Jacques Cornu: Abschied mit einem leisen Lächeln
An der Abschiedsfeier für den kürzlich verstorbenen Schweizer Motorradrennfahrer Jacques Cornu spielten seine Erfolge eine untergeordnete Rolle. Gewürdigt wurde seine einzigartige Persönlichkeit.
In der Kapelle des protestantischen Gemeindezentrums in Cressier im Kanton Neuenburg fand am 5. Mai die Trauerfeier für den Schweizer Motorradrennfahrer Jacques Cornu statt, der am 27. April, kurz vor seinem 73. Geburtstag, verstorben ist.
Die sportlichen Erfolge von Jacques Cornu wurden in der Schweizer Presse und auch auf SPEEDWEEK ausführlich gewürdigt, doch diese Erfolge (Langstrecken-Weltmeister, zwei dritte WM-Schlussränge und drei GP-Siege der 250er Klasse) sind nur ein Teil der herausragenden Persönlichkeit, die Jacques Cornu war. Neben der ernsthaften, ehrgeizigen, zielstrebigen Seite, die für die Erreichung seiner sportlichen und später geschäftlichen Erfolge unabdingbar war, war Jacques seinen drei Töchtern ein liebevoller Vater und für seine Freunde ein immer zu unerwarteten Spässen und Streichen aufgelegter Animator.
Mit Jacques war es nie langweilig, immer fiel ihm ein Spass oder ein witziger Spruch ein oder er schnitt überraschend eine seiner ulkigen Grimassen. Er war nach seinem Sieg 1988 in Le Castellet der erste GP-Fahrer, der mit wehender Landesfahne die Ehrenrunde fuhr. Die Schweizer Fahne hatte er sich spontan von einem der begeisterten Zuschauer geschnappt, welche die Piste gestürmt hatten. Wegen seines natürlichen Kommunikationstalents und seiner perfekten Zweisprachigkeit war der aus der französischen Schweiz stammende Jacques in der Romandie wie in der Deutschschweiz gleichermassen beliebt. Er trug ganz wesentlich dazu bei, dass der Motorradsport in der Schweiz, wo Rundstreckenrennen verboten sind, so populär wurde wie er bis heute ist.
Nach seinem Rücktritt vom Rennsport eröffnete er 1992 die Cornu Master School, an der Jacques sein Wissen weitergab, über die Jahre an Tausende von Motorradfahrern. Auch in diesem Bereich kamen ihm sein offenes Wesen und sein natürlicher Schalk zugute. Darüber hinaus gingen von der Cornu Master School wesentliche Impulse aus zur Verbesserung der Ausbildung von Motorradfahrern und von Motorrad-Fahrlehrern. Die Cornu Master School besteht weiter, Jacques regelte seine Nachfolge rechtzeitig und übergab sein Lebenswerk 2018 an Elvir Softic.
Neben den Angehörigen nahmen an diesem Nachmittag mehrere Hundert Bekannte und Weggefährten Abschied von Jacques Cornu. Nach der Abschiedsfeier traf man sich im Lieblingsrestaurant von Jacques, dem Le Silex in Hauterive, zum Umtrunk auf der Terrasse am Neuenburger See. Ehemalige Rennfahrer waren gekommen, so (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) Philippe Coulon, Bernard Haenggeli, Bruno Kneubühler, Heinz Lüthi, Rolf Biland, Kurt Waltisperg, Edwin Weibel und Pierre-Andre Fontannaz. Schon bald war die Stimmung nicht mehr gedrückt, sondern zunehmend gelöst, als Geschichten und Anekdoten zu Jacques erzählt wurden. Es geht wohl allen so, die Jacques gekannt haben: Die Erinnerung an ihn lässt einen leise lächeln.
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