Günther Steiner (Tech3) exklusiv: «Entscheidung in zwei bis vier Wochen»
Seit der MotoGP-Saison 2019 ist der Traditionsrennstall Tech3 mit KTM-Rennern am Start. Ob die Partnerschaft mit den Österreichern fortgesetzt wird, ist weiterhin offen, sagt Inhaber Günther Steiner.
Die Situation um den französischen Rennstall Tech3, der seit Anfang 2026 unter der Führung von Günther Steiner im Besitz einer Investorengruppe ist, hat sich zu einer spannenden Strategieplanung entwickelt. Die laufenden Vereinbarungen zwischen Tech3 und KTM laufen Ende 2026 aus – und während der Fahrertransfermarkt hinter den Kulissen schon viele Bewegungen gemacht hat, gibt es auch wenige Tage vor dem Spanien-GP noch keine Entscheidung in welcher Konstellation der älteste Rennstall des GP-Fahrerlagers im kommenden Jahr ausrückt.
So eng die Verbindung mit KTM Factory Racing auch ist, sicher ist auch,
«Ich muss klar sagen, es steht ja nicht die Zukunft des Teams zur Debatte. Wir wollen und werden in der MotoGP aktiv sein und haben uns klare Ziele gesetzt. Offen ist heute allerdings noch, mit welchem Technik-Partner es weitergehen wird. Und zuallererst mit KTM. Unsere jetzige Option ist die erste Wahl. Doch wir brauchen für die Umsetzung der Pläne Sicherheit, es geht um Stabilität. Ich habe deswegen auch mit mehreren Herstellern gesprochen.»
Steiner weiter: «Zum einen geht es auch viel um Lernen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich wenig Erfahrung in diesem Fahrerlage habe. Und man muss mit allen vernünftig sprechen und fair arbeiten. Man trifft sich immer zweimal. Es geht darum, maximal viel zu verstehen und das ganze Bild zu sehen.»
Entscheidung ohne Emotionen
Auch betont der Rennsport-Enthusiast: «Ich entscheide auch nicht allein. Wir stimmen uns ab – es gibt einen Vorstand, an den ich berichte. Wenn man ein Verständnis dafür hat, ergibt sich eine Entscheidung als logische Konsequenz. Emotionen muss man dabei komplett herauslassen. Ich denke, in zwei bis vier Wochen werden wir so weit sein.»
Entsprechend emotionslos sieht Günther Steiner auch die Diskussion um die Anzahl der Bikes je Hersteller. «Es ist ja nicht so, dass es hier irgendwelche Vorgaben gibt – wir sind in einer freien Situation. Jedes unabhängige Team kann das selbst entscheiden und wenn es alle so sehen würden, dann könnten zum Beispiel auch alle Ducati fahren. Ob es gut oder schlecht wäre – ich weiß es nicht –, aber die Freiheit dazu ist vorhanden. Der Sport selbst lebt nicht von einem Gleichgewicht unter den Herstellern.»
Dass es bei den Verhandlungen um das vielversprechendste Technik-Paket dennoch zügig weitergehen muss, das hängt auch mit dem Fahrermarkt zusammen, der schon seit längerer Zeit an Fahrt aufgenommen hat. Realist Steiner: «Wir sind etwas hinten dran. Wenn auch inoffiziell, gibt es etliche Bewegungen bei den Fahrern, und richtig ist auch, dass für unsere Gespräche mit den Piloten auch eine Aussage zum Hersteller wichtig ist. Welches Bike – das ist immer die erste Frage.»
Moto2-Fahrer auf dem Radar
Kandidaten mit Namen wollte Günther Steiner zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen: «Grundsätzlich kommen alle aktuellen MotoGP-Fahrer in Frage, die heute noch am Markt sind. Interessant sind auch mit dem Hinblick aufs neue Reglement Moto2-Piloten. Wir werden hier sicher einige Fahrer nächstes Jahr in der MotoGP sehen.»
2026 ist Tech3 mit Maverick Vinales und Enea Bastianini auf Kurs. Beide Fahrer haben für 2027 noch nicht unterschrieben, doch sowohl ein Abgang von Vinales ins offizielle KTM-Werksteam als auch ein Wechsel von Bastianini zu Gresini zurück ins Ducati-Lager ist möglich.
Unglücklich ist der Start in die Europa-Saison, denn in Jerez muss das vor Ort von Nico Goyon gemanagte Tech3-Team ohne Maverick Vinales auskommen.
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