Die Magie der Tourist Trophy

Kolumne von Michael Scott
MotoGP 800 ccm
Prominente Zaungäste: Rossi und Agostini

Prominente Zaungäste: Rossi und Agostini

Valentino Rossi reiste nach seiner Stippvisite bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man beeindruckt zum Katalonien-Grand-Prix.

Was für ein Rennen! Ich sass wie angewurzelt und mit angehaltenem Atem vor dem Fernseher. Und es lief nicht einmal ein Grand Prix.

Ich schaute mir die Tourist Trophy auf der Isle of Man an. Beim Supersport-Lauf kämpften drei, manchmal vier Piloten nebeneinander an der Spitze, Meile um Meile überholten sie einander immer wieder.

Die Tourist Trophy ist bekanntermassen schwer zu filmen. ITV ist es in diesem Jahr gut gelungen. Mit einer Kombination von Helikopter-, On-Board- und Strecken-Kameras sowie raffiniert zusammengeschnittenen Bildern gelang es dem Sender, das klassische Rennen lebhaft auf die Leinwand zu bringen. Ich habe seit langem keine Tourist Trophy mehr hautnah miterlebt. Diese Übertragung hat mich daran erinnert, wie haarsträubend ein Rennen auf dieser Strecke ist. Es erinnerte mich aber auch daran, dass diese verrückten Rennen auf offener Strasse den Ursprung des GP-Sports darstellen. Welch langen Weg wir schon zurückgelegt haben!

Das dachte sich Valentino Rossi am Vorabend des Katalonien-GP zweifellos auch. Die kraftvolle Magie der Tourist Trophy hat ihn umgehauen. Er kehrte nach einer Runde hinter Agostini und einigen Renn-Szenen in Grossaufnahme taumelnd von seiner Stippvisite auf der Isle of Man zurück.

Das GP-Wochenende fand im Zweikampf von Rossi und Jorge Lorenzo in der letzten Runde seinen grossartigen Höhepunkt. Auch hier wurde Motorradsport vom Feinsten gezeigt. Während die beiden Yamaha-Piloten Rad an Rad kämpften, kam keiner auch nur einen Fuss breit von der Strecke ab. Sie hätten genauso gut zwischen Steinmauern, Bushaltestellen und Drahtzäunen an Stelle von Kiesbetten und Auslaufzonen fahren können. In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren hätten sie das auch müssen. Und diesmal wären sie glimpflich davongekommen.

Zwei Fahrer stürzten in Katalonien: Toni Elias und Yuki Takahashi. Auf der Isle of Man hätte mindestens einer von ihnen nicht überlebt. Bestimmt hätte auch Pedrosas Abflug beim Training einen anderen Ausgang genommen, hätte dort eine harte Steinmauer statt Air-Fences gestanden.

Allerdings wäre Pedrosa in diesem Fall auch anders unterwegs gewesen. Muss man einen Sicherheits-Spielraum einbauen, fährt man ganz anders. Den schlimmsten Unfall hatte in Katalonien der 125-ccm-Pilot Danny Webb. Er verlor einen Fingernagel, was schlimm genug ist.

Auf der Isle of Man gab es nur (nur!) einen tödlichen Unfall: Ein fast 60-jähriger Amateur verunglückte bei der Senior-Tourist-Trophy. Manx-Fahrer John Crellin war ein erfahrener Wettkämpfer auf dem sprichwörtlichen Mount Everest des Motorrad-Sports. Ironischerweise war er eben erst von einer Expedition auf den echten Mount Everest zurückgekehrt.

Ist der GP-Sport nun, da die Risiken geringer wurden, besser? Vielleicht nicht. Er ist selten so aufregend wie die TT. Aber es ist sicherlich besser, dass die Fahrer nun nicht mehr etliche Beerdigungen pro Jahr ertragen müssen.

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