Dakar-König Peterhansel: «Carlos Sainz ist schneller»

Von Werner Jessner
Dakar Auto
Stéphane Peterhansel hat auch nach 25 Dakar-Einsätzen noch nicht genug von der Wüsten-Hatz

Stéphane Peterhansel hat auch nach 25 Dakar-Einsätzen noch nicht genug von der Wüsten-Hatz

25-mal am Start, 11-mal als Erster im Ziel. Kein Pilot in der Geschichte der legendären Rallye Dakar war erfolgreicher als der 49-jährige Franzose Stéphane Peterhansel. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Was treibt ihn an?
Stéphane Peterhansel, haben Sie inzwischen nicht schon alles gesehen? Seit 1988 fängt Ihr Jahr gleich an…

Ach, meine grosse Leidenschaft ist das Erkunden neuer Länder. Da sich die Streckenführung jedes Jahr ändert, gab es bislang noch immer etwas Neues zu entdecken.

Aber dazu müsste man nicht unbedingt Rallyefahrer werden.

Stimmt. Im September habe ich zum Beispiel Lesotho mit dem Fahrrad durchquert.

Warum das?

Lesotho wird komplett von Südafrika umschlossen. Ich war da noch nie, und da die Dakar in Südamerika fährt, wird sie mich auch nicht so schnell hinbringen.

Warum mit dem Fahrrad?

Irgendwie muss man sich ja körperlich auf die Dakar vorbereiten.

Trotzdem: 25 Dakar-Starts…

Meine zweite Leidenschaft ist eben Motorsport. Für mich ist die Dakar die perfekte Kombination.

Irgendwann wird man es dann trotzdem gesehen haben, im Wesentlichen.

Die Dakar in Afrika bin ich 19 Mal gefahren. Jedes einzelne Mal war der Himmel anders, vom Sand und den Gerüchen ganz zu schweigen.

Wo war es am schönsten?

Landschaftlich hat mir Algeriens Süden sehr gut gefallen. Als komplette Veranstaltung war die Route von Paris nach Kapstadt am abwechslungsreichsten. In Südamerika ist alles rund um die Kordilleren sehr spektakulär. Nass, trocken, extreme Höhe: Als Reisendem wird dir da schon was geboten.

Das ideale Alter, die Dakar zu gewinnen?

Als ich 35 Jahre alt war, habe ich meinen Landsmann Jean-Louis Schlesser (geb. 1948, Rallye-Dakar-Sieger 1999 und 2000; Anm.) für einen alten Mann gehalten. Heute bin ich noch immer jünger als er bei seinem letzten Sieg. 49 ist doch kein Alter! Im Kopf bin ich noch jung, und körperlich fühle ich mich auch tadellos.

Wie lange fahren Sie noch?

Einen sechsten Sieg in der Auto-Kategorie hätte ich schon noch gerne. Auf dem Bike habe ich auch sechsmal gewonnen. Das ergäbe ein rundes Bild. Mein Vertrag mit Peugeot Sport läuft jedenfalls über drei Jahre.

Haben Sie einst aus Angst Motorrad gegen Auto getauscht?

Eher aus Überlebensinstinkt. Bei zehn Starts mit dem Bike hatte ich keinen einzigen schweren Unfall. Ich habe Fahrer vor mir sterben sehen, andere sitzen im Rollstuhl. Subjektiv hatte ich immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Doch das war vielleicht trügerisch. Und dann war noch diese Langeweile …

Langeweile?!?

Ja. Unter deinem Helm bist du immer allein, im Himmel und in der Scheisse. Im Auto kannst du deine Gefühle mit dem Copiloten teilen.

Ihr Lieblingsauto?

Ich hatte immer sehr schnelle Autos, lauter Allradler. 2015 starte ich zum ersten Mal mit einem heckgetriebenen Buggy, dem Peugeot 2008 DKR. Selbst wenn ich jetzt, drei Monate vor dem Start, nicht das Gefühl habe, dass das Auto schon siegfähig ist, ist es doch jenes, das mir am meisten Spass macht.

Muss der Werksfahrer wohl sagen.

Im Ernst! Buggys gesteht das Reglement mehr Federweg als den allradgetriebenen Autos zu, das kommt meinem weichen, ruhigen Fahrstil entgegen. Je schlechter die Piste, desto besser der Peugeot.

Wer wird eigentlich schneller sein: Teamkollege Carlos Sainz oder Sie?

Derweil noch er. Er hat schlicht mehr Erfahrung mit Buggys.

Sie könnten ja immer noch auf Trucks umsteigen.

Hab ich letztes Jahr einmal probiert. Da geht nix weiter. Kann man mit Autofahren nicht vergleichen. Kein Bedarf!

Oder Skateboard.

Zum letzten Mal bin ich vor zehn Jahren geskatet, als ich beim Aufräumen der Garage über mein altes Board gestolpert bin. Es ging zwar noch ganz gut, aber der Sport hat sich seit meiner Blütephase vor fast vierzig Jahren doch sehr verändert. Wir sind noch Slalom-Bewerbe gefahren. Der junge Mensch von heute weiss gar nicht mehr, dass es das einmal gegeben hat.

Ein Eingeständnis des Alters?

Eher, dass man ständig dranbleiben muss, will man den Zug nicht verpassen.

www.peugeot-sport.com

Das Interview wurde für das Magazin The Red Bulletin geführt.

Stéphane Peterhansel

Geburtsdatum/ -ort: 6. August 1965 in Échenoz-la-Méline

Dakar-Debüt: 1988 auf Yamaha

Dakar-Erfolge Bike: 1991, 1992, 1993, 1995, 1997 und 1998 auf Yamaha.

Wechsel zu den Autos 1999.

Dakar-Erfolge Auto: 2004, 2005 und 2007 auf Mitsubishi, 2012 und 2013 auf Mini. Zusätzlich zwei zweite und ein dritter Platz.

Bei 25 Starts fiel Peterhansel nur zwei Mal aus.

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