Brünn-GP: Hohe Schulden, bisher kein Ticketverkauf

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Brünn-GP: Das Hickhack geht weiter

Brünn-GP: Das Hickhack geht weiter

2015 stand der Brünn-GP monatelang auf wackligen Beinen. Dann wurde ein neuer 5-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Aber es gibt 4,5 Mio Schulden und es herrschen bizarre Zustände.

Der Motorrad-GP von Tschechien wurde nach monatelangem Hickhack auch 2015 durchgeführt und steht für die Saison 2016 wieder im Kalender.

Denn es wurde ein neuer Fünf-Jahres-Vertrag mit der Dorna abgeschlossen, der Termin ist der 19. bis 21. August. Am Wochenende davor findet der GP von Österreich auf dem Red Bull Ring statt. Dort waren die meisten Tickets nach dem 6. November innerhalb von fünf Tagen ausverkauft.

Als neuer Promoter des Brünn-GP soll nächstes Jahr eine neue Firma namens «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» auftreten. Das neue Unternehmen heisst: «Der Verband für den Grand Prix von Tschechien in Brünn».

Diese Firma ist am 8. Oktober 2015 als politisches Bündnis gegründet worden. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem Landeshauptmann der Region Südmähren, Michal Hasek, dem Bürgermeister von Brünn, Petr Vokral, und der Direktorin für Tourismus in der Region Südmähren, Zuzana Vojtova.

So weit, so gut.

Aber als sportlicher Ausrichter des Grand Prix soll nach wie vor die Mannschaft des Automotodrom Brünn (abgekürzt: AMD) auftreten.
Auf der AMD-Website steht aber bisher kein Wort zum Rennen 2016, es gibt nur Informationen zum Grand Prix 2015, als AMD-Chef Karel Abraham senior als Veranstalter tätig war und den Kartenverkauf abwickelte.

Bisher wird also für den Brünn-GP 2016 kein Kartenvorverkauf abgewickelt.

In den letzten Jahren fanden im Dezember immer Weihnachts-Aktionen statt, es gab um diese Zeit ermässigte Ticketpreise.

Und jetzt? Fehlanzeige? Keine Tickets, keine Preise, kein Hinweis auf den nächstjährigen Grand Prix. Auf dem AMD-Kalender 2016 wird der Grand Prix mit keiner Silbe erwähnt.

Klar: Der neue GP-Promoter «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» hat zwar jetzt einen Vertrag mit der Dorna, aber keine Rennstrecke, keine Manpower und kein Knowhow für den Kartenverkauf, keine Website, keine Partner, die Firma «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» ist ein Zusammenschluss politischer Figuren.

Deshalb hatte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta im Frühjahr 2015 noch gesagt: «Ich kann keinen GP-Vertrag mit Landeshauptmann Hasek machen; die Politiker haben keine Rennstrecke.»

Von «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» existiert keine Website, also können potenzielle Brünn-GP-Besucher momentan keine Tickets kaufen oder buchen.

Geht das Theater um den tschechischen Grand Prix jetzt von Neuem los? Was den WM-Lauf 2015 betrifft, dauerte es bis Ende Juni, ehe wirklich ein Vertrag zustandekam.

Die Geduld der Dorna wurde in Brünn schon 2015 lange strapaziert. Für die Grand Prix in Brünn sollen bei der Dorna noch ca. 110 Milionen Kronen Schulden aus Jahren 2014 und 2015 als Einschreibegebühr offen sein, das wird von beiden Seiten (also AMD und Hasek) bestätigt. Es geht immerhin um ca. 4,5 Millionen Euro.

Wer wird der Dorna diese Summe bezahlen? Landeshauptmann Hasek sieht dazu keine Veranlassung, Abraham oder seine Firma AMD sehen sich dazu nicht imstande. Abraham beteuert, mit dem WM-Lauf nie Gewinne erzielt zu haben.

«Spolek pro Grand Prix ČR Brno» hat sich verpflichtet, für 2016 eine Austragungsgebühr von rund 3 Millionen Euro zu bezahlen. Für den Grand Prix 2015 hat die Dorna 70 Millionen CZK verlangt, also rund 2,69 Millionen Euro.

Auf der offiziellen Website von Landeshauptmann Michal Hasek ist nachzulesen, dass die Region Südmähren am 30. Oktober 2015 vom Landesgerichthof ein Schreiben bekommen habe, wonach «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» offiziell als Brünn-GP-Veranstalter von 2016 bis 2020 anerkannt worden ist. Hasek hat dieses Schreiben an die Firma «Dorna Sports» weitergeleitet und auch an die tschechische Regierung in Prag.

Seitdem ist wieder ein Monat vergangen, und viele Fans möchten sich längst Brünn-GP-Tickets unter den Weihnachtsbaum legen.
Aber «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» nimmt die stille Adventszeit ein bisschen zu wörtlich.

Fakt ist: Die beteiligten Politiker betonen bei jeder Gelegenheit, sie würden der Dorna die Schulden in der Höhe von 4,5 Millionen Euro nicht bezahlen.

Also bleibt diese Schuldenlast bei Karel Abraham hängen, dem Betreiber des Masaryk Rings und langjährigen Dorna-Vertragspartners.

Tatsache ist aber auch: Ohne AMD und ohne Rennstreckenbetreiber Abraham kann «Spolek pro Grand Prix ČR Brno» keinen WM-Lauf durchführen, denn auch die Grundstücke rund um die GP-Rennstrecke gehören Abraham senior.

Es geht also nur mit Hilfe eines Joint Ventures wie auf dem Sachsenring, wo der ADAC Sachsen als Sportlicher Ausrichter mit GP-Promoter Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (sie trägt das finanzielle Risiko) zu klar festgelegten Bedingungen gegen eine gewisse Gebühr zusammenarbeitet. Das klappt, wenn auch nicht immer konfliktfrei.

Die Geduld von Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta wurde bereits 2015 arg strapaziert. «Dieses Problem müssen die Tschechen untereinander lösen», sagte der Spanier damals.

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