsoren wie Repsol mit ihrer mächtigen PR-Abteilung als eines der größten Unternehmen Spaniens. Marcs Persönlichkeit rundet dieses Paket perfekt ab.

Das Ergebnis sieht so aus, dass Márquez eine Audienz beim König von Spanien erhält, ein gern gesehener Gast bei den beliebtesten TV-Sendungen ist und die besten Magazine um ein Cover mit seinem Gesicht darauf kämpfen. Dabei sprechen wir nicht von Fachzeitschriften aus dem Motorsport-Sektor. Seine Popularität ist mit der von Valentino Rossi in Italien vergleichbar.

Doch kürzlich wurde sein makelloses Image einem Härtetest unterzogen. Ihm schlug erstmals harsche Kritik entgegen. Dabei ging es nicht um eine sportliche Angelegenheit. Alles begann, als Márquez bei den Behörden in Andorra um eine Aufenthaltsgenehmigung bat.

Andorra ist ein kleines Land in der Bergregion zwischen Spanien und Frankreich. Sie nennen sich selbst das «Land der Pyrenäen». Es ist ein märchenhaftes Land mit endlosen Wäldern, fantastischer Natur und auch im Sommer angenehmen Temperaturen. Im Winter ist ein es ein Paradies für Skifahrer. Doch Andorra ist auch eine Steueroase wie die Schweiz, Lichtenstein oder Monaco.

Diese Länder bieten besonders niedrige Steuerabgaben, daher sparen sich reiche Menschen sehr viel Geld, wenn sie ihren Wohnort dorthin verlegen. Deshalb zieht auch Márquez nach Andorra. Er gab als Grund für seinen Umzug die Ruhe und gute Trainingsmöglichkeiten an. Unter Tränen wehrte er sich gegen die Vorwürfe der Presse und sagte, dass er zumindest 2015 noch seine Steuern in Spanien zahlen wird.

Seine Beliebtheit macht Márquez’ Leben in Spanien kompliziert. Ohne Frage ist auch dies ein guter Grund. Doch die Schlagzeilen lauteten: «Marc Márquez zieht nach Andorra, um Steuern zu sparen.» Es entbrannte eine öffentliche Diskussion zwischen denen, die Márquez’ Entscheidung rechtfertigten, und jenen, die ihn verurteilten.

Geschätzt wird Márquez’ Einkommen auf 10 Millionen Euro pro Jahr, rund 6,5 Millionen bekommt er von HRC. Dazu kommen Einnahmen von Alpinestars-Leder, Shoei-Helmets, anderen persönlichen Sponsoren (Red Bull, Estrella Galicia, Uhren, Sonnenbrillen) und Erfolgsprämien. Bei spanischer Besteuerung zahlt er etwa 50 Prozent. In Andorra wären es maximal 500.000 Euro, also fünf Prozent. Ab 2018 müsste er zehn Prozent seines Einkommens an den Fiskus zahlen. Über solche Summen muss man nachdenken, oder?

Die Spanier sind hin- und hergerissen, doch seine Kritiker gehen hart mit Márquez ins Gericht. Was für den Wohnortwechsel spricht, ist klar. Es wird jedoch kritisiert, dass er in Spanien sein Geld verdient und von spanischen Firmen wie Repsol bezahlt wird. Daher sei es unmoralisch, den Wohnort zu wechseln, nur um Steuern zu sparen. Die Meinungen gehen in Spanien weit auseinander…

Bisher war Márquez nur den Jubel der Massen und die Lobgesänge der Medien gewohnt. Nun peitschte ihm ein eisiger Wind in seinem Heimatland entgegen. Márquez regierte sehr emotional und versuchte, sich zu rechtfertigen. An seiner Entscheidung änderte dies jedoch nichts.

«Schuldig oder unschuldig» – Márquez ist sicher nicht der einzige, der dem spanischen Steuersystem «entfloh». Die Espargaró-Brüder leben offiziell in Andorra. Dani Pedrosa lebt in einem kleinen Dorf in der Schweiz, Jorge Lorenzo wohnt in Lugano genauso wie Alberto Contador, einer der beliebtesten Rennradfahrer der Welt. Fernando Alonso zahlt nun wieder Steuern in Spanien, nachdem er jahrelang in der Schweiz residierte. Die einzige spanischen Sportikone, die nie vor den Abgaben in der Heimat floh, ist Rafael Nadal…

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