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Ducati Panigale V4R: Mit MotoGP-Schaltschema gegen «Verschalter»
Ducati bringt mit der Panigale V4R echte Prototypen-Technik in die Superbike-WM und eliminiert mit dem neuen N-1-2-3-4-5-6-Schaltschema samt Leerlauf-Sperre das Risiko von Fehlschaltungen.
Ducati transferiert mit der neuesten Ausbaustufe der Panigale V4R des 2026er-Jahrgangs MotoGP-Technologie in die seriennahe Superbike-WM – nämlich ein Getriebe-Schaltschema, bei dem der Leerlauf nicht mehr zwischen dem ersten und zweiten Gang liegt, sondern ganz an den Anfang der Schaltfolge gerückt ist.
Diese Anordnung verhindert im harten Renneinsatz effektiv das gefürchtete Landen im Leerlauf beim Herunter- oder Hochschalten. Um den Leerlauf einzulegen, muss der Fahrer bewusst einen Entriegelungshebel an der rechten Lenkerarmatur betätigen und kann dann gleichzeitig mit dem Schaltpedal die Getriebe-Neutralstellung einlegen. Ducati nennt dieses System Ducati Neutral Lock DNL. Alle in der MotoGP vertretenen Hersteller verwenden solche Leerlaufsperren, selbstverständlich mit umgedrehtem Schaltschema 6-5-4-3-2-1-N.
Ducati hat dieses System patentiert, und Patentzeichnungen zeigen, dass der mechanische Bauaufwand des DNL sehr überschaubar ist. An der Schaltwalze ist ein Nocken, der mit einem federbelasteten, verriegelten Bolzen arretiert ist. Diese beiden Bauteile verhindern, dass die Schaltwalze zum Einlegen der Neutralstellung weitergedreht werden kann.
Die Verriegelung besteht aus drei Kugeln, die in eine Ausfräsung im Bolzen eingreifen – ähnlich wie beim Ziehkeil-Getriebe an Mofas. Eine Hülse drückt die drei Kugeln in die Ausfräsung. Mit dem Neutralhebel an der rechten Lenkerarmatur wird diese Hülse verschoben, was die drei Kugeln freigibt. Dadurch kann der Nocken, der vom Fahrer per Schaltpedal betätigten Schaltwalze, den Bolzen zurückdrücken, die Neutral-Stellung kann eingelegt werden. Wird der erste Gang wieder eingelegt, schnellt der Bolzen per Federkraft zurück und verriegelt sich wieder. Versehentliches Einlegen der Neutralstellung ist nicht mehr möglich.
Dass Ducati sein DNL nun patentiert hat, lässt hoffen, dass wir dieses Schaltschema samt Neutralverrieglung eines Tages auch bei Serienmaschinen wiederfinden, zuerst vielleicht in der Panigale V4S. Mechanischer Mehraufwand und zusätzliches Gewicht werden selbst an Rennmotorrädern in Kauf genommen – zugunsten massiv verbesserter Schaltsicherheit: Verschalten in die Neutral-Stellung gibt es nicht mehr. Das ist im Rennsport ein grosser Vorteil, doch auch alltagstaugliche Strassenmotorräder würden aufgewertet. Nebenbei würden Fahrer von der Unart, der an modernen Motorrädern sinnlosen Suche nach der Neutralstellung, nachhaltig geheilt. Die Neutralsperre könnte kostengünstig per Seilzug, hydraulisch oder elektromechanisch betätigt werden.
Diese mechanische Verbannung der im besten Fall lästigen Getriebe-Neutralstellung wäre auch für die neuen Offroad-Modelle der Marke wie die Desmo450 MX interessant, da ein ungewollter Leerlauf an einem Absprung oder in tiefen Rillen üble Folgen haben kann. Das DNL erhöht mit einer einfachen mechanischen Lösung die Fehlertoleranz für den Fahrer spürbar, weshalb diese Lösung nach Meinung des SPEEDWEEK.com-Autors viel zu gut ist, um sie nur im Rennsport einzusetzen.
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