Diego Gubellini (Aprilia): Was er über Bradl sagt

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Stefan Bradls neuer Crew-Chief Diego Gubellini weiss, dass sich sein Schützling steigern muss. «Wir müssen die Rennperformance steigern», ist sich der Italiener bewusst.

Der Italiener Diego Gubellini fungiert seit dem Indianapolis-GP 2015 als Crew Chief von Stefan Bradl beim Aprilia Racing Team Gresini. Der 40-jährige Techniker, 190 Zentimeter gross, hat hat soeben seine 19. Saison im Team von Fausto Gresini hinter sich gebracht.

Im ersten Halbjahr 2015 hat er für Marco Melandri gearbeitet, 2014 für Scott Redding an der Open-Class-Honda, 2013 für Bryan Staring, 2012 für Michele Pirro an der CRT-Honda, 2011 für Hiroshi Aoyama und 2010 für Melandri an der 800-ccm-Honda RC212V.

Bradl und der ruhige, bedächtige und akribische Diego Gubellini fanden sehr rasch einen ausgezeichneten Draht zueinander, man verstand sich ausgezeichnet.
Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com erzählt Gubellini über die Zusammenarbeit mit dem deutschen MotoGP-Fahrer, er redet über Stärken und Schwächen.

Diego, als Stefan Bradl im August in Indy zum Aprilia-Team stiess, meinte Renndirektor Romano Albesiano, er bekomme vier Rennen Zeit, um auf das Niveau von Bautista zu kommen. Er besiegte ihn aber gleich im zweiten freien Training und auch im Qualifying. Hat dich das überrascht?

Stefan war wirklich gleich von Beginn an schnell. Seine Herangehensweise machte auf mich einen sehr guten Eindruck. Er ist sehr professionell, sehr präzise in seinen technischen Angaben.
In den Trainings bereitet er sich sehr gewissenhaft auf das Rennen vor. Seine Arbeitsweise lässt nichts zu wünschen übrig. Er ist sehr ruhig, sehr fokussiert, alles sehr angenehm. Aber bei den ersten neun Grand Prix haben wir auch unsere Schwachstelle entdeckt, das ist die Renndistanz. Normal sind wir im Rennen am Beginn sehr schnell, aber wir lassen dann in den letzten Runden stark nach. Stefan hat dieses Problem schon ein bisschen bei Honda gehabt, aber nicht so deutlich wie bei uns. Wir wissen also, wohin wir unser Augenmerk für 2016 richten müssen. Die Verbesserung der Rennperformance wird im Vordergrund stehen.
Es lässt sich bisher schwer einschätzen, wie viel am Motorrad liegt und wie viel am Fahrer oder am Fahrstil.
Wir haben in der zweiten Saisonhälfte begonnen, uns kennenzulernen.
Wir müssen uns bei vielen Dingen in kleinen Schritten verbessern. Natürlich müssen wir unterschiedliche Set-ups probieren und uns dabei mehr auf das Renn-Set-up statt auf einzelne Rundenzeiten konzentrieren.
Wir haben uns auch bereits Gedanken gemacht, wie Stefan seinen mentalen Zugang verbessern kann und wie wir das Rennen besser managen können.
Das sind die zwei wichtigsten Aufgaben, die vor uns liegen.
Wenn ich vom mentalen Zugang spreche, meine ich damit auch, wie man mit Problemen umgeht und wie man sich daran anpasst.

Stefan hatte besonders beim Australien-GP riesige Probleme. Es war der einzige von neun Grand Prix, bei dem ihn Bautista im Qualifying besiegt hat. In zwei Monaten wird dort schon wieder getestet. Habt ihr die Probleme schon analysiert?

Ja, da haben wir schon ein paar Ideen. Aber 2016 wird sich mit dem neuen Motorrad und den Michelin-Reifen einiges ändern. Wir müssen abwarten.

Beim Finale in Valencia fiel Stefan in den letzten zwei Runden noch aus den Punkterängen. Was ist da passiert?

Manchmal hast du an der Box eine bessere Vorstellung davon, wie sich das Rennen entwickelt. Vielleicht müssen wir dem Fahrer in solchen Fällen mehr Anordnungen oder Unterstützung geben.
Stefan sagte bisher immer, er brauche keine zusätzlichen Informationen. In Valencia fehlte ihm aber zum Beispiel die Info, wie viele Fahrer direkt hinter ihm lauerten. In Aragón haben wir in den letzten Runden nach der Kollision mit Laverty auch kostbare Punkte verloren.
Stefan sah aber zum Bespiel in Valencia im Rennen, dass Valentino das Signal «BRK» angezeigt wurde, das bedeutet «Brake». Die Box zeigte ihm also an, er solle besonders beim Bremsen aggressiv sein. Also lässt sich sogar Valentino Anordnungen geben. Oder Informationen.
Aber Stefan lässt sich mit guten Argumenten überzeugen. Wenn ich ihm einen Vorschlag mache, denkt er eine Weile nach, dann sagt er: «Ja, vielleicht ist das keine schlechte Idee.»

Stefan hatte in Valencia im Rennen Bremsprobleme?

Ja, er hatte Bremsprobleme. Aber das muss Stefan vielleicht noch besser lernen. Wenn in einem Rennen Probleme auftauchen, muss er sich besser daran anpassen, um trotzdem das Maximum herauszuholen.

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