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Der Mann, der alles riskierte: Klaus 'Gustav' Hünecke wird 70
In den 1980er Jahren gehörte Klaus Hünecke zur Elite des DDR-Motocross, doch er rebellierte gegen die Enge des Regimes, stand auf, als sich die anderen wegduckten und riskierte damit seine Karriere.
Motocross
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Am 9. Januar 2026 feiert Klaus Hünecke seinen 70. Geburtstag. 'Gustav', wie er im Paddock und von seinen Freunden genannt wird, war einer der erfolgreichsten Motocross-Piloten der 1980er Jahre in der DDR. Er gehört zur Fahrergeneration nach Heinz Hoppe, die ihrerseits mit dem erfolgreichsten deutschen Motocrosser, dem dreifachen Weltmeister Paul Friedrichs, aufgewachsen waren. Seine Kontrahenten waren Norbert Müller, Torsten Wolff, Falk Rudolph, Uwe Martin und Harald Pfeil, um nur einige zu nennen, denn die Leistungsdichte war zu dieser Zeit sehr groß.
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In den Jahren 1982, 83, 84 und 86 wurde er DDR-Meister. Am Rande des ECMX-Classic-Finales in Culitzsch am 27. Juli 2024 führte ich mit 'Gustav' ein Interview, das unter diesem Artikel in voller Länge zu sehen und zu hören ist. Zunächst erklärte er, wie der Name 'Gustav' entstand: «Ich habe im Kalibetrieb Zielitz [Anm.: bei Magdeburg] gelernt und mein Meister hieß Gustav, der ein großer Motorsport-Fan war. Er hat mich schon Donnerstags in die Motorradwerkstatt geschickt, dass ich mich auf das nächste Rennen vorbereite. Dabei hat er sich immer geärgert, dass er mich dorthin schicken musste. Inzwischen nennt mich sogar meine Frau manchmal Gustav.» Was Kalibergbau mit Motocross zu tun hatte Der Kalibergbau in der DDR war ein entscheidender Faktor für die Motocross-Szene in der DDR, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. Der heutige Talkessel ist übrigens auch ein Ergebnis der damaligen Epoche. In den 1980er Jahren wurde hier international um den 'Pokal der Kalikumpel' gefahren, abwechselnd mit dem 'Pokal für Frieden und Freundschaft'. Als drittes internationales Großereignis gab es noch den Ostseepokal in Wolgast. Viele Spitzenfahrer der 1980er Jahre kamen vom MC Kali Merkers, dem einst größten Kalibergwerk der Welt. Zielitz, Merkers und der Kalibetrieb Teutschenthal befanden sich alle unter dem Dach des Kombinats Kali.
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Dessen Chef war Prof. Dr. Kurt Singhuber, ab 1967 Minister für Erzbergbau, Metallurgie und Kali. Singhuber war bekennender Technik- und Motocross-Enthusiast. Er setzte sich dafür ein, dass in den Kalibetrieben Merkers und Zielitz Leistungsstützpunkte für Motocross entstehen konnten.
Neben den Kalibetrieben gab es in der DDR noch die 'Polizeiclubs' Dynamo. Der Sportclub 'Dynamo Erfurt Süd' war die Adresse für Spitzenfahrer, die ihre Wehrpflicht absolvieren mussten. Dort stand zwar auch die militärische Grundausbildung auf der Tagesordnung, aber die jungen Motorsportler konnten weiter trainieren und an den Wochenenden an den Rennen teilnehmen – so auch Klaus Hünecke.
Er stand als Einziger auf, doch alle klatschten Die staatlich subventionierte Sportförderung führte auch zu einer Politisierung und Reglementierung. Die Technik wurde nicht nur nach Hubraum klassifiziert, sondern nach Herkunft. So genannte 'NSW-Technik' (Nicht-sozialistisches Wirtschaftsgebiet) war ebenso untersagt wie die Teilnahme an Rennen im westlichen Ausland. Ausnahmeregelungen gab es nur für den Endurosport, wegen der Marke MZ, die im 'NSW' verkauft wurde und eine willkommene Devisenquelle für die DDR war. Sich gegen die Staatsgewalt zu erheben, konnte besonders im Leistungssport Karriere und Job kosten. Klaus Hünecke stellte sich 1983 als Einziger offen gegen die staatlich verordneten Technik-Reglements. «1983 war ich in der Summe aller drei Hubraumklassen der beste Fahrer, weshalb mir für 1984 die Startnummer 1 zugewiesen wurde. In der 250er-Klasse sind einige Fahrer, darunter auch ich, mit West-Technik gefahren. Ich hatte eine Suzuki. Deswegen sollte auf Anweisung der höchsten Ebene die 250er-Klasse nicht geehrt werden. In Ferch bei Michendorf war die Meister-Ehrung. In der 250er-Klasse war ich Meister, aber diese Klasse wurde außen vorgelassen. Dann wurde die 500er-Klasse geehrt, in der ich Zweiter war. Ich wurde auf die Bühne gerufen und die gesamte ADMV-Spitze wartete mit Blumenstrauß und Pokal auf mich. Ich bin aber aufgestanden und habe gesagt, dass ich die Ehrung nicht annehme. Die Funktionäre standen da und wussten nicht, was sie sagen sollten, aber der ganze Saal begann zu klatschen. Vorher habe ich ein paar Leute gefragt, ob sie sich dem Boykott anschließen wollen, aber es fehlte an Mut. Also habe ich es alleine durchgezogen. Nach dieser Aktion sollte ich natürlich komplett sanktioniert werden, aber der damalige Clubvorsitzende vom MC Zielitz, Dr. Michalzik, der auch Grubendirektor war, konnte sich erfolgreich für mich einsetzen.»
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National und international erfolgreich Auch bei den internationalen Pokalläufen im sozialistischen Ausland war Klaus Hünecke immer dabei. An das Jahr 1983 hat er weitere Erinnerungen: «Neben der 250er-Meisterschaft habe ich im Talkessel den Pokal der Kalikumpel in der 250er Klasse und in Wolgast den Ostseepokal gewonnen. Dort bin ich mit der Suzuki von Gunter Frohn angetreten. Es standen auch Ex-Weltmeister Moiseev und sein Landsmann Kavinov am Gatter. Mein Glück war, dass beide ausgefallen sind. Dort sind sie mit Vostok-Motorrädern gestartet, das waren KTM-Nachbauten, die aber nicht gehalten haben, sonst hätte ich dort wohl nicht gewonnen.» Die beiden KTM-Werksfahrer, Wladimir Kavinov und Gennadij Moiseev, tauchten auch auf der Alten Warth bei Gumpelstadt auf, der Hausstrecke von MC Kali Merkers. «1977 kamen sie gerade aus Österreich mit ihren neuen KTM-Motorrädern. Dort habe ich sie kennengelernt. Moiseev hatte einen unglaublichen Fahrstil. Kavinov war ja etwas untersetzter und kleiner, aber er war genauso schnell.» Eleganz im Fahrstil Klaus Hüneckes Fahrstil war elegant und effektiv. Wenn man ihn mit einem Fahrer der heutigen Generation vergleichen wollte, würde mir Jorge Prado einfallen. Er ging nie übers Limit, fuhr überlegt und blieb vielleicht auch gerade deshalb von schweren Verletzungen verschont. Doch die Härte des Sports sollte auch er zu spüren bekommen: «1989 bekam ich Probleme mit der Bandscheibe und habe deshalb mit dem Sport aufgehört. Danach war ich nie wieder bei einem Motocross-Rennen. 1993 habe ich bemerkt, dass es in dem neuen Deutschland auch eine Senioren-Klasse gibt. Als ich das gesehen habe, bin ich wieder auf den Geschmack gekommen, habe mir ein Motorrad gekauft und bin im ersten Jahr Zweiter hinter Helmut Schadenberg geworden. Ab 1994 habe ich 10 Jahre in Folge die Landesmeisterschaften Sachsen-Anhalt gewonnen.»
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Im Namen aller Leser von SPEEDWEEK.com gratulieren wir 'Gustav' zu seinem 70. Geburtstag. Über den Sport hinaus hat er Mut und Standhaftigkeit bewiesen und ist sich dabei immer treu geblieben. Solche starken Persönlichkeiten waren selten und sind heute noch seltener geworden. Deshalb kann man vor seinen Leistungen auf und neben der Strecke nur den Hut ziehen. Respekt, wem Respekt gebührt. Wir wünschen 'Gustav' alles Gute für die Zukunft!
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