Héctor Barbera: «Die 2. Hälfte könnte besser werden»

Von Isabella Wiesinger
MotoGP
Der spanische Avintia-Ducati-Pilot Héctor Barbera liegt vor den Werkspiloten Iannone und Dovizioso auf dem siebten WM-Rang. Und er will sich noch steigern!

Die Sommerpause der MotoGP-Weltmeisterschaft neigt sich dem Ende zu. Eine Woche vor dem Start der zweiten Saisonhälfte 2016 sprachen wir mit Héctor Barbera. Wir haben mit dem 29-jährigen Routinier die ersten neun Rennen analysiert und versucht herauszufiltern, was er sich von den nächsten neun Rennen erwartet.

Der Avintia-Ducati-Fahrer liegt momentan in der Gesamtwertung auf dem siebten Platz und ist zusammen mit dem WM-Leader Marc Márquez der einzige Fahrer, der in dieser MotoGP-Saison in jedem Rennen in die Punkte gefahren ist.

Seine bemerkenswerte Konstanz und Highlights wie beim letzten Grand Prix in Deutschland, wo er vom zweiten Startplatz wegfuhr und gegen die Topfahrer der Königsklasse kämpfte, haben Barbera dazu verholfen, dass er in der WM-Tabelle vor die Ducati-Werksfahrer gerückt ist.

Das Ziel des Avintia-Racing-Fahrers ist es, am Ende des Jahres der beste Fahrer aller Satellitenteams zu sein. Barbera ist bereit, für dieses Ziel zu kämpfen.

Héctor, wir sind in der Hälfte der Saison. Bisher lief für dich alles sehr gut. Wie schaust du auf die ersten neun Rennen zurück?

Wir waren sehr konstant und diese Beständigkeit war bisher der Schlüssel zum Erfolg. Aber obwohl wir in der Gesamtwertung Siebter sind, was sehr gut ist, haben wir noch nicht das Beste aus unserem Möglichkeiten geholt.
In den Rennen, in denen es uns möglich war – egal ob wir einen Motorradwechsel hatten, im Regen fuhren, oder egal unter welchen Umständen wir gefahren sind – haben wir unsere Konstanz bewahrt. Aber wir haben keine aussergewöhnlichen Ergebnisse erzielt. Wir waren im Training ganz gut und auch in den Rennen, aber halt nicht sehr gut.
Das ist die erste Hälfte der Saison – ganz kurz zusammengefasst. Die Beständigkeit hat uns eine gute Position in der Gesamtwertung eingebracht, aber wir haben in den Rennen nie gestrahlt. Wir sind stark in die Saison gestartet und haben uns dann ein wenig verloren, aber nachher sind wir wieder auf die richtige Spur zurückgekommen.
Ich glaube, dass die zweite Hälfte der Saison sogar noch besser wird.

Abgesehen von den technischen Regeln, die die Unterschiede zwischen den Bikes ein bisschen ausgeglichen haben, haben wir bei dir als Fahrer ebenfalls eine Veränderung bemerkt. Wann hast du dein Potenzial erkannt, dass du so nahe bei der Spitze mithalten kannst?

In der Vorsaison. Der Motorsport ist nun ausgeglichener und das gibt Fahrern wie mir, die früher nie konkurrenzfähige Motorräder hatten, die Chance, näher bei der Spitze der Königsklasse mitzukämpfen. Das ist eine grosse Motivation. Du bereitest dich besser vor und änderst deine Einstellung, weil du siehst, wie sich Möglichkeiten öffnen; du willst sie zu deinem Vorteil nützen.
Als wir letztes Jahr begonnen haben, wussten wir, dass wir gut sein können, aber wir wussten auch, dass wir zwölf offizielle Bikes vor uns hatten und es fast unmöglich sein würde, ein höheres Ziel erreichen, als die Open Class zu gewinnen.
Dieses Jahr haben wir immer noch einige offizielle Bikes vor uns, aber es gibt durch die Einheits-ECU mehr Ähnlichkeiten mit den Satelliten-Bikes; unser Equipment ist dem der Werksmaschinen ähnlicher.

Dein Fahrstil hat sich verändert. Früher bist du in den Kurven nicht so stark aus dem Sattel gerutscht. Jetzt schürfst du mit deinen Ellbogen über den Asphalt. Ist das etwas, was dieses Jahr neu ist?

Natürlich muss man sich anpassen. Ich hatte früher einen Fahrstil, der besser zu den Zweitaktern gepasst hat, wenn das Motorrad lange umgelegt war. Dieses Jahr habe ich tatsächlich versucht, das zu ändern. Ich weiss nicht, ob dieser Fahrstil effizienter ist oder nicht, aber die übrigen Fahrer machen das so; deshalb arbeiten wir daran. Wenn du etwas natürlich machst, ist es schwierig, das zu ändern, aber es wird jeden Tag einfacher.

Hast du jemals von einem siebten Platz in der WM geträumt, vor den offiziellen Ducati und anderen Werksmaschinen, mit einer Desmosedici von 2014?

Wenn du das Budget vergleichst, die Anzahl an Technikern und all die anderen Ressourcen unseres Teams mit einer Werksmannschaft, gibt es enorme Unterschiede.
Mit dem Motorrad und den Mitteln, die wir haben, war es deshalb eine undenkbare Vorstellung, in der WM an siebter Stelle zu sein. Aber wir haben es geschafft und leisten gute Arbeit. Es war nie ein Ziel von uns.
Obwohl wir sehr stark in die Vorsaison gestartet sind, wussten wir, dass die Werksmotorräder in den Rennen besser sein werden würden und das alles schwieriger machen würde. Sie haben sich auch verbessert, aber wir haben es geschafft, mitzuhalten.
Im letzten Rennen in Sachsen sind wir vom zweiten Platz gestartet. In Rennen, in denen das Motorrad sich nicht ein so grossen Unterschied aufmacht, wo es viele Kurven und viele Richtungswechsel gibt, können wir sehr gut abschneiden. Das haben wir in Deutschland gezeigt. Das ist eine Strecke mit solchen Charakteristiken. Ich glaube auch, dass wir in Österreich wieder ganz weit vorne mitkämpfen können.

In der Vorsaison hast du gesagt, dass es dein Ziel ist, in allen Rennen in die Top-10 zu kommen. Du hast dieses Ziel fast überall erreicht.

Das Ziel ist alles zwischen dem fünften und zehnten Platz. Wenn alles gut läuft, ist ein fünfter Platz erreichbar. Wenn es nicht so gut läuft, werden wir Zwölfter. Dann regen wir uns alle auf. Aber bisher sind wir in fast allen Rennen in den Top 10.
Und am Wichtigsten: Wir haben in jedem Rennen Punkte gesammelt. Es gibt auch immer noch Situationen, in denen das Ergebnis nicht von dir als Fahrer abhängt. Das ist uns in Barcelona passiert. Nachdem wir im Quali Vierter waren, hatten im Rennen  alle massive Probleme mit den Reifen. Wir konnten nicht so fahren, wie wir es das ganze Wochenende gemacht hatten.
Aber diese Dinge passieren halt, das ist der Rennsport.
In Assen lagen wir im ersten Rennen weit hinten, weil wir uns für die falschen Reifen entschieden hatten. Dann haben wir beim Re-start alles geändert und sind im zweiten Rennen Sechster geworden. Jetzt müssen wir schlau bleiben und aus jeder Möglichkeit das Beste machen. Sonst ist es unmöglich, mit unserem Bike auf diesem Level zu sein.

Etwas anderes, das du im Winter gesagt hast: Jedes Resultat, das besser wäre als ein fünfter Platz, wäre ein riesiger Gewinn, quaisi ein Sonderpreis. Sind dir ein paar dieser Preise durch die Finger gerutscht?

Ja, in Deutschland wegen des Motorradwechsels. Wir haben den Stopp nicht zum idealen Zeitpunkt gemacht. Aber wenn ein paar Regentropfen mehr gefallen wären, wer weiss, was dann passiert wäre...
Ich hatte Valentino und Dovizioso vor mir, zwei Werksfahrer mit viel Erfahrung. Niemand dachte, dass wir nach dem Motorradwechsel auf dem neunten Platz landen würden, nachdem wir an zweiter Stelle vor Valentino gefahren sind. Aber in solchen Rennen hängt alles von der Strategie ab. In diesem Fall war ich mir sicher, dass es die richtige Entscheidung war, mit den beiden mitzuhalten. Wir haben dabei etwas für die Zukunft gelernt.
Im Motorradrennsport hört man immer dieselben Worte: «Wenn doch nur...» Oder: «Wenn es nicht geregnet hätte.» Oder: «Wenn er ein paar Runden vorher reingekommen wäre.»
Aber diese faulen Ausreden sind sinnlos für uns. Was zählt: Wir haben viel erreicht, einen fünften und einen sechsten Platz in den Rennen und einen zweiten und vierten Platz in der Startaufstellung. Und all das mit einem Motorrad von 2014, zwischen all den offiziellen Werksmotorrädern und den neuen, besser entwickelten Satelliten-Maschinen.
Mein Team hat nie versagt, sie geben immer 200 Prozent. So haben wir die ersten neun Rennen erfolgreich gemeistert.
Das gibt uns Extra-Motivation für die neun Rennen, die noch vor uns liegen. Vor allem, da die Rennstrecken, die noch kommen, uns besser liegen sollten.

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