Nicolas Goubert (Michelin): Sorgenkind Vorderreifen

Von Jordi Gutiérrez
MotoGP
Nicolas Goubert von Michelin

Nicolas Goubert von Michelin

Michelin-Rennchef Nicolas Goubert sprach nach den drei Stürzen von Lorenzo, Márquez und Rossi in Mugello offen über die Problematik der Vorderreifen. Es existieren Probleme nach dem Kurvenscheitelpunkt.

Nicolas Goubert zog nach dem actionreichen Michelin-Test am heutigen Montag in Mugello im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein Resümee mit positiven Aspekten und Erkenntnissen, die weniger erfreulich sind.

Der Technical Director von Michelin war bis 2006 Rennchef von Michelin in der MotoGP-Klasse, dann wandte er sich neuen Aufgaben im Automobilsport zu.

Michelin hat von 1976 (Barry Sheene auf Suzuki) bis 2006 nicht weniger als 26 von 31 WM-Titeln in der Königsklasse gewonnen.

Nicolas Goubert, können Sie für uns ihre Eindrücke vom heutigen Test zusammenfassen?
 

Ja, es war unser zweiter grosser Test mit den Factory-Piloten, der erste fand im Februar in Malaysia statt. Seither haben wir mit den Testfahrern der Werke getestet, vor zwei Wochen waren wir zum Beispiel hier in Mugello. Pirro fuhr für Ducati, Aoyama für Honda.
Wir haben Reifen hierher gebracht, die in Malaysia ausgewählt wurden, wir haben uns seither vorrangig mit den Vorderreifen beschäftigt. Wir verwenden dasselbe Profil wie in Sepang. Wir bemühen uns aber, den Charakter des Vorderreifens zu verbessern, deshalb haben wir vier unterschiedliche Vorderreifen mitgebracht. Dazu drei verschiedene Hinterreifen. Mit den Hinterreifen haben wir nicht mehr viel Arbeit, da ging es nur darum, für die unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche Mischungen bereit zu haben.
Was die Vorderreifen betrifft, würde ich sagen: Bis 15 Uhr war die Situation sehr gut. Die Fahrer waren ziemlich zufrieden mit den Verbesserungen, die uns seit Sepang gelungen sind.
Dann hat sich die Situation allerdings nicht so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben. Denn am späteren Nachmittag haben wir einige Crashes erlebt.
Das heisst: Wir müssen uns mit den Vorderreifen noch einmal eingehend beschäftigen.
Der positive Aspekt: Der erste Teil der Kurve scheint okay zu sein, ich spreche da von der Bremszone. Aber wir haben Aufholbedarf für die Phase, die am Kurvenscheitelpunkt beginnt und dann zum Kurvenausgang führt.

Lorenzo, Márquez und Rossi sind heute übers Vorderrad abgestiegen. Passierten diese Stürze alle beim Rausfahren aus den Kurven?

Zwei passierten beim Rausfahren, bei Marc war es etwas anders, bei ihm war eine Bodenwelle im Spiel.
Die anderen zwei Stürze sind wegen ähnlichen Symptomen passiert wie die Stürze übers Vorderrad in Sepang.
Aber wir sind noch nicht am Ende unseres Entwicklungsp​rogramms. Wir müssen uns jetzt auf einem Gebiet anstrengen, auf dem es schwierig ist, denn diese Stürze passieren mit den Testfahrern nicht.
​Das ist ja auch einer der Gründe, warum wir ersucht haben, auch ​während der Saison Testsessions mit den Spitzenfahrern durchführen zu können.
Lasst uns also jetzt auf diesem Gebiet weiterarbeiten, damit wir uns bis zum nächsten Rendezvous beim Montag-Test in Brünn in diesem Bereich verbessern können.

Gibt es einen besonderen Grund, warum Mugello und Brünn für diese Tests ausgewählt wurden?

Die Wahl wurde im Grunde in Zusammenarbeit mit der Dorna und mit Bridgestone getroffen, weil wir Rennen brauchten, nach denen ein freies Wochenende kommt, damit die Fahrer und Werke genug Zeit haben. Es sollten danach auch keine Übersee-Rennen stattfinden, weil sonst das Material verfrachtet werden müsste. Es gab eigentlich keine grosse Wahl, wir haben untereinander einen Kompromiss gesucht und gefunden.
Im Grunde ist es ​sinnvoll, einen Test im Februar zu haben, einen ​anfangs Juni, dann einen Mitte August und einen weiteren im Oktober. Wir sind recht glücklich mit dem Timing, weil wir dazwischen immer Zeit haben, um weiter Entwicklungsarbeit zu erledigen. Das ist gut.

Mit den heutigen Rundenzeiten ​sind Sie zufrieden?

Ja. Wir wussten, dass wir da keine grossen Schwierigkeiten haben würden, das hat sich recht rasch abgezeichnet. Auch die Testfahrer haben anständige Zeiten erreicht. Wir wussten, die Rundenzeiten würden uns keine Sorgen machen.
Die Schwierigkeit besteht darin, jetzt etwas zu finden, was den Topfahrern Vertrauen gibt, damit sie nicht mehr stürzen.
Es geht für uns nicht nur darum, den Fahrern schnelle Rundenzeiten zu ermöglichen. Die Fahrer müssen die Möglichkeiten haben, schnell zu fahren und sich dabei sicher zu fühlen. Sie müssen von den Reifen eine Warnung bekommen, wenn sie sich dem Limit nähern. Sie müssen in Sicherheit sein.

Wie sieht es mit der Lebensdauer aus? Einige Fahrer fuhren halbe Renndistanzen?

Ja, das war aber nicht das erste Mal. Marc Márquez hat schon in Sepang einen Long-run abgespult, er war dabei sehr konstant. Er war am Ende dieses Long-runs in Malaysia sogar schneller als am Beginn, weil er sich dann mit den Reifen besser angefreundet hatte.
Bautista hat heute einen Long-run durchgeführt, Marc hat auch einen begonnen, leider ist er in der Mitte der Distanz gestürzt. Die Lebensdauer der Reifen bereitet uns überhaupt keine Sorgen. Alle Reifen, die wir heute getestet haben, waren Rennreifen.
Es wäre nett gewesen, einen Long-run mit guter Pace und ohne Sturz zu erleben. Aber das ist uns nicht gelungen.

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