Kinigadner: «Momente der Angst»

Von Andreas Rottenschlager
«Sicher wird die Dakar nie», sagt Heinz Kinigadner

«Sicher wird die Dakar nie», sagt Heinz Kinigadner

Heinz Kinigadner (49) fuhr die Rallye Dakar zu einer Zeit, als man sich die Kompasse noch auf den Arm klebte. Der Tiroler erzählt, warum GPS den Abenteuer-Faktor gekillt hat.

Wie kein anderer Österreicher hat Heinz Kinigadner die Härten der Rallye Dakar am eigenen Leib erlebt. Sieben Mal nahm der Motocross-Star aus Uderns zwischen 1992 und 2000 die Strapazen des Marathon-Rennens auf dem schwarzen Kontinent auf sich. Der bald 50-jährige gelernte Bäcker erlebte dabei Stürze, Todesfälle und die einsamsten Momente in der afrikanischen Wüste. Wir haben den erfolgreichen KTM-Manager zum Interview gebeten.

Was hat man früher Anfang der 90er gemacht, wenn man in der Wüste liegen blieb?

Dann hat dich der «Lumpensammler», der Lkw, der die liegen gebliebenen Fahrer einsammelt, geholt. Und das hat oft gedauert. In Libyen habe ich mich 1992 nach einer 100-Kilometer-Fahrt durch die Dünen verirrt. Ich hatte nur mehr wenig Benzin und habe nicht mehr gewusst, ob ich es bis ins Etappenziel schaffe. Das sind die Momente, in denen du Angst hast.

Wie haben Sie sich verhalten?

Ich bin auf eine Düne gefahren, um einen besseren Ausblick zu bekommen. Nach 30 Minuten ist ein französischer Motorradfahrer vorbeigekommen, der sich auch verirrt hatte. Da habe ich mir gedacht, geteiltes Leid ist halbes Leid. Glücklicherweise haben wir später einen Peugeot bemerkt. Dem sind wir mit Vollgas nachgefahren, und er hat uns zurück auf die Piste gebracht.

Gibt es eine Begegnung mit Einheimischen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Bei der Dakar–Kairo musste ich nach einem Sturz längere Zeit auf den Hubschrauber warten. Ich bin in der Steppe gesessen und habe vor mich hingedöst. Plötzlich hat etwas an meinem Rücken gekratzt. Ich habe irgendein Tier vermutet, deshalb habe ich laut geschrien und einen Satz nach vorne gemacht. Als ich mich umgedreht habe, ist ein Hirte hinter mir gestanden, der mir Kletten vom Rücken gezupft hat. Wir haben eine Unterhaltung begonnen, und er hat mir dann erzählt, dass er mit seiner Herde 1000 Kilometer bis zum nächsten Markt marschieren muss.
Also auch ein wilder Hund auf seine Art und Weise.
Man bekommt auf jeden Fall einen anderen Blickwinkel für das Leben dieser Leute.

Sollte man versuchen, die Dakar 2011 wieder in Afrika auszutragen?

Da gehen die Meinungen auseinander. Die kommerzielle Meinung spricht natürlich für Südamerika, weil man viel mehr Zuseher erreicht und damit mehr Berechtigung bei den Sponsoren hat. Aber mir persönlich würde es natürlich gut gefallen. Die Dakar ist Afrika. Aber die politische Situation macht es schwierig.

Auch 2010 gab es Todesopfer. Kann man ein Rennen wie die Dakar überhaupt sicherer machen?

Solche Unfälle kann man nie ganz verhindern. Wir sprechen hier von Rennen, die über mehrere tausend Kilometer gehen. Es ist ein schwieriger Vergleich, aber auch beim Bergwandern oder Drachenfliegen verunglücken Menschen. Man kann das Tempo weiter reduzieren und selektivere Streckenführungen vorschlagen. Aber ein Überschlag kann auch mit 50 km/h tödlich sein. Was schon ein Thema ist: Bei der Dakar gibt es keine Berechtigungsprüfung. Wer genug Geld hat, ist dabei, egal, ob er fit ist oder nicht.

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