Böser Verdacht: Hat Ferrari den Sieg verspielt? Teamchef Vasseur wehrt sich
Nach dem Australien-GP steht im Raum, nicht zum ersten Mal: Hat Ferrari die Rennstrategie versemmelt? Wurde die Chance auf den Sieg leichtfertig verspielt? Teamchef Fred Vasseur bezieht Stellung.
Ferrari kam beim WM-Auftakt in Melbourne gut in die Hufe, aber was ist dann passiert? Zur Erinnerung: Charles Leclerc ging sofort in Führung und lieferte sich mit Mercedes-Ass ein sehenswertes Duell, dahinter lauerte Lewis Hamilton.
In Runde 12 musste Red Bull Racing-Fahrer Isack Hadjar seinen Rennwagen wegen Motorschadens zur Seite stellen, die Rennleitung gab eine so genannte virtuelle Safety Car-Phase aus (VSC) – das bedeutet: die Fahrer drosseln ihr Tempo markant.
Natürlich bedeutet das in der Regel: Ein Reifenwechsel kostet weniger Zeit als unter normalen Rennbedingungen. Die Mercedes-Fahrer und viele weitere Gegner nutzten das, um frische Walzen abzuholen, Ferrari hingegen liess Leclerc und Hamilton auf der Bahn. Sofort stellten Experten wie die frühere Rennstrategin Bernie Collins oder der langjährige GP-Fahrer Martin Brundle in den Raum – das war ein taktischer Fehler.
Und auch Lewis Hamilton erkundigte sich am Funk: «Hätten wir nicht wenigstens einen Fahrer reinholen sollen?»
Unter den Tifosi geht der böse Verdacht um: Hat hier Ferrari die Chancen auf den Sieg leichtfertig verspielt?
Vasseur: «Ich habe keine Kristallkugel»
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur nach dem Rennen: «Ich weiss nicht, ob wir mit einer anderen Strategie mehr hätten erreichen können. Ich habe keine Kristallkugel, aber ich glaube nicht.»
«Als sie ihren Boxenstopp gemacht haben, war es schwer vorstellbar, dass sie letztlich nur einen Stopp machen würden. Unser Ziel bestand darin, zwar ebenfalls nur einen Stopp zu machen, aber viel später, aber dann hatten wir Pech mit der zweiten VSC (ausgelöst den Ausfall von Valtteri Bottas, M.B.), als die Boxengasse leider geschlossen wurde. Aber so ist das nun mal.»
«Mercedes war das ganze Wochenende über stärker als wir. Für uns war das heute ein guter Ausgangspunkt. Wir wissen, wo wir stehen, und haben noch viel Arbeit vor uns, viele Verbesserungen, die wir vor dem nächsten Rennen umsetzen müssen."
Vasseur: «Rückstand auf Mercedes bei halber Sekunde»
Der Franzose weiter: «Unser Rückstand auf Mercedes war in der Quali grösser als heute im Rennen. Aber wir hätten einige Dinge besser machen können. Insgesamt glaube ich, dass die Lücke zu Mercedes bei etwa einer halben Sekunde liegt.»
"Ich hatte bereits vor dem Australien-Wochenende gesagt, dass das, was wir in Melbourne sehen würden, nicht automatisch für die ganze Saison zählen würde. Es geht darum, wie und um wieviel wir im Laufe der Saison besser werden können. Wir haben eine sehr lange Liste von Dingen, die wir verbessern wollen.»
"Schwer zu sagen, wo genau der Rückstand zu Mercedes liegt, ob alles an der Antriebseinheit liegt oder auch am Chassis. Manchmal trifft man Kompromisse beim Antrieb für das Chassis oder umgekehrt.»
«Wir werden bald ein grosses Update fürs Chassis bringen, aber wir müssen auch am Motor und am Energie-Management arbeiten. Das gilt übrigens nicht nur für uns, das gilt für alle. Doch auch Mercedes wird wiederum besser werden. Alles in allem ist unser Ergebnis in Melbourne ordentlich und ein solider WM-Auftakt.»
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