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Sportwagen

Kolumne

30. Todestag Huschke von Hanstein: Erinnerungen an den Renn-Baron

Am 5. März 1996 starb der populäre Porsche-Sportchef und spätere AvD-Sportpräsident Baron Fritz Huschke von Hanstein.

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Von Hanstein (links) 1960 mit Jo Bonnier und Stirling Moss
Von Hanstein (links) 1960 mit Jo Bonnier und Stirling Moss
Foto: Grand Prix Photo
Von Hanstein (links) 1960 mit Jo Bonnier und Stirling Moss
© Grand Prix Photo

Baron Fritz Huschke von Hanstein war für Porsche viele Jahre Sport- und Pressechef, Botschafter und Aushängeschild in Personalunion. Wer Hanstein sagte, meinte Porsche. Erinnerungen an einen sehr speziellen Menschen, der auch die Anfangszeit meines eigenen Berufslebens mitgeprägt und gefördert hat.

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Bis gegen Ende der 60er-Jahre befehligte Porsche-Baron Huschke von Hanstein die Zuffenhausener Werksfahrer-Armada. Star-Piloten wie Gerhard Mitter, Hans Herrmann, Dieter Glemser, Edgar Barth oder Udo Schütz fuhren und siegten unter seiner Regie. Als junger Berufsanfänger habe ich ihn ob seiner Weltgewandtheit, seiner Offenheit und seines diplomatischen Geschicks geradezu verehrt.

Der Porsche-General wurde bewundert für die weltmännische Art seiner Teamführung und seine charmanten Auftritte auf gesellschaftlichem Parkett. Aber es gab auch den anderen Huschke – eben noch charmant und zugewandt, konnte sich sein Zynismus im nächsten Moment kübelweise über dem Gesprächspartner ergießen.

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Wenn er bestimmte Personen auf dem Kiecker hatte oder einfach nicht leiden konnte, gab es für die wirklich nichts zu lachen. Das betraf so manchen seiner Werksfahrer und Mitarbeiter genauso wie Sportfunktionäre und Journalisten.

Noch heute ist mir schleierhaft, wieso gerade ich mit meinem damals noch ziemlich frechen Mundwerk und oft provokativen Rennberichten ausgerechnet in Huschke von Hanstein eine Art Förderer und später sogar Freund gefunden hatte.

Manch wichtige Tür öffnete sich für mich durch seine Fürsprache. So setzte er sich in seiner späteren Funktion als AvD-Sportpräsident dafür ein, dass ich beim AvD F1-Grand Prix am Ring die Rahmenrennen der Touren- und GT-Wagen sowie die der Formel V kommentieren durfte. Und er hat auch danach meinen Weg als Journalist und Streckensprecher wohlwollend begleitet.

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„Zeigen, was Sie wirklich können“

Ohne Huschke hätte ich wahrscheinlich auch niemals in einem Rennauto gesessen. Als die neue, von Porsche initiierte Formel V 1300 am ersten Juli-Wochenende 1965 am Norisring Premiere feierte, sorgte er dafür, dass ich in einem der zwölf Cockpits Platz nehmen konnte.

Ein paar Tage zuvor hatte er mir in seiner üblichen Art telefonisch mitgeteilt: „In Nürnberg hab‘ ich was für Sie, da müssen Sie zeigen, was Sie wirklich können und ob es einen soliden Hintergrund für Ihre frechen Kommentare und Texte gibt.“ Mehr Infos rückte er nicht raus.

Erst vor Ort wurde mir klar, um was es ging. Auf seine Anweisung hin wurde mir ein Formel V-Cockpit zugewiesen, in das ich mit Sakko, Hemd und Schlips sowie nach Lösung einer „Tages-Fahrgenehmigung“ reingepresst wurde. Den Helm hab‘ ich mir von Jochen Neerpasch geliehen.

Denn eigentlich hatte ich in Nürnberg ja einen ganz anderen Job – die Streckenreportage. Norisring-Rennleiter Gernot Leistner benannte während meines Renneinsatzes kurzerhand einen Vertreter fürs Mikro, und so kam ich dank Huschke im zarten Alter von 25 Jahren zu meiner Premiere im Rennauto.

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Als die Zielflagge fiel, war ich Fünfter oder Sechster, ich weiß es wirklich nicht mehr so genau. Was aber für mich viel wichtiger war als das Resultat: Huschke eilte herbei, klopfte mir auf die Schulter und wies sogleich seinen Assistenten Gerhard Härle an, dass auch bei den nächsten Rennen ein Auto für mich bereitzustellen sei.

Es war der Beginn meiner Hobby-Rennfahrerzeit, die mich neben meinem Job als Journalist und Streckenreporter zum häufigen Starter in der Formel V werden ließ. Ohne Huschkes „Starthilfe“ 1965 hätte es meine Präsenz im aktiven Rennsport samt aller nachfolgenden Aufstiegsmöglichkeiten niemals gegeben. Allein dafür bin ich diesem Mann auf alle Zeiten dankbar.

„Kaufen Sie sich mal ein ordentliches Auto“

Von den vielen Begegnungen mit Huschke fallen mir vor allem diese beiden ein. Im August 1971, ich arbeitete inzwischen als Sportchef bei der „Auto Zeitung“ in Köln, klingelte in der Redaktion das Telefon. Huschke war dran, alle standen stramm. Er verlangte mich zu sprechen, avisierte mir sodann sein Erscheinen für eine AvD-Pressekonferenz zum GP von Deutschland in Essen. Er bat um Abholung am Flughafen Köln-Bonn, „das wäre doch eine Aufgabe für Sie, da weiß ich mich wenigstens in guten Händen.“

Was für eine Ehre, einmal den großen Huschke chauffieren zu dürfen. Also nahm ich ihn zum angegebenen Zeitpunkt am Flughafen in Empfang. Damals war ich stolzer Besitzer eines silbergrauen Capri RS 2600, den der Baron allerdings mit vernichtenden Blicken und süffisanten Kommentaren bedachte. „Kaufen Sie sich doch mal ein ordentliches Auto“, maulte er sofort los. „ein Porsche wäre das Richtige für Sie, ich bin da gerne behilflich.“

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Aufgeregt und ohne meine sonst übliche Lockerheit am Lenkrad bewegte ich mich mit meinem prominenten Fahrgast vorsichtig, sanft und weich, über die A 3 in Richtung Essen. Irgendwann auf halber Strecke polterte er unvermittelt los: „Was fabrizieren Sie denn da für eine saumäßige Fahrerei. Ich dachte, Sie sind ein ordentlicher Rennfahrer, aber das hier kommt mir vor wie die dritte Fahrstunde. Jetzt legen Sie doch mal einen Zahn zu.“

Kaum an der Stadtgrenze von Essen angekommen, wusste ich nicht, auf welchem kürzesten Weg die Location der Pressekonferenz anzusteuern war. Ich dachte, Huschke würde mich dirigieren, aber stattdessen pfiff er mich an: „Sie sind wirklich noch zu blöde, um von A nach B zu fahren.“

In meiner Not habe ich einen Taxi-Standplatz angesteuert und um eine Lotsenfahrt zum Ort der Handlung gebeten. Bis zum Aussteigen herrschte zwischen uns eine gefährliche Stille, er wollte wohl nichts mehr sagen und ich traute mich nicht mehr, ihn anzusprechen. Aber mir war klar – der steigt bei mir nie mehr ein.

„Geben Sie Gas, junger Mann“

18 Jahre später, im Frühjahr 1989, saßen wir dann doch wieder zusammen in einem Auto. Zum 20-jährigen Jubiläum hatte meine alten Redaktions-Kollegen von der Kölner „Auto Zeitung“ zu einer Jux-Rallye ins Elsass eingeladen. Auch Huschke gehörte als einer der früheren Gast-Autoren des Blattes zu den Geladenen. Wunderschöne Testwagen standen für die Auslosung bereit, seinen Fahrer oder Co-Piloten durfte sich jeder selbst aussuchen.

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Ich erwischte einen den einzigen Ferrari. Huschke von Hanstein, der darauf bestand, mit seinem eigenen Porsche 928 S die Rallye in Angriff zu nehmen. Dann schritt er zielstrebig auf mich zu. „Rainer, Sie fahren mit mir“, polterte er im Befehlston los, „aber nicht in diesem entsetzlich engen Ferrari, sondern in meinem Porsche.“

Jeder Widerspruch schien zwecklos. Also schlich ich mich in Erinnerung an die Vorkommnisse seinerzeit bei unserer misslungene Kurzreise von Köln nach Essen sicherheitshalber gleich mal in Richtung Beifahrertür, um als Co-Pilot Platz zu nehmen. „Nein, Sie fahren“ ließ er zu meiner Verblüffung vernehmen. Mir schossen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Hatte er die Sache mit Essen vergessen, wollte er mir eine neue Chance geben, oder mich etwa noch mal auflaufen lassen?

Als erstes kramte er triumphierend einen überdimensionalen Radarwarner aus dem Handschuhfach hervor und setzte das Teil mit Saugnäpfen oben aufs Armaturenbrett. „Die Franzosen“, dozierte er wissend, „sind wahre Meister in der Kunst der verdeckten Radarkontrolle. So, und jetzt geben Sie Gas, junger Mann.“

Wir lagen prima in der Zeit, hatten alle Wertungskriterien klaglos absolviert und ich wähnte uns schon als Sieger der Tour, als Huschke unvermittelt um einen Stopp bat. „Da drüben hinter dem Wäldchen ist ein großer Soldaten-Friedhof“, klärte er mich auf, „das müssen Sie sich ansehen.“ Mein Hinweis, dass der Zeitverzug der Wertung des Wettbewerbs nicht zuträglich sei, wischte er fast barsch beiseite: „Die Historie ist wichtiger als so eine Scheiß-Rallye.“

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Widerspruch zwecklos. Wir stiegen aus, ich trabte artig hinter ihm her, wohl wissend, dass es an diesem Tag außer einer geschichtlichen Weiterbildung nichts mehr zu gewinnen gab. Ergriffen stand Huschke auf der kleinen Anhöhe, zeigte auf dieses und jenes Grab im Tal: „Da liegen viele meiner Kameraden, die hier im Krieg gefallen sind, unsere Einheit wurde fast völlig aufgerieben. ich wollte Ihnen das einfach mal zeigen.“

Im Ziel habe ich dann zwei Dinge erfahren: Erstens hatte er mich ganz bewusst und unauffällig abseits unserer vorgegebenen Rallye-Route an den alten Kriegsfriedhof dirigiert, und zweitens wurden wir wegen erheblicher Zeitüberschreitung Letzte. Aber ich konnte ihm noch nicht mal böse sein. Immerhin hat er mir zum Schluss noch gesagt, dass er sich selten so sicher gefühlt habe wie bei dieser Ausfahrt.

Im Laufe meines Berufslebens hatte ich noch sehr oft Gelegenheit, mit Huschke zusammenzuarbeiten - ob nun in seiner Zeit als Porsche-Rennleiter, als AvD-Sportpräsident oder als ONS-Präsident. Er lobte und tadelte, konnte beißenden Spott über dir ausgießen und im selben Moment Streicheleinheiten verteilen. Immerhin hatte er den Mut, mich 1972 neben dem großen Herbert Völker mit der Pressearbeit der gigantischen AvD/ADAC-Olympia-Rallye zu betrauen.

Noch im Ruhestand hat mir Huschke zu diversen Anlässen freundschaftliche Zeilen geschickt. Dabei blieb er stets ein Charmeur - kaum ein Telefonat oder Brief von ihm ohne den Zusatz „Grüße und meine Verehrung an Ihre Damen“.

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Huschke hat mich immer mit meinem Vornamen und mit Sie angesprochen. Als er mir ein paar Jahre vor seinem Tod das Du anbot, hatte ich Hemmungen, das anzunehmen. Da war einfach zu viel Respekt gegenüber diesem Mann, seiner gesellschaftlichen wie sportlichen Position und seiner Lebensleistung.

Am 5. März 1996 ist der große Huschke von Hanstein im Alter von 85 Jahren in Stuttgart gestorben. Neun Jahre später verstarb auch seine Frau Ursula ebenfalls mit 85. In Erinnerung an ihren Huschke hat sie noch zu Lebzeiten zusammen mit dem Journalisten Tobias Aichele ein Buch über ihren berühmten Ehemann mit dem Titel „Der Rennbaron“ verfasst.

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