Politisches Säbelrasseln

Kolumne von Harald Englert
Motocross-WM MXGP
Cairoli in Brasilien: Vorerst bleiben Übersee-GP eine Seltenheit

Cairoli in Brasilien: Vorerst bleiben Übersee-GP eine Seltenheit

Wer sich den 2011er-Kalender der MX1/MX2-Weltmeisterschaft anschaut, wird sich verdutzt die Augen reiben.

Die Änderungen zum diesjährigen Plan sind marginal. War da nicht irgendwann die Rede von mindestens vier Übersee-GP? Von einem Saisonstart Mitte Mai?

Ja, Ihre Erinnerung täuscht Sie nicht – da war tatsächlich etwas. Mitte Juni wurde ein vorläufiger Kalender vorgestellt – mit einem Saisonstart am 15. Mai in Australien, zwei Rennen in den USA und einem weiteren Übersee-GP in Brasilien. Damals war zu hören, dass die Motocross-WM weiter internationalisiert werden muss, dass man interessierten Piloten einen Start in der MX-WM und in der Supercross-WM ermöglichen muss. Es ging um nicht weniger als die Sonderstellung der USA in der MX-Welt aufzubrechen.

Dieser Versuch ist fürs Erste gescheitert. Der anvisierte Start Mitte Mai und die zwei Rennen in den USA – ein politisches Manöver, um die Lage zu sondieren.
Die europäischen Teams waren wenig begeistert, die amerikanischen zeigten ebenfalls kaum Interesse, ihre Fahrer in die WM statt in die nationale Outdoor-Meisterschaft zu schicken. Mit dem CLS/Pro Circuit-Kawasaki-Team entstand jedoch die erste Keimzelle einer neuen Zeit, in der weltweit agiert wird.

Die Idee der vier Übersee-Rennen wurde bereits bei einem Meeting zwischen den WM-Teams und Youthstream/FIM Anfang August in Lommel einkassiert. «Das ging den Teams zu schnell», erklärte CMS-Präsident Wolfgang Srb. «Wir haben uns aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation darauf verständigt, 2012 drei und 2014 vier Übersee-Rennen zu fahren. Und auch diesen Plan mit allen Beteiligten zusammen jährlich auf den Prüfstand zu stellen.»

Der späte Saisonstart wurde ebenfalls ad acta gelegt. «Es hätte keinen Sinn gemacht, die komplette WM sechs Wochen nach hinten zu verschieben», so Srb. «Die Anzahl der wirklich interessierten Fahrer war zu gering. Aber der Kalender ist so gestaltet, dass unsere jungen Talente an der Westküsten-Serie der SX-Lites-WM starten können.»

Das ist richtig, allerdings liegen die letzten beiden Rennen am 16. April in Seattle und am 30. April in Salt Lake City bereits auf freien Wochenenden der MX2-WM. Die Reisestrapazen für die Doppelstarter werden enorm sein.

An dieser Stelle liesse sich leicht der grosse Hammer auspacken und auf Youthstream und die FIM eindreschen. Doch so einfach ist es nicht. Für die Globalisierung der MX1/MX2-WM fehlt das Geld, eine Terminverschiebung nach hinten bringt nicht nur Wetter-Risiken in Europa mit sich. Bliebe noch die Möglichkeit, die SX-WM einige Wochen nach vorne zu verlagern. Doch das Pflichtgefühl der US-Veranstalter gegenüber der FIM ist eher theoretischer Natur.

Die Vision SX- und MX-WM so zu gestalten, dass die besten Piloten der Welt in beiden Serien starten können – und wollen – ist ein kühner Traum. Der Verwirklichung stehen jedoch noch viele Hürden und massive wirtschaftliche Interessen im Weg. So bleibt der Mitte 2010 angekündigte WM-Kalender vorerst ein politisches Säbelrasseln. Schade drum.
 

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