Aleix Espargaró (Suzuki): Flügel, Reifen, Kompromisse

Von Jordi Gutiérrez
Suzuki-Werkspilot Aleix Espargaró hat wieder seinen Tritt gefunden. Er wünscht sich Verbesserungen bei Michelin, anerkennt aber die Arbeit der Franzosen, die seit November geleistet wurde.

Aleix Espargaró gehörte am Sonntag beim GP von Spanien in Jerez zu jenen fünf Piloten, die vergebens Jagd auf Sieger Valentino Rossi machten. Zeitweise lagen sogar sechs Spanier hinter dem Yamaha-Werksfahrer, doch Pol Espargaró wurde im Finish von von Iannone übertrumpft und auf Platz 8 verwiesen.

Trotzdem hat sich Suzuki Ecstar-Pilot Aleix Espargaró nichts vorzuwerfen. Er liegt in der WM-Tabelle an siebter Stelle vor den vier-Ducati-Piloten Barbera, Laverty, Iannone, Dovizioso sowie Smith.

Beim Montag-Test in Jerez kam Aleix auf eine Zeit von 1:39,682 min; damit war er rund 0,1 sec langsamer als im Qualifying, das ihn auf Platz 6 befördert hatte.

Aleix zeigte sich in bester Laune. «Wir haben bereits das 2017er-Bike getestet, und es war viel besser», grinste er den verblüfften Journalisten beim Media-Debrief ins Gesicht.

«Nein, Spass beiseite», freute er sich dann über seinen gelungenen Scherz. «Wir haben die Winglets noch einmal probiert, die wir schon am Freitag im freien Training montiert hatten. Aber die Suzuki-Ingenieure wollten mit dem Einsatz noch warten, sie machten sich etwas Sorgen. Sie waren zu neu... Im Zeitplan der Japaner war vorgesehen, dass wir sie am Montag noch einmal in Ruhe bewerten. Die Flügel machen keinen grossen Unterschied aus, aber sie machen das Bike ein bisschen stabiler. Wir werden sie also weiter verwenden. Ob sie in Le Mans sehr hilfreich sein werden, weiss ich nicht, eher in Mugello und Barcelona mit den langen Geraden.»

«Mein Hauptziel war es, am Montag Long-runs zu fahren, weil wir das Motorrad für die letzten acht, neun Rennrunden verbessern müssen», schilderte Aleix. «Wir haben am Montag 75 Runden gedreht und haben nur drei frische Hinterreifen verwendet. Wir haben also mit jedem Reifen 25 Runden zurückgelegt. Trotzdem ist es uns gelungen, die Zeit für die Race-Pace zu verbessern. Ich konnte 25 Runden mit hohen 1:40er-Zeiten abspulen. Im Rennen am Sonntag konnte ich keine Power mehr abrufen, die Traction-Control hat mich arg beschnitten. Es war verrückt. Für die Elektronik-Ingenieure ist die Aufgabe nicht einfach. Wenn sie nicht genug Power reduzieren, kann der Reifen sehr früh zerstört werden. Es ist sehr schwierig, da den richtigen Kompromiss zu finden. Aber beim Montag-Test haben wir uns da stark verbessert. Das freut mich.»

«Wir können in den schnellen Kurven noch Verbesserungen beim Set-up der Traction Control finden. Da geht es um den besten Ausgleich zwischen Traktion und möglichst viel Power... Unser grösstes Problem besteht weiter: Wenn wir in den engen Kurven das Gas aufdrehen, dreht das Hinterrad zu stark durch. Da haben wir nicht genug Grip. Ich habe im Rennen gesehen, wie viel wir beim Rausfahren aus den langsamen Kurven gegen die Honda, Yamaha und Ducati verlieren. Das ist keine Frage der Motorleistung, denn die Power ist vorhanden. Aber wir können sie nicht nützen. Da müssen wir uns verbessern; das sollte mit Hilfe dieser ECU machbar sein.»

Aleix Espargaró probierte drei neue Michelin-Vorderreifen. «Der neue 35er, der ein Mittelding sein soll, hat mir nicht gefallen, er brachte leichte Vibrationen, ausserdem liegt er zu nahe beim 36er, er ist zu weich. Die andern zwei sind dem 34K sehr ähnlich. Das ist der Reifen, den die Top-8-Fahrer in Jerez im Rennen verwendet haben. Wir müssen uns auf den 34er konzentrieren. Für mich ist der 34K momentan der beste Vorderreifen, den wir von Michelin bisher gehabt haben.»

«Le Mans wird keine einfache Strecke für uns. Ich hoffe, Michelin kann für das nächste Rennen weitere neue 34er-Mischungen liefern», sagt Aleix. «Aber es ist immer noch schwierig, bei Michelin das Limit des Vorderreifens zu verstehen und zu fühlen. Ich weiss, wovon ich rede. Ich bin in diesem Jahr schon zwölfmal über das Vorderrad gestürzt... Der Vorderreifen ist inzwischen nicht mehr so übel, besonders wenn wir an Valencia im November 2015 denken. Damals sind an zwei Tagen 23 Stürze passiert. Das ist vor fünf Monaten gewesen. Natürlich ist der Vorderreifen von Michelin nicht mit jenen Vorderreifen vergleichbar, die wir 2015 hatten. Aber wir können hart bremsen, wir fahren konkurrenzfähige Zeiten. Im Qualifying war Rossi genau so schnell wie Lorenzo vor einem Jahr. Das kann sich sehen lassen. Und es werden immer weitere Fortschritte gemacht.»

Die MotoGP-Testergebnisse in Jerez, Montag, 25. April

1. Marc Márquez, Honda, 1:39,313
2. Jorge Lorenzo, Yamaha, 1:39,332
3. Maverick Vinales, Suzuki, 1:39,536
4. Valentino Rossi, Yamaha, 1:39,632
5. Dani Pedrosa, Honda, 1:39,646
6. Aleix Espargaró, Suzuki, 1:39,682
7. Cal Crutchlow, Honda, 1:39,812
8. Andrea Iannone, Ducati, 1:39,879
9. Pol Espargaró, Yamaha, 1:39,942
10. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:40,027
11. Bradley Smith, Yamaha, 1:40,335
12. Yonny Hernandez, Ducati, 1:40,351
13. Stefan Bradl, Aprilia, 1:40,674
14. Jack Miller, Honda, 1:40,681
15. Scott Redding, Ducati, 1:40,844
16. Tito Rabat, Honda, 1:40,919
17. Alvaró Bautista, Aprilia, 1:40,960
18. Michele Pirro, Ducati, 1:41,442
19. Eugene Laverty, Ducati, 1:41,462

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