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TourenwagenKolumne
Serie „Vergessene Flugplatzrennen“, Folge 1: Pferdsfeld und Trier
Flugplatzrennen gehörten fast 50 Jahre lang bis vor der Jahrtausend-Wende zu den populärsten Renn-Veranstaltungen Deutschlands. Wir erinnern an einige der über 30 ehemals so beliebten Veranstaltungen.
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Porsche Super 90-Klasse 1960:  Amateure kämpfen in Pferdsfeld um den Sieg Porsche Super 90-Klasse 1960: Amateure kämpfen in Pferdsfeld um den Sieg Foto: Seufert
Porsche Super 90-Klasse 1960: Amateure kämpfen in Pferdsfeld um den Sieg © Seufert
Als „Mütter“ der deutschen Flugplatzrennen gelten die Militär-Airports von Pferdsfeld und Trier. Die beiden AvD-Clubs HMSC (Pferdsfeld, ab 1955) und EMSC (Trier, ab 1956) haben die Tradition der klassischen Flugplatzrennen hierzulande begründet, bevor weitere Veranstalter in den 60er- und 70er-Jahren folgten.
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Die ersten Rennen als Hobby-Journalist Pferdsfeld und Trier waren auch für mich als junger 16-jähriger Hobby-Rennsport-Journalist die ersten Rennen, über die ich für Tageszeitungen im Rhein-Main-Gebiet berichtet habe. Um an die Orte der Handlung zu gelangen, musste ich mich noch auf die Mitfahrdienste meiner Wiesbadener Racing-Kumpels verlassen. Erst zwei Jahre später war ich stolzer Besitzer einer Fahrerlaubnis und durfte Mutters Opel Kadett für Reisen zu den Rennstrecken nutzen. Der kleine Ort Pferdsfeld im Landkreis Bad Kreuznach eröffnete 1956 den Reigen deutscher Flugplatzrennen, Trier folgte ein Jahr später. Zunächst ein paar Fakten zu Pferdsfeld. Dass dort auf dem US-Militärflughafen überhaupt Rennen gefahren werden konnten, war auf die guten Verbindungen des deutsch-amerikanischen „Hesse Motor Sports Club“ (HMSC) in Wiesbaden zu den US-Militärdienststellen zurückzuführen.
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Die ca. 2,5 km lange Strecke wurde gegen den Uhrzeigersinn befahren, es gab eine sehr lange Start-Zielgerade, danach viele Infield-Kurven unter Einbezug zahlreicher Rollweg-Kombinationen inklusive eines deftigen Sprunghügels.
Pferdsfeld: Trips, Herrmann, Mitter, Stuck senior & Co. Alles was damals Rang und Namen hatte, startete regelmäßig in Pferdsfeld. Graf Trips, Hans Herrmann, Gerhard Mitter, Hans Stuck sen., Vater und Sohn Ahrens, Eberhard Mahle, Jaguar-Star Peter Lindner, die Porsche-Größen Fritz Leinenweber, Herbert Linge oder Dieter Glemser bis hin zu den Alfa-Experten Karl Foitek, Herbert Schultze, Ernst Furtmayr oder Toni Fischhaber. Und selbst Rudolf Caracciola war 1957 mal in Pferdsfeld, allerdings nur als Ehrengast und Schirmherr.
Sogar die prominenten und vom Rennsport infizierten Film-Schauspieler Gunther Philipp (privater Ferrari 250 GT, Werks-Mercedes 300 SL) und Peter Krauss (Alfa Romeo Spider) scheuten sich nicht, hier anzutreten. Während Phiipp ein echter Siegfahrer war, galt Schlagerbarde Krauss eher als ambitionierter Hobbypilot mit überschaubarem Talent. Das Ende von Pferdsfeld Am 31. Mai 1960, nach sechs erfolgreichen Durchführungen, endete das Kapitel Pferdsfeld zwangsweise. Im Laufe des Jahres 1961 übernahm die Bundeswehr den Flugplatz von den US-Streitkräften. Es folgte die Hochstufung zum NATO-Einsatzflughafen, was bedeutete, dass die Bundeswehr hier keine Rennen mehr zuließ.
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Bis zur Schließung des Flughafens war in Pferdsfeld ein Alarm-Jagdgeschwader der Bundeswehr stationiert. Am 15. Juli 1997 wurde der Fliegerhorst Pferdsfeld ganz geschlossen und von der deutschen Vermögensverwaltung an private Investoren verkauft. Zunächst nutzte Opel große Teile der Strecke als Test- und Eventzentrum, bis 2003 der Investor „Triwo“ sich die alleinigen Eigentümerrechte sicherte. Das Gelände wurde danach Zug um Zug zu einer Art Gewerbepark umgestaltet. Und aus der ehemaligen Start- und Landebahn sowie den Rollwegen wurde ein hochmodernes Testareal mit angeschlossenem Zentrum für Sicherheitstrainings. Integriert sind ein großer Solarpark und ein Naturschutzgebiet. Einmal im Jahr, zumeist im August, ist das Pferdsfeld-Areal Schauplatz des großen Alfa-Happenings „Pista & Piloti“. Alfa-Fans aus ganz Europa treffen sich zu einer Zweitage-Veranstaltung mit Demo-Läufen und weiteren Wettbewerben auf den teils umgebauten und renovierten, teils noch im Originalzustand befindlichen Streckenführungen. Der kleine Ort Pferdsfeld allerdings existiert schon lange nicht mehr. Die Gemeinde siedelte die Bewohner 1979 nach Bad Sobernheim um. Für die Auflösung hatten die Einwohner mehrheitlich votiert, da das Leben am Rande des NATO-Flughafens mit dem permanenten Lärm der startenden und landenden Kampf-Jets unerträglich geworden war. Die Ortschaft wurde nach der Umsiedlung eingeebnet.
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Trier: holprig und nicht ungefährlich Mit solchen Problemen musste sich Trier nicht auseinandersetzen. Auch dieses frühe Flugplatzrennen vor den Toren der Stadt ist Mitte der 50er-Jahre kurz nach Pferdsfeld durch gute Verbindungen entstanden. Denn auch im „Eifel Motor Sport Club“ (EMSC) betrieben Deutsche, Amerikaner und Franzosen gemeinsam Clubsport-Events und hochrangige Clubmitglieder sorgten dafür, dass der unter Verwaltung der Alliierten stehende Airport für Rennen geöffnet wurde.
Der knapp zwei Kilometer lange Kurs galt als holprig und nicht gerade ungefährlich. Wer im Innenbereich von der groben Betonplattenpiste mit ihren abenteuerlichen Verfugungen abkam, hatte die freie Auswahl zwischen unsanften Landungen in mächtigen Stacheldrahtrollen, einem Salto in der unebenen Wiese oder schlimmstenfalls einer Kollision mit geparkten Armeefahrzeugen. Und dann erst das Kapitel Streckenbegrenzungen – zwischen den seitlichen Abschlüssen der Betonplatten und dem Beginn des unbefestigten Infields klaffte oft ein brutaler Versatz zum losen Untergrund mit Dreck und kleinen Steinchen. So mancher Wettbewerber musste sein Rennen in Trier mit unerwarteter Frischluftzufuhr zu Ende bringen, weil ihm der Vordermann im Nahkampf die Frontscheibe mit aufgewirbelten Steinen zerschoss. Es soll auch Zeitgenossen gegeben haben, die das ganz bewusst provoziert haben, um den lästigen Verfolger auf Abstand zu halten.
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Mit der Organisation hatte sich das heimische, motorsportbegeisterte Ehepaar Daewel einer Lebensaufgabe verschrieben. Parallel zum Flugplatzrennen organsierten die beiden auch noch das Wolsfeld-Bergrennen in der Südeifel. Hier absolvierte übrigens der spätere Weltklasse-Pilot Rolf Stommelen 1964 im privaten Porsche 904 GTS (Kennzeichen K-SR 904) mit Straßenzulassung seine höchst erfolgreiche Premiere als Hobby-Rennfahrer. Später startete der Kölner dann auch beim Flugplatzrennen Trier und entpuppte sich als überaus harter Brocken für die etablierte Porsche-Konkurrenz.
Immerhin überlebte der Kurs in Trier-Euren deutlich länger als Pferdsfeld und brachte es zwischen 1956 und 1966 auch auf mehr als doppelt so viele Veranstaltungen. Denn in einigen Jahren wurden sogar gleich zwei Renn-Wochenenden angesetzt, sodass Trier auf insgesamt 15 Events kam.
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Aber auch hier nahte das Ende mehr oder weniger zwangsweise. Nach mehreren schweren Unfällen verzichtete der EMSC ab 1966 in Absprache mit den Flugplatz-Betreibern aus Sicherheitsgründen auf die weitere Durchführung. Danach wurde das Gelände zunächst weiter für militärische Zwecke genutzt, später auch als Erprobungsareal für Armee-Trucks und Kettenfahrzeuge.
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