Historischer zehnter Sachsenring-Sieg – doch Marc Marquez fehlte etwas
Mit seinem zehnten MotoGP-Sieg auf dem Sachsenring setzte Marc Marquez ein Ausrufezeichen im Titelkampf. Innerhalb weniger Wochen schmolz der Rückstand von über 100 auf nur noch 18 Punkte.
Marc Marquez hat den Sachsenring einmal mehr zu seiner persönlichen Festung gemacht. Der Ducati-Werkspilot gewann den Deutschland-GP souverän mit rund zwei Sekunden Vorsprung auf Trackhouse-Aprilia-Pilot Ai Ogura und feierte damit seinen zehnten MotoGP-Sieg auf der Traditionsstrecke bei Hohenstein-Ernstthal – eine Marke, die in der Königsklasse ihresgleichen sucht.
Noch bemerkenswerter ist jedoch die Entwicklung im Titelkampf. Vor gut einem Monat lag Marquez nach einem schwierigen Saisonstart noch mehr als 100 Punkte hinter der WM-Spitze zurück. Mit starken Auftritten im Balaton Park, in Brünn, in Assen und nun auf dem Sachsenring hat der Spanier den Rückstand auf nur noch 18 Punkte reduziert und ist wieder mittendrin im Kampf um den WM-Titel.
Der Favorit holte die Maximalpunktzahl
«Ich bin super happy. Es war ein besonderes Wochenende für mich. Ich war sehr konzentriert», erklärte Marquez nach dem Rennen. Bereits am Donnerstag habe er gewusst, dass der Sachsenring eine Schlüsselrolle im Titelkampf spielen würde. «Ich sagte, dass ich hier attackieren muss, wenn ich noch eine Chance in der WM haben will. Und wir haben attackiert. Wir müssen es durchziehen, wenn wir stark sind. Das haben wir bei den zurückliegenden Rennen gezeigt. Es ist etwas Besonderes, hier den zehnten Sieg in der MotoGP zu feiern. Das ist eine wirklich spezielle Nummer.»
Auf die Bedeutung dieses besonderen Sieges angesprochen, ergänzte der Spanier: «Sieg ist Sieg, doch dieser gehört auf jeden Fall zu den Top 10.» Dabei verlief das Rennen nicht ganz so kontrolliert, wie es der Vorsprung vermuten lässt. Marquez setzte sich zunächst ab, musste das Tempo anschließend aber kurzzeitig reduzieren.
Zwischenzeitliche Zweifel: Marquez haderte mit dem Vorderreifen
«Ich pushte zu Beginn, doch dann spürte ich, dass der Vorderreifen am Limit war. Es fühlte sich merkwürdig an. Ich wusste nicht, ob ich Graining am Vorderreifen habe oder was los ist», schilderte er. «Ich nahm etwas Tempo heraus. Das war der Zeitpunkt, an dem mich die Gruppe ein bisschen einholen konnte. Danach verstand ich, was mit der Front war und attackierte richtig.»
Die zweite Tempoverschärfung entschied das Rennen endgültig. «Bei dieser zweiten Attacke öffnete ich die Lücke. Wenn man auf dieser Strecke eine oder eineinhalb Sekunden Vorsprung hat, dann ist es für die anderen nicht einfach, diesen Rückstand wieder aufzuholen.»
Warum der Sieger am Sonntag nicht vollkommen happy war
Trotz seines Jubiläumssiegs war Marquez nicht rundum glücklich. Sein Bruder Alex schied zeitig durch einen Sturz in der Zielkurve aus. Nach dem schweren Sturz in Montmelo und den verpassten Rennwochenenden in Mugello, Balaton Park und Brünn hatte sich der Gresini-Pilot eindrucksvoll zurückgekämpft, doch die Speziallackierung beim Sachsenring-GP brachte dem Vizeweltmeister kein Glück.
«Zehn Siege auf einem Kurs in der MotoGP sind natürlich beeindruckend. Ich bin super happy. Ehrlich gesagt bin ich aber nicht vollkommen zufrieden, denn ich hätte Alex gern auf dem Podium gesehen», gestand Marc. «Ich sah, wie hart er nach dem Rennen in Montmelo gearbeitet hat. Das war richtig beeindruckend. Ich erwartete das nicht. Ja, er ist ein harter Arbeiter, doch dieses Mal hat er das noch übertroffen.»
Die Titelverteidigung ist für Marquez wieder greifbar
Mit Blick auf den weiteren Titelkampf verfolgt Marquez eine klare Strategie. «Wir versuchen, zu attackieren, wenn ich mich gut fühle. Und wenn es schwierige Strecken sind, dann wollen wir einfach nur überleben.» Einen entscheidenden Faktor sieht er jedoch weiterhin bei sich selbst. «Wenn wir um die Meisterschaft kämpfen wollen, dann muss ich die Situation mit dem rechten Arm noch verbessern. Das ist meine einzige Schwäche. In der Sommerpause werde ich mich ein bisschen ausruhen. Mental ist das nötig. Ich muss aber sehr hart an den Schwächen im rechten Arm arbeiten. Manchmal fahre ich nur und kann nicht mit dem Motorrad und dem Körper spielen.»
Dass Marquez überhaupt wieder um den Titel kämpfen kann, war vor wenigen Wochen kaum vorstellbar. Der Saisonbeginn verlief für den Spanier frustrierend, ehe die Ursache seiner Probleme gefunden wurde. «Die ersten Rennen der Saison waren ein Albtraum. Ich konnte es nicht genießen, weil ich nicht verstand, was los war», erinnerte sich der Ducati-Pilot. «Seitdem die Sache mit dem Nerv im Arm geklärt ist, funktioniert alles gut. Ich habe noch nicht so viel Kraft, wie ich mir wünsche. Doch ich habe ein gutes Gefühl und spüre, was passiert.»
Mit dem zehnten MotoGP-Sieg auf dem Sachsenring hat Marquez seine Aufholjagd eindrucksvoll fortgesetzt. Im Titelkampf ist der sechsfache MotoGP-Weltmeister rechtzeitig vor der Sommerpause wieder in Schlagdistanz zu den Aprilia-Piloten an der Spitze.
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