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Fabio Quartararo steht in der MotoGP 2026 vor einem inneren Konflikt: tiefe Verbundenheit mit Yamaha auf der einen, der unbedingte Wille zum Sieg auf der anderen Seite. Seine Geduld ist aufgebraucht.
Yamaha versuchte in der MotoGP-Saison 2025 mit schnelleren technischen Entwicklungen an der M1, seinen Superstar Fabio Quartararo neu zu motivieren. Der Franzose revanchierte sich mit starken Leistungen: Mehrere Pole-Positions und Top-3-Ergebnisse sorgten für frischen Schwung – sportlich wie emotional.
Quartararo betont immer wieder seine enge Verbindung zum Hersteller aus Iwata. «Ich habe meine gesamte MotoGP-Karriere bisher mit Yamaha verbracht und verbinde mit dieser Marke sehr viel. Umso mehr ist es mein persönlicher Antrieb, Yamaha wieder an die Spitze zu führen», erklärte er in der MotoGP-Doku «The Road to Redemption». Diese Loyalität ist tief verwurzelt – und doch gerät sie zunehmend in Konflikt mit seinem eigenen Anspruch.
Denn Quartararo sieht sich selbst als kompromisslosen Leistungssportler. «Ich bin ein Siegertyp, möchte gewinnen und um die Spitzenplatzierungen kämpfen. Ich habe keine Zeit zu vergeuden. Wenn wir erneut an der Spitze kämpfen möchten, dann dürfen wir keine Zeit verstreichen lassen.»
Zwischen emotionaler Bindung und sportlicher Ungeduld entsteht damit ein Spannungsfeld, das seine Zukunft maßgeblich bestimmen dürfte.
Große Hoffnungen setzt Quartararo auf Motorenchef Max Bartolini, der umfangreiche Erfahrung von Ducati zu Yamaha mitbrachte. «Mit Max Bartolini habe ich seit dem ersten Tag eine sehr enge Bindung. Ich nahm eine siebenstündige Autofahrt auf mich, um mich drei Stunden lang mit ihm zu treffen. Er beantwortete mir alle Fragen und stärkte meinen Glauben an das Projekt.»
Gleichzeitig machte Bartolini dem Weltmeister von 2021 keine falschen Versprechungen: «Er erklärte mir, dass wir nicht sofort an die Spitze zurückkehren können. Es ist Zeit notwendig, weil die japanische Herangehensweise deutlich träger war als beispielsweise die italienische.»
Für Bartolini selbst bedeutete die Arbeit bei Yamaha eine große Umstellung, nachdem er zuvor ausschließlich für europäische Hersteller tätig gewesen war. Doch Quartararo erkennt klare Fortschritte im Entwicklungsprozess.
«Es ist nicht mehr so, dass wir zwei Monate lang warten, bevor wir ein neues Teil verwenden, das gut funktioniert. Wir setzen es jetzt sofort ein.» Die Abläufe seien deutlich beschleunigt worden – ein Signal, dass Yamaha den Ernst der Lage erkannt hat.
Denn der Franzose weiß nur zu gut, wo sein Team aktuell steht: Yamaha bildet das Schlusslicht unter den fünf MotoGP-Herstellern und ist sogar hinter Honda zurückgefallen. «Honda hat sehr lange zu kämpfen gehabt, doch jetzt sind sie zurück», stellt Quartararo fest und sendet das als Mahnung und Maßstab zugleich.
Genau hier liegt der innere Widerspruch: Einerseits will er Yamaha wieder an die Spitze führen, andererseits formuliert er klar, dass seine Geduld begrenzt ist. Seine Erwartungen sind hoch – und sollten die Fortschritte nicht zeitnah in echte Siege münden, schließt Quartararo einen Herstellerwechsel nicht aus. Loyalität und Erfolgsdruck stehen sich damit unversöhnlich gegenüber.
Ob Yamaha den Anschluss an die führenden Hersteller herstellen kann, entscheidet über die Zukunft seines größten Stars. Klar ist aber auch, dass die MotoGP-Saison 2026 für Yamaha ein Übergangsjahr sein wird, um mit dem V4-Motor wichtige Erfahrungen zu sammeln, von denen das 850er-Projekt dann profitieren soll.
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