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Freestyle-Ausnahmeerscheinung Petr Pilat: Nur Fliegen ist schöner

Nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,92 ist Petr Pilat eine Ausnahmeerscheinung. Als jüngster Mensch, der mit einem Motorrad den Backflip stand, hat er einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Supercross

Im Artikel erwähnt


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Am 8. August findet in Kostelec bei Prag wieder das traditionelle Falta-Memorial statt. Diese Veranstaltung ist kein normales Classic-Event. Hier kann man Sportlerpersönlichkeiten aus unterschiedlichen Sparten treffen. 2025 traf ich dort zum Beispiel den Talkessel-Sieger von 1986, Josef Chara sowie den Talkessel-Sieger von 1981, Petr Kovar, die erhellende Einblicke in die Geschichte des tschechoslowakischen Motocross-Sports gaben. Aber auch die Sportler der Gegenwart sind in Kostelec präsent. Der tschechische Freestyle-Star Petr Pilat hat dort mit seiner Junior-Akademie für ein spektakuläres Rahmenprogramm gesorgt und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

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Petr Pilat – auch in Dortmund bestens bekannt

Petr Pilat dürfte den deutschen Fans vom Supercross Dortmund bekannt sein, wo er seit 2012 immer wieder (und zuletzt 2026) spektakuläre Shows gezeigt hat. Petr Pilat war eines der aufstrebenden Talente der 2000er und 2010er Jahre. Schon als fünfjähriges Kind war er Europameister, 2002 italienischer Jugendmeister der 65er Klasse und zweifacher tschechischer Meister in der 65er und 85er Klasse. 1991 wurde 'Pillnitz' in Prag geboren und genau deshalb trägt er die Startnummer 91. «Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich zuerst auf einem Schaukelpferd oder auf einem Motorrad gesessen habe. Jedenfalls habe ich schon mit drei Jahren zum ersten Mal am Gasgriff gedreht. Erinnern kann ich mich daran zwar nicht, aber meine Eltern erzählen es immer wieder.»

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Ich weiss schon gar nicht mehr, ob ich zuerst auf einem Schaukelpferd oder auf einem Motorrad gesessen habe.

Petr Pilat

Nur Fliegen ist schöner

«In der Luft hat es mir seit meiner Kindheit mehr Spaß gemacht als auf dem Boden», erklärt Pilat. «Ich hatte das Glück, dass damals ganz in unserer Nähe Petr Kuchař wohnte [Anm.: Bekannter tschechischer Motocrosser und Freestyler]. Er nahm mich unter seine Fittiche und beaufsichtigte zusammen mit meinem Vater meine ersten Schritte. Im Jahre 2001 beendete Kuchař seine Motocross-Karriere und wechselte zum Freestyle. Er baute sich eine Rampe und legte los. «Ich war sofort begeistert. Petr lieh mir eine Rampe, die wir gemeinsam hinter unserem Haus aufstellten. So begann ich schon im Alter von zehn Jahren mit Freestyle.» Drei Jahre später hätte dieses Abenteuer beinahe tragisch geendet. «Während einer Show in Orlík 2004 stürzte ich und verletzte mir den gesamten Brustkorb. Hubschrauber, Krankenhaus, Intensivstation, Koma, es war eine schlimme Zeit.» Neben Organschäden an Lunge, Leber und Milz brach er sich beide Arme. «Aber ich kämpfte mich zurück und schaffte es mit der Unterstützung meiner Familie, wieder auf die Beine zu kommen. Nach einem halben Jahr saß ich wieder auf dem Motorrad.»

Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde

Im Herbst 2005 sprang 'Pillnitz' bei den FMX Gladiator Games einen Backflip und erhielt im Alter von 14 Jahren als jüngster Backflip-Springer aller Zeiten einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. «Als ich den Backflip vor den Zuschauern in der Sazka Arena zeigte, war ich völlig überwältigt», sagt Petr. «Ich glaube, ich hatte gezeigt, dass ich es mit Freestyle Motocross ernst meinte. Und das tue ich bis heute.»

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Rekordhalter in mehreren Kategorien

Seine Größe von 1,92 ist außergewöhnlich. «Ich denke, ich bin der größte Freestyler des Planeten [Anm.: Natürlich in Bezug auf die Körpergröße]. «Ich werde immer wieder gefragt, ob ich für diesen Sport nicht viel zu groß gewachsen bin. Ich kann dazu nur sagen: Ich weiss es nicht, denn für mich ist es alternativlos. Bei manchen Tricks sieht es aber auch gut aus, wenn man groß ist. Und die Preisrichter können das bei Wettkämpfen sehr gut erkennen.»

Erneuter Rückschlag und Europameister 2015

«Ich nahm dann an den Freestyle-Europameisterschaften teil, hatte aber erneut einen schweren Sturz mit schweren Verletzungen. Die Ärzte prognostizierten mir zwei Jahre ohne jegliche sportliche Aktivität, doch ich gab nicht auf, arbeitete hart an meinem Comeback und stellte fest, dass das beste Heilmittel der Glaube an sich selbst war. Nicht einmal drei Monate nach dem Unfall saß ich wieder auf dem Motorrad und vollendete das, woran ich gearbeitet hatte: Ich wurde Europameister. Als ich bei der Siegerehrung der NIGHT-of-the-JUMPs-Europameisterschaft auf dem Podium stand und die Nationalhymne erklang, liefen mir die Tränen über das Gesicht. Ich erinnerte mich an die Worte der Ärzte und ihre Prognosen und jetzt stand ich dort nur wenige Monate nach dem Unfall stärker als zuvor auf dem Siegerpodest.»

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Freestyle Junior Academy

«2015 habe ich dann die Freestyle Junior Academy gegründet. Es gibt sie nun also seit über 10 Jahren. Ich habe ein paar sehr talentierte Jungs und bin stolz auf sie, denn es gibt nicht sehr viele junge Leute, die Freestyle Motocross betreiben.»

Viertakter im Freestyle

Freestyle galt lange als eine der letzten Domänen der Zweitakter. Zwischenzeitlich tauchen aber auch immer mehr Viertakter im Freestyle-Sport auf. «Mein ganzes Leben lang bin ich mit einer 250er Zeitaktmaschine gefahren. Aber in den letzten zwei Jahren haben sich die Zweitakter mit dem Übergang vom Vergaser zum Einspritzer stark verändert. Damit veränderte sich auch die Explosivität der Kraftentfaltung. Sie wurde sanfter. Das mag gut für Motocross sein, aber für Freestyle brauchen wir besonders in kleinen Arenen und bei kurzen Anlaufzonen die volle Leistungsentfaltung. Und genau damit war ich nicht mehr zufrieden und das war auch der Hauptgrund, auf eine Viertaktmaschine umzusteigen. Ich fahre die 450er KTM. Sie hat jede Menge Power. Für viele Tricks ist sie gut, für andere wiederum wäre ein Zweitakter besser. Beide haben also Vor- und Nachteile. Das Verhältnis ist 50:50. Aber im Herzen bin ich immer noch ein Fan der Zweitakter.»

Freestyle vs. Motocross: Die Unterschiede

«Wir haben straffere Federn und nehmen anderes Öl für unsere harten Landungen», erklärt Pilat. «Die Sitzbank ist niedriger, weil wir den Platz für die Beine brauchen. Es gibt einen Griff unter der Sitzbank (seat grab). Der Lenker ist etwas höher und wir haben hier die 'flip levers', die hauptsächlich für Backflip-Kombinationen vorgesehen sind. Diese Hebel verhindern, dass sich der Körper zu weit nach vorne dreht. Dann würdest du nämlich stürzen, das Bike würde dich treffen und das ist nicht angenehm.»

20 Jahre KTM mit Höhen und Tiefen

Im vergangenen Jahr feierte 'Pillnitz' sein 20-jähriges Jubiläum mit KTM und während dieser Zeit hatte der Tscheche natürlich auch mit teils schweren Verletzungen zu tun: «Es ist wie im Motocross: Wer schnell sein will, wird manchmal stürzen und sich verletzen.» Pilat startet für den legendären Sportclub Dukla Prag, für den praktisch alle namhaften tschechischen Motocrosser gestartet sind: Von Jaroslav Falta über Zdenek Velky, Jiri Churavy, Miroslav Halm und viele andere Cross-Legenden. «Ich bin stolz darauf, dass ich das Logo von Dukla auf meinem Rennshirt tragen kann», sagt der sympathische Tscheche.

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