Sorgen von Yamaha – Sensationsdeal mit Razgatlioglu?

Kolumne von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Yamaha hat für die Superbike-WM 2020 Optionen auf Michael van der Mark, Alex Lowes und Sandro Cortese. Mit Krummenacher, Caricasulo und Beaubier erhoffen sich drei Eigengewächse eine Chance.

Wer 2020 in den beiden offiziellen Yamaha-Teams von Crescent (Pata) und Giansanti (GRT) fahren wird, entscheidet sich ab dem letzten Juli-Wochenende, wenn in Suzuka das prestigeträchtige Acht-Stunden-Rennen stattfindet. Dort wollen Alex Lowes und Michael van der Mark für Yamaha den fünften Sieg in Folge einfahren.

Drei Tage nach Suzuka laufen Yamahas Optionen auf Lowes, van der Mark und Sandro Cortese aus, dann muss der Hersteller mit den drei Stimmgabeln im Logo den Fahrern für 2020 ein definitives Ja oder Nein sagen.

Durch den Rücktritt von Marco Melandri zum Saisonende wird bei GRT ein Platz frei. Mit den beiden Führenden der Supersport-Weltmeisterschaft, Randy Krummenacher und Federico Caricasulo, sowie dem zweifachen US-Meister Cameron Beaubier, stehen drei Fahrer Schlange, die aufsteigen wollen.

Dem Vernehmen nach sperrt Yamaha sein Werksteam in der US-Serie MotoAmerica nach dieser Saison zu, Beaubier versucht deshalb in der Superbike-Weltmeisterschaft unterzukommen.

Und dann wäre da noch Kawasaki-Jungstar Toprak Razgatlioglu. Der 22-jährige Türke fuhr in seinen ersten eineinhalb Jahren Superbike-WM im privaten Puccetti-Team bereits neunmal aufs Podium und ist aktuell Sechster der Weltmeisterschaft, nur 29 Punkte hinter dem Dritten Lowes.

Yamaha hat großes Interesse an ihm, mit seiner Verpflichtung könnte ein sensationeller Clou gelingen wie nach der Saison 2016, als man Honda van der Mark ausspannte.

«Toprak wird 2020 entweder für das Werksteam von Kawasaki oder Yamaha fahren», teilte dessen Manager Kenan Sofuoglu SPEEDWEEK.com mit.

Alles deutet darauf hin, dass das Werksteam Pata Yamaha mit van der Mark (26) weitermacht. Lowes (28) ist zwar WM-Dritter und hat für Yamaha in drei Jahren 13 Podestplätze erobert, darunter sein einziger Sieg in Brünn 2018, den Engländer hält aber kaum jemand für einen kommenden Weltmeister.

Im Gegensatz zu Razgatlioglu, der als größtes Talent seit Jahren gilt.

Es ist deshalb denkbar, dass Lowes seinen Platz im Werksteam verliert, selbst wenn er mit Yamaha das Suzuka Eight Hours zum wiederholten Mal gewinnt. Dann könnte sich für ihn eine Möglichkeit bei Ten Kate Yamaha ergeben, wo es den Platz neben Loris Baz zu besetzen gilt.

Krummenacher hat kein Interesse daran, für GRT Yamaha zu fahren. Beim Team von Mirko Giansanti steht der Schweizer auch nicht oben auf der Wunschliste. Dort hat Caricasulo bedeutend bessere Chancen.

Was sie von Beaubier halten sollen, wissen die Yamaha-Verantwortlichen nicht so recht. Seine beiden US-Titel und aktuell Rang 2 in der Meisterschaft, hinter Toni Elias auf Suzuki, sind zwar eine Empfehlung, in MotoAmerica gibt es aber nur vier Werksmotorräder. Sitzt man auf einem davon, sind Podestplätze in fast jedem Rennen garantiert.

Das technische Reglement in den USA ist dem der Superbike-WM sehr ähnlich, weil Yamaha dort aber mit Dunlop-Reifen fährt, lassen sich die Rundenzeiten kaum vergleichen – in SBK sind Pirelli-Reifen vorgeschrieben. Und weil in Laguna Seca MotoAmerica und Superbike-WM immer zusammen fahren, um möglichst viele Zuschauer an den WeatherTech Raceway zu locken, sehen wir nur selten Wildcard-Einsätze wie jenen von JD Beach am vergangenen Wochenende.

Yamaha sucht einen jungen Fahrer wie 2009 Ben Spies, der als US-Meister auf Anhieb Weltmeister wurde. Oder wie Eugene Laverty, der als Supersport-Vizeweltmeister 2009 und 2010 aufstieg und im Yamaha-Werksteam 2011 zwei Rennen gewann, sechsmal aufs Podium fuhr und hinter Carlos Checa, Marco Melandri und Max Biaggi WM-Vierter wurde.

Außer Toprak Razgatlioglu ist kein solches Kaliber in Sicht.

Zum Vergleich: Supersport-Weltmeister Sandro Cortese hat in seiner ersten SBK-Saison Platz 6 in Jerez als bestes Ergebnis vorzuweisen und ist solider Gesamt-10.

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