Vom grossen Zweifel zur grossen Show: Warum sich die GP-Fans freuen dürfen
Vor dem Saisonstart dominierten kritische Stimmen, doch die bisherigen WM-Runden haben gezeigt: Die Regeländerungen sorgen für genau das, was man sich erhofft hat: Spannung bis zur letzten Runde.
Noch bevor die jüngste Formel-1-Fahrzeuggeneration Ende Januar zum Shakedown-Test ausrollte, wurden die ersten Klagen laut. Die fachkundigen Beobachter und GP-Fans warnten, dass die neue Motor-Formel mit dem grössten Elektro-Anteil in der Geschichte der Königsklasse unliebsame Effekte auf die Arbeit am Steuer haben werde.
Andere warnten angesichts des engen WM-Fights im vergangenen Jahr, dass die umfassenden Regeländerungen zu einer neuen Phase der Dominanz führen werde – ganz so, wie wir sie zuvor schon bei grösseren Veränderungen im Reglement erlebt haben. Man denke nur an die Einführung der Hybrid-Motoren 2014, auf die eine jahrelang andauernde Erfolgssträhne von Mercedes folgte.
Und die Verantwortlichen des Sports wussten genauso wie die Ingenieure der GP-Rennställe, dass sie eine Herkulesaufgabe würden stemmen müssen. So wurde denn auch beschlossen, die ersten Meter hinter verschlossenen Türen zu fahren – aus Angst, die Formel 1 könne sich durch etwaige Probleme mit der Standfestigkeit blamieren.
Die anfänglichen Sorgen waren nicht ganz unbegründet, wie die Vorsaison-Testfahrten zeigten. Einige Teams taten sich schwer, waren zu spät dran und bekundeten Sorgen, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Andere spulten aber auch eine überraschend hohe Anzahl an Testkilometern ab, bevor die Saison in Melbourne losging.
Somit wurden den Fans schon vor dem Startschuss einige spannende Storys geboten, und auch als die Saison Fahrt aufnahm, wurde es nie langweilig. Denn die Kritik am neuen Motor-Konzept wurde von vielen Piloten bestätigt, etwa von Weltmeister Lando Norris, der wie Red Bull Racing-Superstar Max Verstappen die Auswirkungen des Energie-Managements beklagte.
Die Formel-1-Entscheidungsträger setzten sich nach den ersten drei WM-Runden zusammen und passten das Reglement geringfügig an, und die Klagen der GP-Stars wurden daraufhin leiser. Und auch die Dominanz-Befürchtungen, die sich zunächst zu bewahrheiten schienen, wurden zuletzt gemildert. Denn mit der Einführung der neuen Fahrzeug- und Motorengeneration kamen auch die Zuverlässigkeitsprobleme zurück, die in den letzten Jahren kaum mehr ein Thema waren.
Sie sorgen dafür, dass der grosse WM-Vorsprung, den sich Mercedes-Talent Kimi Antonelli mit seiner Siegesserie von fünf GP-Triumphen in Folge gesichert hatte, wieder schrumpft. In Silverstone verkürzte George Russell den Rückstand auf seinen Teamkollegen an der Spitze auf 25 Zähler. Und die erste Saisonhälfte ist noch nicht vorbei.
Die grossen Gewinner sind die Zuschauer, die in den Genuss vieler spannender Duelle kommen. Die Fans dürfen sich über weiterhin über eine spannende WM freuen. Und genau das wollten die Verantwortlichen des Sports auch erreichen.
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