Sieger Jack Miller: Er ist kein Nasenbohrer mehr

Von Günther Wiesinger
Jack Miller und Marc Márquez auf dem Podest

Jack Miller und Marc Márquez auf dem Podest

Jack Miller und Honda mussten eineinhalb Jahre lang viel Kritik einstecken. Doch der Weitsprung von der Moto3 in die MotoGP macht sich nach vielen Rückschlägen bezahlt.

Jack Miller packte auf der Marc VDS-Honda RC213V die Gelegenheit beim Schopf und schnappte sich bei seinem 80. Grand Prix den ersten MotoGP-Sieg, bei seinem 25. MotoGP-Start den ersten Triumph in der Königsklasse. Noch dazu nach einem verhexten Saisonstart mit Verletzungen, Stürzen und zahlreichen Rückschlägen.

Das war der erste MotoGP-Sieg eines Kundenteams seit Gresini-Honda 2006 in Portugal mit Toni Elias. Und es war der erste Honda-Doppelsieg in der «premier class» seit dem Sachsenring 2015.

Es tat gut, endlich wieder einmal ein neues Gesicht auf dem Podest zu sehen. Und es ist erstaunlich, wie der 21-jährige Australier diese schwierigen Bedingungen meisterte, mit zwei Rennen, mit unfassbaren Regenmengen, Acquaplaning und so weiter.

«Ich wäre schon zufrieden gewesen mit Platz 9 nach dem ersten Lauf. Man hätte das zweite Rennen meinetwegen sogar absagen können», strahlte JackAss. «Ich habe ja vor der Wochen meinen ersten zehnten Platz errungen, also wäre das bereits wieder eine kleine Steigerung gewesen. «Nein, Spass beiseite. Ich nahm mir vor, im Rennen nach dem Neustart so gelassen und ruhig wie möglich zu bleiben. Man weiss ja, dass ich manchmal ein bisschen hitzköpfig werden kann... Wir haben hinten einen weichen Regenreifen reingesteckt und noch ein paar Anpassungen für das Regen-Set-up gemacht. Wir haben ja in diesem Jahr bisher nicht viele Regen-Erfahrungen sammeln können. Wir liessen den Vorderreifen nach den ersten 14 Runden drin, denn er befand sich wirklich noch in einem guten Zustand. Ich hatte ein grossartiges Feeling. Der Start war okay, dann drängte ich nach vorne, ich fand einen Weg vorbei an Petrucci, dann lag ich hinter Marc.»

Miller weiter: «Als ich Vale im Kiesbett rumkugeln sah, habe ich gemerkt, dass Marc ein bisschen Gas weggenommen hat. Man konnte sehen, dass er mit seiner Situation zufrieden und happy war. Sicher, er führte ja das Rennen an... Als ich ihn dann überholte, habe ich mich bemüht, möglichst ähnliche Rundenzeiten zu fahren wir vorher. Ich bin mein eigenes Rennen gefahren. Irgendwann wurde mir bewusst, dass Marc kein Risiko eingehen wollte. Wer will ihm das zum Vorwurf machen? Wenn ich an seiner Stelle von einem Jack Miller überholt worden wäre, hätte ich mir auch gedacht: 'Dieser Dickkopf wird sowieso in den nächsten zwei Minuten runterfallen.' Das verstehe ich völlig. Er war mit Platz 2 happy.»

«In den letzten Runden bin ich einfach auf Platzhalten gefahren, ich habe mich bemüht, unter 1:50 min zu bleiben. Und ich wusste, ich muss die Kiste heil über die Ziellinie bringen.»

Miller rückte auf den 134. WM-Rang vor. «Ob dieses Ergebnis jetzt die Saison für mich auf den Kopf stellt und ob das der Turnaround ist, das will ich jetzt nicht beurteilen. Wir haben dieses Wochenende auf den Kopf gestellt, das kann ich bejahen. Es ist grossartig, diesen Sieg in der Tasche zu haben. Aber wir kennen alle die Realität. Ich bin immer noch in der Lernphase in der MotoGP. Es war nicht einfach, von der Moto3 gleich auf die MotoGP-Maschine zu springen. Das war ein grosser Schritt. Aber jetzt zeigt sich, dass ich weiss, wie man Motorrad fährt und dass ich kein Idiot bin. Und ich bin froh, dass Honda jetzt für den Mut entschädigt wurde, auf mich gesetzt zu haben. Ich kann ihnen jetzt endlich etwas für ihr Vertrauen zurückgeben. Honda hat ein grosses Gamble gewagt, sie sind ein riesiges Risiko eingegangen, als sie mir für 2015 als Rookie aus der Moto3 einen HRC-Vertrag gegeben haben. Honda wurde stark kritisiert, ich wurde auch stark kritisiert. Man sagte, ich sei ein Nasenbohrer...»

«Ich möchte mich auch bei meiner Familie bedanken, die vor sechs Jahren von Australien nach Europa gekommen ist, um mir zu helfen, meinen GP-Traum zu verwirklichen. Das war auch für meine Eltern ein riesiges Gamble... Jetzt hat sich das gelohnt. Das ist ein erstaunliches Gefühl. Ich kann das im ersten Moment gar nicht beschreiben.»

Wie wird es jetzt in Jacks australischer Heimatstadt Townsville aussehen? Miller: «Ich weiss es nicht. ich bin rund 16.000 km entfernt. Dort ist es jetzt 4 Uh früh. Meine Eltern haben das Rennen vielleicht verschlafen. Nein, ich denke, sie sind wach geblieben... Inzwischen werden sie vielleicht schon 40 Flaschen Bier gekippt haben. Sie werden eine grossartige Zeit haben.»

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