Jake Gagne: Ist er der Mann für Red Bull Honda 2018?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
«Ich würde zu gerne Superbike-WM fahren», sagt Jake Gagne

«Ich würde zu gerne Superbike-WM fahren», sagt Jake Gagne

Noch immer hat Red Bull Honda keinen zweiten Fahrer für die Superbike-WM 2018 neben Leon Camier verpflichtet. Das Band zwischen Honda Motor Europe und Stefan Bradl scheint zerrissen.

Seit Juni hat Stefan Bradl auf ein Angebot von Honda gewartet, Ende Oktober erhielt er es. Doch der Bayer bevorzugt offenbar die Möglichkeit, 2018 sein Geld als MotoGP-Testfahrer zu verdienen – bei Honda.

Leon Camier wurde am 12. Oktober als neuer Pilot für nächste Saison verkündet. Bei Honda ist zu hören, dass es nun hauptsächlich an Hauptsponsor Red Bull liege, wer zweiter Fahrer wird.

Red Bull ist in keiner beneidenswerten Situation. Für die Saison 2017 wurde dem Energy-Drink-Giganten die neue Fireblade von Honda als Siegmaschine verkauft, mit Nicky Hayden und Stefan Bradl hatte man die zwei bekanntesten und damit werbeträchtigsten Motorrad-Rennfahrer aus den wichtigen Märkten USA und Deutschland unter Vertrag.

Solche Kaliber lassen sich nicht einfach ersetzen, schon gar nicht aus Marketingsicht.

Mit Leon Camier hat Honda für 2018 einen der sicherlich besten aktuellen Superbike-Piloten verpflichtet, übermäßig bekannt ist der Engländer über das SBK-Fahrerlager hinaus aber nicht.

Die besten Chancen für den zweiten Platz rechnen sich Red-Bull-Athlet Jake Gagne aus Kalifornien und der Franzose Loris Baz aus.

Auf Baz trifft Gleiches zu wie auf Camier.

Und Gagne ist selbst für Experten schwer einzuschätzen.

2010 gewann der heute 24-Jährige den Red Bull Rookies-Cup, doch kein Moto3-Team hatte Interesse ihn zu verpflichten. Statt seinen Weg im MotoGP-Paddock zu gehen, kehrte er 2012 in die USA zurück und fährt seither Rennen in der MotoAmerica-Serie.

Red Bull hielt stets an Gagne fest, er war die logische Wahl, als das Red-Bull-Team im Juli für die Rennen in Laguna Seca einen Ersatz für den tödlich verunglückten Nicky Hayden suchte. Gagne steht bei Honda unter Vertrag, er kennt Laguna Seca wie seine Westentasche, hat aber keine Erfahrung mit der ausgefeilten Elektronik eines WM-Superbikes.

Bei seinem Heimrennen im Hinterland von Monterey wurde er zweimal 15., bei seinen weiteren Einsätzen für das Team in Magny-Cours und Doha holte er drei zwölfte Plätze.

Nicht schlecht für einen WM-Debütanten, aber nicht gut genug für ein Team mit den Ansprüchen von Red Bull Honda.

Lag es an der mangelnden Kenntnis des Motorrads und der nicht vorhandenen Vorbereitungszeit, oder an seinem grundsätzlichen Speed, fragen sich jetzt alle.

Leon Camier fuhr auf dem Losail Circuit eine Weile hinter ihm her und hielt fest: «Der Junge ist schneller, als viele Leute meinen.»

SPEEDWEEK.com setzte sich mit Jake Gagne in Doha zum Interview zusammen, der Mann aus San Diego traut sich allerhand zu.

Jake, das Team hat deine Lernkurve gelobt. Wo siehst du selbst dein Potenzial?

Ich habe viel mehr Potenzial, als ich bisher zeigen konnte. Alle Fahrer in der Superbike-WM kennen diese Motorräder, Reifen und Strecken seit Jahren, ich musste alles lernen: Elektronik, Federelemente, Reifen, Strecken. An einem Superbike gibt es so viele Dinge zu verstellen, viel mehr als an dem Motorrad, welches ich gewohnt bin. Und damit du schnell bist, muss alles harmonieren.

Ich versuchte ruhig zu bleiben, keine Fehler zu machen und die Rennen zu Ende zu fahren.

Rechnest du dir für nächste Saison Chancen aus auf den zweiten Platz bei Red Bull Honda?

Ich kann es nicht sagen, wir reden darüber. Ich habe mich auf die Rennen in Katar konzentriert, jetzt können wir uns genau darüber unterhalten. Ich würde zu gerne in der Superbike-WM fahren.

Ich bin ein Red-Bull-Athlet, das ist das Team von Red Bull, Honda war in den USA und in der WM unglaublich gut zu mir. Ich bin Teil der Familie von Red Bull und Honda, dort fühle ich mich wohl.

Für die Weltmeisterschaft ist es wichtig, dass ein Amerikaner dabei ist, damit sich mehr Fans in den USA für sie begeistern. Natürlich kann ich Nicky nicht ersetzen, aber das kann niemand.

Konntest du dir vor einem Jahr vorstellen, dass wir uns jetzt über einen Platz im Team Red Bull Honda für 2018 unterhalten?

Nein, definitiv nicht. Hättest du mich am Anfang des Jahres gefragt, ob ich Mal ein Rennen in der Superbike-WM fahren werde, dann hätte ich dich gefragt, wovon du redest.

Aber jetzt ist es passiert, ich war sogar bei drei Events dabei. Honda in den USA und Europa sowie Red Bull USA und Europa haben mich außerordentlich unterstützt, das fühlt sich wirklich gut an.

Wie gut ist dein Draht zum Management von Red Bull in den USA und in Europa?

Gut. Speziell die Jungs aus den Staaten kenne ich schon lang, seit sieben Jahren. Sie haben mich seither immer unterstützt.

Solltest du die Chance bei Red Bull Honda erhalten: Siedelst du dann nach Europa über oder bleibt dein Lebensmittelpunkt in den USA?

Das entscheide ich, wenn es soweit ist.

Ich bin gerne zuhause. Gut ist zuhause, dass ich dort perfekt mein Training durchziehen kann. Ich fahre die ganze Zeit Motocross, das ist mein Haupttraining. In Südkalifornien gibt es die besten Motocross-Strecken der Welt. Surfen kann man dort auch gut.

Dein großer Schwachpunkt ist, dass du keine Erfahrung hast. Zur Entwicklung des Motorrads kannst du nicht viel beitragen.

Man kann nur Erfahrung sammeln, wenn man die Chance dazu bekommt. Wenn jeder so denken würde, hätte niemand Erfahrung.

Leon Camier wird viel in die Entwicklung einbringen. Ich will dabei sein und Erfahrungen sammeln.

Wieso die langen Haare? Bist du überzeugter Heavy-Metal-Fan?

Als Kind hatte ich immer lange Haare, auch im Rookies-Cup. Im Jahr, nachdem ich ihn gewonnen habe, 2011, fuhr ich in der Spanischen Meisterschaft und wollte professioneller aussehen – also schnitt ich sie ab.

Aber das war nichts. Ich glaube, dass ich auch mit langen Haaren professionell aussehe. Mein Ganzes Wissen und mein Speed stecken in den Haaren, deshalb will ich sie nicht abschneiden.

Und ja, ich höre Rock.

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