Pirelli in Erklärungsnot: Reihenweise Reifenschäden

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Bei der Superbike-WM in Misano verloren Michael van der Mark (Yamaha) und Jordi Torres (BMW) ihren Podestplätze wegen eines Reifenschadens. In Donington Park hat es Weltmeister Jonathan Rea (Kawasaki) erwischt.

Der Sturz von Jonathan Rea in Donington Park war spektakulär. «Es war beängstigend. Das war, als hätte ein Heckenschütze auf mich geschossen, es gab keine Vorwarnung, nichts», erzählte der Weltmeister nach seinem Crash Ende Mai. «Es fühlte sich an, als wäre der Reifen von der Felge gesprungen oder explodiert.»

Trotz eingehender Untersuchungen fand Pirelli nie heraus, weshalb es zu dem Reifenschaden kam. «Wir können bestätigen, dass der Hinterreifen von Rea einen Schnitt hat», erfuhr SPEEDWEEK.com von Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier. «Wir schauten uns auch alle anderen Reifen aus Rennen 1 in Donington an, konnten aber nichts Spezielles feststellen.»

In Misano kam es bei Asphalttemperaturen jenseits von 50 Grad Celsius zum neuerlichen Eklat. Die Hitze kann aber nicht der Grund gewesen sein, in Thailand war es noch wärmer.

Im ersten Rennen am Samstag sprang an Michael van der Marks Yamaha der Reifen von der Hinterradfelge, der in Führung liegende Mann aus Gouda stürzte. Es wäre womöglich der erste Superbike-Sieg für den Niederländer und auch der erste für die neue R1 geworden.

Am Sonntag erwischte es im zweiten Lauf Jordi Torres. Der Spanier lag auf dem zweiten Rang und hätte für BMW wohl den ersten Podestplatz seit Oktober 2013 erobert!

Für beide Fahrer und Hersteller ein Tiefschlag, den sie nicht akzeptieren können, ohne Konsequenzen zu fordern. «Pirelli muss am Hinterreifen etwas ändern», verlangt Torres.

«Wir werden tiefgründig, umfänglich und so schnell wie möglich analysieren, wie es zu diesem Vorfall kam», versprach der Pirelli-Rennchef. «In unserem Labor in Mailand wird bereits daran gearbeitet. Ob der Komplexität der Analyse, wird es einige Tage dauern. Für die kommenden Rennen in Laguna Seca werden wir Reifen bringen, die bereits erfolgreich in der Vergangenheit eingesetzt wurde.»

Torres und van der Mark waren nicht die einzigen Fahrer in Misano, die über Probleme klagten. Einige Hinterräder wiesen einen derartigen Höhenschlag auf, dass die Maschinen beinahe unfahrbar wurden. FIM-Technik-Chef Scott Smart drehte im Parc fermé sogar Videos von drehenden Hinterrädern aufgebockter Bikes, um das Desaster festzuhalten.

Die Pirelli-Techniker sind wegen der zahlreichen Probleme auf verschiedenen Strecken, bei unterschiedlichen Bedingungen und mit verschiedenen Fahrern ratlos.

Bislang haben sie nur eine Theorie, die als Erklärung herhalten muss. Damit weniger Wuchtgewichte an den Reifen nötig sind, hat Pirelli dafür gesorgt, dass die Reifen satter auf der Felge sitzen und sich weniger auf dieser bewegen. Dadurch wird die Gefahr von Vibrationen verringert. Weil sich der Reifen weniger auf der Felge bewegt, vermutet Pirelli, dass er dadurch härter beansprucht wird – bis er sein Leben aushaucht.

Nachdem der Alleinausrüster in den letzten Jahren für eine beachtliche, gleichbleibende Qualität bei den Reifen gesorgt hat, gibt es nun Vermutungen, dass Pirelli am Limit angelangt ist.

Auch auf Druck der Motorradhersteller, die mit neuen Modellen nach immer schnelleren Rundenzeiten lechzen.

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