Grandioser Philipp Öttl: Das schafften nur drei deutsche Rennfahrer vor ihm
Nach 14 Podestplätzen gelang Philipp Öttl (Feel Ducati) im 66. Anlauf der erste Triumph in der Supersport-WM. Der Ainringer trug sich damit in die kurze, aber exquisite Liste deutscher Sieger ein.
In der Superbike-WM hat bis heute nur ein Deutscher Rennen gewonnen, der Sachse Max Neukirchner. In der Supersport-Klasse schafften das bis Assen am vergangenen Wochenende immerhin drei: Die beiden Weltmeister Jörg Teuchert (5 Siege) und Sandro Cortese (2) sowie der WM-Vierte von 2000, Christian Kellner (3).
Seit dem 19. April 2026 gehört auch Philipp Öttl zu diesem erlesenen Kreis: Der WM-Dritte von 2020 gewann in seinem 66. Anlauf, zuvor hatte er bereits 14 Podestplätze erobert – mehr als jeder andere Deutsche. In der Gesamtwertung verbesserte sich der am 3. Mai 30-Jährige auf den dritten Platz hinter Jaume Masia (Ducati) und Albert Arenas (Yamaha).
Philipp Öttl: Im 66. Versuch ging es auf
Philipp war schon immer ein Fahrer, bei dem das Selbstvertrauen nicht sehr ausgeprägt ist. «Ich bin Realist und weiß, was ich kann und was nicht», sagte er beim Treffen mit SPEEDWEEK.com nach seinem Assen-Sieg. Auf so einen Triumph musste er beinahe acht Jahre warten: Am 6. Mai 2018 gewann Öttl in Jerez in der Moto3-Klasse seinen einzigen Grand Prix. «Seither habe ich es ein paar Mal bei den Supersportlern probiert – 65 Mal. Mai, das war gut, ein top Rennen. Ich hatte das Motorrad im Griff, wir haben die richtige Entscheidung mit den Reifen getroffen, es ging Schritt für Schritt nach vorne. Als ich vorne war, habe ich das Tempo angezogen, mich hat keiner mehr überholt, dann haben sie abgebrochen und wir haben gewonnen.»
Ganz nüchtern analysiert, typisch Öttl. «Jeder im innersten Kreis weiß, dass man eine Aufgabe nach der anderen erledigen muss, nicht zehn auf einmal», betonte der Ducati-Pilot aus dem Team Feel Racing. «Das bestätigt den Weg, den ich Ende 2023 mit Go Eleven eingeschlagen habe. 2024 habe ich ausgeblendet, ab Mitte 2025 ging es wieder und heute ist es sogar ein bisschen besser, weil ich etwas ruhiger bin. Ich versuche immer mein Bestes und kann nicht mehr tun als schauen, was dabei herauskommt. Viele Leute haben sich für mich gefreut, weil sie genau wissen, was ich und mein Papa reinstecken.»
Öttl: 100-prozentige Unterstützung von zuhause
Seit Ende 2023 ist Philipp mit Freundin Martina zusammen, sie geht nur selten zu einem Rennen mit und schaut sich auch nicht jedes im Fernsehen an. «Mir ist das auch egal, weil ich Privates und den Sport strikt trenne», betonte der Bayer. «Wenn es schlecht läuft, dann lasse ich es nicht zuhause raus. Und wenn es gut läuft, dann lass’ ich es raus. Negative Sachen mache ich mit mir selbst aus, ich habe meine sportpsychologischen Helfer.»
Eine bemerkenswerte Randnotiz: Vater Peter (60), fünffacher Grand-Prix-Sieger und seit vielen Jahren Teammanager in der Moto3-WM, kann nur dann dabei sein, wenn es keine Terminüberschneidungen zwischen den beiden Meisterschaften gibt. Dieses Jahr war er in Australien und in den Niederlanden vor Ort – beides Mal preschte Philipp aufs Podium. «Er kann mir gut helfen, weil er mir zuschaut und sieht, wie ich drauf bin», beschrieb Öttl junior die Zusammenarbeit. «Er hilft mir aber eigentlich viel mehr mit allem anderen. Ich stehe morgen aufs, frühstücke, erledige was zu tun ist, gehe ins Fitnessstudio, dann Mittagessen, gehe Radl fahren und dann ist es Abend. Und so ist das jeden Tag. Papa hat eh so wenig Zeit, aber er richtet mir meine Motorräder oder fährt mit mir zum Training. Mama schaut, dass zuhause alles läuft, und ich frage Martina ab und zu nach etwas. Sie muss oft zurückstecken, aber ich versuche immer den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Ich werde von zuhause aus 100-prozentig unterstützt. Das ist wichtig und anders ginge es auch nicht. Auf der Strecke muss ich es dann aber selbst richten.»
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